Eine Patchwork-Mama gesteht: Hilfe, ich ertrage meine Stiefkinder nicht!

Patchwork-Familien sind heute so normal wie Müsli zum Frühstück und Autos mit vier Rädern. Aber wie fühlt es sich an, sich um die „Kinder seiner Ex“ zu kümmern? BRIGITTE.de-Leserin und Patchwork-Mama Anne Heijn* erzählt.

Eines vorweg: Ich liebe meinen Mann und möchte mir ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen! Allerdings gibt es in unserer Beziehung etwas, das mich leider, leider, leider zutiefst stört. Sorry, nicht etwas – jemanden! Meine drei unübersehbaren Stiefkinder ... 

Böse Märchen-Stiefmutter? Ich kann sie gut verstehen!

Irgendwie klingt "Stief-" schon so negativ, und auch bei dem Wort Stiefmutter habe ich nur schlechte Assoziationen. Ich denke zum Beispiel an Hänsel und Gretel: Lag es nicht an der bösen Stiefmutter, dass sie sich im Wald verliefen und mit der fiesen Hexe rumschlagen mussten? Oder Schneewittchens Stiefmutter: Sie konnte es nicht ertragen, dass ihre Stieftochter schöner war als sie, also vergiftete sie sie einfach mal mit dem allseits bekannten Apfel.

Krasse Aktionen, die ich entschieden verurteile! Und wie sie ausgingen, wissen wir ja eh: Sowohl in Hänsel und Gretel als auch in Schneewittchen zieht die böse Stiefmutter am Ende den Kürzeren und wird für ihre Taten und Bosheiten bestraft. Ihr Wunsch, ihre Stiefkinder loszuwerden, wird natürlich nicht erfüllt – die Kids kommen einfach immer wieder zurück. 

Tja. Wie sich das anfühlt, und was man als Stiefmutter sonst noch so durchmacht, weiß ich mittlerweile genau. Keine Sorge: Ich habe mit Sicherheit nicht vor, meine Stiefkinder im Wald auszusetzen oder zu vergiften! Doch den Wunsch, sie weniger zu sehen, kenne ich nur allzu gut. Um ehrlich zu sein: Wenn ich es mir aussuchen könnte, würde ich sie gar nicht mehr sehen. Das klingt gemein, ist aber die harte, bittere Wahrheit, mit der ich Tag für Tag klarkommen muss.

Hat mein Mann vielleicht besonders blöde Kinder? 

Ich kann es einfach nicht ändern: Am glücklichsten fühle ich mich, wenn alle MEINE Kinder bei uns sind, das heißt, meine beiden älteren aus erster Ehe und die zwei kleinen von meinem Mann und mir. Das ist mein Idealzustand, in dem ich gerne 24/7 leben würde. Leider sind aber meine Großen die Hälfte der Woche bei ihrem Vater und selbst nach Jahren, die wir diese Regelung schon durchziehen, ist das jedes Mal schwer für mich. Was noch erschwerend hinzukommt: Statt meiner beiden sind dann meist die drei Kinder meines Mannes bei uns – und ihretwegen fühle ich mich gleich doppelt unwohl ... 

Ich bemühe mich wirklich, offen und positiv eingestellt zu sein. Aber sobald die drei hier sind, sich streiten, etwas kaputt machen, meine Mädels zum Weinen bringen oder andere Dinge tun, die mich stören, wünsche ich mir einfach nur den Moment herbei, wenn sie wieder zu ihrer Mutter verschwinden. Früher habe ich mich an diesen Tagen die meiste Zeit zu Freundinnen geflüchtet, um meinen Stiefkindern möglichst aus dem Weg zu gehen. Aber seit wir unsere Kleinen haben, geht das nicht mehr und ich frage mich immer öfter: Hat mein Mann vielleicht, rein zufällig, extrem blöde Kinder ...? (Ich würde sagen, Ja!)

Mein Mann ist der perfekte Stiefpapa

Jedenfalls hat er diese Probleme mit den beiden Kindern aus meiner ersten Ehe überhaupt nicht, im Gegenteil: Er ist so ein liebevoller, wunderbarer Stiefvater! Es bricht mir das Herz, dass er eine solche Bereicherung für die beiden ist, während ich seinen Kindern gefühlt gar nichts geben kann. Warum ist das so und was kann ich dagegen tun?

Ich stelle mir diese Fragen andauernd und habe leider bislang nur eine semi-zufriedenstellende Antwort auf die zweite (und für meinen Alltag wichtigere) gefunden: Einfach nur durchhalten, und zwar aus Liebe zu meinem Mann! Wenn ich ihn ansehe, ihn mit meinen Großen beobachte, er bei mir ist, meine Hand hält und mich beruhigt, dann weiß und spüre ich, dass er es wert ist. Und wenn mich dann noch unsere beiden Mädels anlachen, kommen mir seine Kinder sowieso wie ein verkraftbares Übel (ja ja, sorry!!) vor. Vielleicht entscheiden sie sich ja früher oder später dafür, nur noch bei ihrer Mutter leben zu wollen. Oder sie gehen zelten – und verlaufen sich dabei völlig unerwartet im Wald [böses Stiefmutterlachen ...]

Doch egal, wie man’s dreht und wendet: Aus meiner Erfahrung kann ich nicht gerade sagen, dass eine Patchwork-Familie eine ideale Lösung oder Konstellation ist. Für mich ist sie jedenfalls nichts weiter als ein Kompromiss – und zwar einer von der Sorte, die ich wirklich nur für einen Menschen eingehen würde, den ich aus vollem Herzen liebe!

*Name geändert

Eine Patchwork-Mama gesteht: Hilfe, ich ertrage meine Stiefkinder nicht!

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