Menstruation nach der Schwangerschaft - einmal Gefühlschaos und zurück

Plötzlich war sie wieder da: die erste Menstruation nach der Schwangerschaft. Und sie traf Andrea Zschocher mehr als unvorbereitet. Eine Leserkolumne über ungebetenen Besuch.

Andrea Zschocher ist freie Journalistin, Bloggerin und Mutter aus Berlin. Besonders gern schreibt sie über die Themen Kind(er) und Familie. Die schönen Momente im Leben mit Kind hält sie auf ihrem Blog "Runzelfuesschen" fest. Andrea Zschocher besitzt eine große Neugier auf das Leben und lacht gern.

Ich konnte es nicht fassen. Da war sie wieder. Eineinhalb Jahre hatte ich nichts von ihr gesehen, und nun war sie zurück. Im vollkommen falschen Moment. In wenigen Stunden sollte Besuch eintreffen, sie war also wirklich die Letzte, die ich in diesem Moment erwartet hatte. Ungläubig starrte ich sie an. Das durfte einfach nicht wahr sein. Es war nicht etwa eine alte Freundin, von der ich überrascht wurde, es waren meine Tage. Entgeistert starrte ich in die Toilettenschüssel. Kniff die Augen zusammen, es war immerhin fünf Uhr früh, ich konnte mich auch irren. Aber nein, spätestens der Blick in den Slip bestätigte meine Vermutung. Zwei kleine, rostrote Flecken auf weißem Grund, Irrtum ausgeschlossen.

Meine Menstruation, meine Regel, meine Periode, wie auch immer man es umschreiben will, sie war zurück. Und hatte nichts Gutes im Gepäck. Wir waren im Urlaub, mein Mann in Elternzeit, unsere sieben Monate alte Tochter quietschvergnügt und ich ohne Hygieneartikel, heulend auf dem Klo. Ich hatte einfach nicht damit gerechnet. Hatte all die Geschichten von Freundinnen und Bekannten geglaubt, die mir versicherten: "Solange du stillst, bekommst du deine Tage nicht."

Sicher, ich hatte in den letzten Tagen immer mal wieder Bauchschmerzen gehabt und auch leichtes Nasenbluten. Das waren, bis zur Schwangerschaft, jeden Monat die untrüglichen Zeichen dafür gewesen, dass ich meine Periode bekommen würde. Aber das alles war nur noch ganz, ganz schwach in meinem Gedächtnis. Überlagert von all den neuen Gedanken und Gefühlen, die das Leben mit Baby mit sich bringt. Die Erinnerung an meine Periode lag irgendwo verschüttet unter Babyblues, Muttergefühlen und Elternstress.

Noch ganz frisch in Erinnerung ist dafür die letzte Monatsblutung, vor rund anderthalb Jahren. Die eigentlich keine war, nur wusste ich das zu diesem Zeitpunkt nicht. Einnistungsblutung, so heißt das, was ich gesehen und für meine Regel gehalten hatte. Als ich mich aber beim Geruch von Parfüm übergeben musste und keine Kekse mehr essen wollte, machte ich einen Schwangerschaftstest. Der sehr uneindeutig ausfiel. Waren das jetzt zwei Striche oder nicht? Bei der Frauenärztin kam die Frage nach der letzten Periode. Ich geriet ins Stottern. "Also, ähm, ich weiß nicht. Entweder vor zwei Tagen, aber nicht so richtig, oder vor einem Monat", versuchte ich zu erklären. Die Arzthelferin nickte wissend und schickte mich zur Urinprobe auf die Toilette. Meine Frauenärztin bestätigte es: "Herzlichen Glückwunsch, Sie sind schwanger." Neben all der Freude war da auch der Gedanke, dass ich nun monatelange nicht menstruieren würde. Was ich toll fand. Denn auch wenn ich, abgesehen von Nasenbluten und Bauchschmerzen, keine Beschwerden hatte, so richtig toll fand ich das nicht. Entweder war ich an diesen Tagen extrem kuschelbedürftig oder extrem kratzbürstig.

Dass mich diese Gefühlsextreme in noch viel schlimmerem Ausmaß auf der Toilette am Urlaubsort heimsuchen würden, war mir nicht klar. Ich war vollkommen unvorbereitet, nicht nur materiell, sondern vor allem auch mental. Nach einem kurzen Moment der Schockstarre fing ich hemmungslos an zu weinen. Ich war untröstlich darüber, dass ich keinen Tampon zur Hand hatte. Dann fiel mir auf, dass ich auf der kalten Kloschüssel saß. Auch ein Grund zum Weinen. Immerhin schaffte ich es nach zehn Minuten zurück ins Schlafzimmer, das Baby wollte gestillt werden. Als mich meine Tochter erblickte, quiekte sie in den höchsten Tönen und schlug ihre Händchen zusammen. Das unterbrach den Tränenfluss, und ich lächelte sie an. So viel Fröhlichkeit hatte ich auf die Welt gebracht, das war der Grund gewesen, wieso meine Periode überhaupt ausgeblieben war. Ich umarmte meine Tochter und ließ den Tränen freien Lauf. Diesmal vor Glück.

Pünktlich zur Ladenöffnungszeit suchte ich die hiesige Drogerie auf, das Arsenal an Tampons und Binden hatte mich zurück. Ich war den Tränen abermals nahe, wie sollte ich mich denn nun entscheiden? Der einzige Gedanke, der mir immer und immer wieder durch den Kopf ging: "Ich will das nicht, ich will das nicht." Wieder jeden Monat diese Launen ertragen. Wieder das Regelblut zwischen den Beinen spüren und sich alles andere als frisch fühlen.

Was folgte, war eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Das kannte ich so nur aus den ersten Tagen mit einem Neugeborenen. Für all die Tränen und meine Hilflosigkeit waren wohl die Hormone verantwortlich. Monatelang hatten sie die Macht in meinem Körper und meinen Gefühlen übernommen, plötzlich verließen sie mich. Langsam, ganz langsam, kehrte ich hormonell in das Leben vor der Schwangerschaft zurück. Vielleicht weinte ich an diesem Tag auch ein bisschen, weil mir bewusst wurde, dass die Rückkehr meiner Regelblutung auch bedeutet, dass mein Baby gar nicht mehr so klein ist. Dass die Schwangerschaft und die ersten Monate wirklich unwiederbringlich hinter mir liegen und ich, theoretisch, ein zweites Kind bekommen könnte. Nach anderthalb Jahren ohne Menstruation kehrte ein Stück ungeliebter Alltag aus der Welt vor dem Kind zu mir zurück.

Die Menstruation macht aus Mädchen Frauen, wurde mir im Sexualkundeunterricht beigebracht. Meine Mutter wollte mich damals, mit 14, auf dem neuen Weg zum Frausein begleiten und hat den Tag meiner ersten Periode mit mir feierlich begangen. Es gab Eis und Mutter-Tochter-Gespräche, ich erinnere mich sehr gern daran zurück. Meine Tochter werde ich hoffentlich ebenso behutsam auf ihrem Weg zum Frausein und durch die verwirrende Zeit der ersten Periode begleiten. Und vielleicht werde ich ihr zur Seite stehen können, wenn sie nach einer Geburt zum ersten Mal wieder ihre Tage hat. Im Gepäck ein Taschentuch und eine Schulter zum Ausweinen. Und bestenfalls den Damenhygieneartikel ihrer Wahl.

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