Linda und Katie - eine Liebe zwischen Business und Baby

Die Top-Managerinnen Linda und Katie sind verheiratet - und freuen sich über ihr neues Familienglück: Oskar. Zwei Frauen zwischen Management und Wickeltisch.

Wir buchen unseren Urlaub - ein Jahr im Voraus

Urlaube sind in unseren Jobs schwer planbar. Wir gehören beide zu den wenigen weiblichen Führungskräften in Kreativ-Agenturen: Katie ist Executive Creative Director bei "Brand Union" und ich bin Geschäftsführerin der Berliner Agentur "Graft Brandlab."

Aber dieses Jahr wollten wir es unbedingt schaffen: Katies Familie in Neuseeland und meiner alten Heimat in Peking einen Besuch abstatten. Wir haben fast ein Jahr im Voraus Flüge gebucht und uns damit quasi gezwungen, lange vorher frei zu nehmen.

Oskar will nicht mehr warten

25. Dezember 2015. Eigentlich sollte dieser Tag für uns nicht existieren, denn wegen der Zeitverschiebung auf unserem geplanten Flug zwischen Los Angeles und Sydney hätten wir ihn komplett verloren. Und dann das.

Wir mussten schon schmunzeln, als uns mitgeteilt wurde, dass der Geburtstermin unseres Sohnes auf diesen quasi für uns nicht vorhandenen Tag fallen sollte. Ironie des Schicksals? Oder verwehrt sich unser Sohn schon vor seiner Geburt der Geschwindigkeit unseres Lebens? Die Flüge haben wir storniert. Oskar kam dann am 29. Dezember auf die Welt.

Unser Kinderwunsch erfüllt sich. Und jetzt?

Ja, wir haben das alles genauso gewollt. Doch die Veränderung, die ein Kind in unser beider Leben bringt, ist für uns überhaupt noch nicht greifbar.

Wir waren es gewohnt, alles für unsere Jobs zu geben. Nun realisieren wir, dass sich die Prioritäten verschieben. Auf einmal stehen Wartelisten für einen Kitaplatz und die Babyausstattung auf dem Plan. Wie für alle anderen werdenden Eltern auch.

Nicht nur Reisepläne haben sich geändert. Wir werden hineingesogen in eine für uns völlig neue Welt, in der es plötzlich nicht mehr nur um Präsentationstermine und anstehende Geschäftsreisen geht.

Wir können uns beide nicht vorstellen, unseren Job nur in Teilzeit zu machen, geschweige denn, ihn komplett aufzugeben. Wir bezweifeln, dass das überhaupt geht in unseren Positionen.

Aber wie ist das vereinbar mit Kitas, in denen unser Sohn nur schwer einen Platz bekommt und bei Schließzeiten, die es schier unmöglich machen, Familie und Beruf zu vereinbaren? Wie bleiben wir Geschäftsfrauen, die sich in einer Testosteron-gesteuerten Umgebung behaupten? Und wie finden wir die Mutterrollen, die es uns erlauben, eine absolut gleichberechtigte Beziehung zu führen? Das ist für uns beide neu. In der Balance zwischen Familie und Beruf wie auch zwischen der unserer beider Kulturen.

Culture Clash

Katie schaut immer wieder fasziniert auf die vielen Formulare, die ein Baby in Deutschland mit sich bringt: "Nobody even thinks about that in New Zealand!" Und sie ärgert sich über das mangelnde Reaktionsvermögen der Deutschen. Emails werden nicht bestätigt, es kommt kein „Danke“ oder „Wir schauen uns das an und melden uns wieder.“ Wo bleibt das freundliche Miteinander? Schweigendes Einverständnis ist ihr zu wenig Kommunikation. Und zu viel Fokus auf Negatives.

Was sie als Neuseeländerinnen-Freigeist von mir und den Deutschen lernt? Excel-Files für Kita-Plätze.

Binationale Ehe: Was wir voneinander lernen

Ich hingegen hab erst in der Fremde festgestellt, was es heißt, in Deutschland aufgewachsen zu sein. Dass Organisationsdrang, Pünktlichkeit und Perfektionismus ihre Wurzeln im Heimatland haben. Und auf welch hohem Niveau sich die Deutschen gerne beklagen. Mein Blick auf die alltäglichen Realitäten hat sich verändert. Ich ärgere mich heute darüber, dass Deutsche so selten positiv reagieren. (Katie schmunzelt.) Und ich freue mich darüber, dass ich es inzwischen schaffe, mich nicht um alles sofort in totaler Perfektion zu kümmern.

Wir haben beide gelernt, den Dingen auch mal ihren Lauf zu lassen. Das ist vielleicht auch das Credo für die Fragen, die sich uns nun mit Oskar neu stellen. Sagen nicht sowieso auch immer alle, dass sich mit Kindern schlecht planen lässt? So ist unser Plan – wenn überhaupt –, einen extrem flexiblen Plan zu haben, der sich an das anpasst, was da auf uns zukommt. Or as they say in New Zealand: She’ll be right!" ("Wird schon schief gehen!").

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