"Die Wahrheit ist für mich immer die erste Wahl!"

Oft ist es leichter, zu einer Notlüge zu greifen, doch für Dani Wolf kommt das nicht infrage: Sie sagt, was sie denkt. Und wünscht sich, dass alle so ehrlich sind wie sie.

Dani Wolf ist Büroleiterin und lebt mit Mann und Sohn in Baden-Württemberg. Als momentane Vollzeitmama und Leidenschaftsbloggerin ( Gluckeundso.de ) sucht sie gerade nach ihrem "beruflichen Sinn im Leben", da das Mamasein, wie sie sagt, eine neue Frau aus ihr gemacht habe.

Ich sage am liebsten die Wahrheit. Dieser Satz klingt für viele sicherlich merkwürdig, da jeder doch von sich behaupten würde, dass es selbstverständlich sei, immer die Wahrheit zu sagen. Ist es das wirklich? Ich denke nicht! Ich würde sogar behaupten, dass es gesellschaftlich nicht anerkannt ist, ehrlich zu sein.

Ein kurzes, privates Beispiel. Shoppingausflug zweier Freundinnen. Eine steht in der Umkleidekabine und probiert einen viel zu engen Rock an. Sie stellt die Frage der Fragen: Und was sagst Du, steht mir das?

Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten. Antwort Eins, die von mir kommen würde: "Hey, sorry, aber der Rock ist viel zu eng und wirklich nicht vorteilhaft." Antwort Zwei, die von sehr vielen anderen Menschen kommen würde: "Na ja, wenn er Dir gefällt, dann nimm ihn doch."

Meine Antwort ist wahrheitsgetreu, kommt selten gut an, liegt aber in meiner Natur. Antwort Nummer Zwei ist nicht die Unwahrheit, aber eher nichtssagend und der einfache Weg.

Genau dieser einfache Weg passt so gar nicht zu mir und hat mir schon ziemlich oft Unmut, Ärger, Unverständnis und Diskussionen eingebracht. Inzwischen bin ich 31 Jahre alt, weiß, wer ich bin und was ich kann, und steh zu meinem Ehrlichkeitsdrang. Ich finde es erfrischend, wenn Menschen ehrlich und direkt sind und das, ohne groß nachzudenken. Um ehrlich (!) zu sein, kenne ich vielleicht eine Handvoll Menschen, die das so betreiben.

Höfliches Drumherumgerede? Nichts für mich.

Im privaten Umfeld fällt es mir leicht, meinen inneren Drang zur Wahrheit auszuleben. Denn: 1. Ich möchte auch, dass alle anderen ehrlich zu mir sind. Mir bringt höfliches Drumherumgerede nichts. 2. Die Wahrheit kommt immer ans Licht. Das ist kein Spruch, es ist so. 3. Wenn ich nicht ehrlich bin, dann ist es auch kein anderer. Damit meine ich, dass immer einer anfangen muss etwas zu leben, um andere zu motivieren, dies ebenfalls zu tun. 4. Meine Lebensweise schadet niemandem. Ja, das gnadenlose Ehrlichsein stößt andere unfreiwillig vor den Kopf und meine oft nicht ganz so sanfte Art, ehrlich zu sein, ist verletzend - aber der Inhalt zählt für mich. Ich möchte eigentlich nur Gutes damit erreichen. Ich möchte eigentlich immer nur helfen.

Ich will mein "Ich" nicht verraten - auch nicht im Job

Im Berufsleben ist es weitaus komplexer und schwieriger, diesen Weg konsequent zu gehen, da die Auswirkungen schnell existenziell sind. Ich versuche trotzdem, auch im Job mein "Ich" nicht zu verraten, und wurde dafür schon oft zu Kritikgesprächen gerufen. Aus Sicht der anderen habe ich es mir damit stets schwerer gemacht als ich müsste. Meine Psyche hat teilweise sehr gelitten und mich hier und da zweifeln lassen, ob "meine Wahrheit" immer gut ist.

Aber es gab auch erhellende Momente. Teilweise erst Jahre später, wenn beispielsweise Kollegen meinten, dass sie sich in mir getäuscht hätten. Sie hätten gemerkt, dass es anfangs schwer ist, die Wahrheit zu verkraften, aber sie, wenn man mal genauer hinhört und zuschaut, auch sehr förderlich sein kann. Meine letzten Jobs waren zwei Führungspositionen - und, klar, gemocht wird man da eh selten, aber meine Personalgespräche kamen immer gut an. Da meine Ehrlichkeit geholfen hat, Dinge zu verbessern.

Viele gehen lieber den einfachen Weg

Ich kann es mir nun einmal nicht aussuchen, ich bin einfach so. Ich bleibe auch so, denn die Welt wird immer unehrlicher. Die meisten möchten den einfachen Weg gehen, was durchaus legitim ist. Sie möchten gemocht werden und keinen Stress haben oder verursachen. Viele möchten selbst auch nicht so gnadenlos ehrlich behandelt werden. Klar weiß auch ich, dass es kein schönes Gefühl ist, wenn einem gesagt wird, dass der Lieblingspulli eigentlich total hässlich an einem aussieht oder es manchmal effektiver sein könnte, wie man arbeitet.

Aber haben Sie sich mal gefragt, wie es wäre, wenn die ganze Gesellschaft ehrlich wäre? Ich denke, es wäre toll, wenn man sich, ohne drumherum zu reden, ehrlich sagen könnte, wie es ist. Probleme würden schneller und optimal gelöst. Partnerschaften hielten länger und wären inniger.

Man darf nur nicht vergessen, dass es hierbei um eine freundliche und respektvolle Wahrheit geht. Mein Mann sagt es immer wieder: Der Ton macht die Musik. Und ich füge hinzu: Der Inhalt zählt. Beides zusammen ist der Schlüssel für eine wundervolle Unterhaltung und Zukunft.

Teaserbild: birdys / photocase.com
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