"Frauen und Kinder zuerst? Wohl kaum ..."

Es sollte ein harmloser Filmeabend mit den Freundinnen werden. "Titanic" stand auf dem Programm. Aber dann kam es zu einer hitzigen Debatte zum Thema Feminismus. Findet ihr euch wieder?

Neulich saßen bei mir auf der Couch drei Freundinnen, die sich alle als emanzipiert bezeichnen würden. Wir machten eine Filmabend und schauten zuerst Star Wars, dann Titanic. Vielleicht ist auch das schon eine bezeichnende Kombination, wenn es um das Thema Frau-Sein geht. Alles ist dann gleich so aufgeladen und bedeutungsschwanger. Und genau das ist das Problem.

Natürlich wussten wir, wie das mit der Titanic endet. Doch an diesem Abend stolperten wir über den Satz "Frauen und Kinder zuerst in die Rettungsboote!"

Dass man das aber heute so nicht mehr sagen könnte und Frauen eben nicht mehr das "schwache Geschlecht" seien. Wäre die Titanic unter uns untergegangen, hätten wir wahrscheinlich so lange diskutiert, bis alle ertrunken wären.

Peinliches Erlebnis

Lena Guntenhöner, Jahrgang 1986, hat Kulturjournalismus studiert und arbeitet als freie Journalistin in Berlin. Sie hat oft das Gefühl, dass man sich als Frau zu Themen wie der Frauenquote oder dem Gender Mainstreaming nicht nicht verhalten kann.

Ortswechsel - Betriebsfeier: Ein Kollege feiert seinen Abschied. Er erzählt von seiner neuen Stelle und dem Karrieresprung, den er gemacht hat. Interessiert lausche ich mit ein paar Kolleginnen seinen wirklich unterhaltsamen Anekdoten. Bis weiterer Kollege hereinkommt und die Situation mit den Worten erfasst: „Ist das Martins (Name geändert) Märchenstunde hier?“

Autsch, das hat gesessen! So was sollte einem als emanzipierte Frau natürlich nicht passieren, stumm schweigend an den Lippen eines Vorgesetzten zu hängen. Ich glaube, das ist uns allen in diesem Moment durch den Kopf gegangen. Und dass, obwohl wir noch kurz zuvor über die Wortbeiträge von Frauen und Männern in beruflichen Meetings gesprochen hatten.

Was ich jetzt damit sagen wollte? Dass ich manchmal ganz schön verwirrt bin, was denn jetzt richtig, also emanzipiert, und was falsch ist. Klar ist das eine Schwarz-Weiß-Sicht, aber bei der Menge an Meinungen, die zu dem Thema kundgetan werden, fällt es mitunter schwer, sich auf das eigene Urteil zu verlassen. Regelmäßig zerfleischen sich Frauen gegenseitig, wenn es um Feminismus geht. „Du bist entweder für oder gegen uns“ - den Eindruck bekommt man von den Altfeministinnen um Alice Schwarzer, der jungen Netzszene und auch den Ultrakonservativen um Birgit Kelle.

Das mit den Frauen und Kindern in den Rettungsbooten hat übrigens schon auf der Titanic nicht sonderlich gut geklappt. Die Anweisung des Kapitäns wurde teilweise missverstanden, als ob nur Frauen und Kinder gerettet werden dürften. Was dazu führte, dass leere Boote zu Wasser gelassen wurden, wenn keine in der Nähe waren.

Heute wird im Falle eines Schiffsunglücks übrigens den hilfebedürftigsten Passagieren zuerst geholfen, also behinderten, verletzten oder kranken Menschen, Alten und kleinen Kindern. Darauf könnte man sich einigen, oder?

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