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Befreiung "Mein Ex wollte mich töten – aber er konnte mich nicht zerstören"

Svenja Beck hat Gewalt in der Beziehung erlebt
Svenja Beck (35) konnte sich aus ihrer Gewaltbeziehung befreien
© privat
BRIGITTE.de-Leserin Svenja Beck (35) hat extreme Gewalt in der Beziehung erlebt. Sie konnte sich befreien. Heute hilft sie anderen Frauen.   

2012 ist mein Leben völlig aus den Fugen geraten. Ich lernte meinen Ex-Partner in einer Diskothek kennen und fand mich schnell in einer toxischen Beziehung wieder. Sie war geprägt von emotionalem und narzisstischem Missbrauch und von großer körperlicher Gewalt.

Zu Beginn war er der charmanteste, bestaussehende, liebevollste und herzlichste Mensch, den man sich nur vorstellen kann. So einen Partner hatte ich mir mein ganzes Leben lang gewünscht. Ich dachte, ich sei am Ziel angekommen. 

Nach nur drei Monaten Beziehung wurde er gewalttätig

Doch nach nur drei Monaten Beziehung wendete sich das Blatt. Ich hatte mir ein Paar Schuhe gekauft, die ihm nicht zusagten. Er wurde hochgradig aggressiv und wollte, dass ich sie zurückgebe. Als ich mich weigerte, schlug er mir ins Gesicht. In diesem Moment wurde mir klar, dass ich mich von dieser Person trennen muss. Das konnte ich allerdings nicht in die Tat umsetzen, da ich bereits emotional abhängig war. 

Damals habe ich das aber noch nicht verstanden. Erst seit ich mich intensiv mit dem Thema auseinandersetze, weiß ich, dass ich narzisstischer Gewalt ausgesetzt war. 

Bei narzisstischem Missbrauch gibt es eine erste Phase, die sich "Love Bombing" nennt – man wird mit Liebe überschüttet, so dass man emotional völlig abhängig von seinem Gegenüber wird. Daran schließt sich dann die Abwertungsphase an: Mein Ex-Partner war von einem auf den anderen Moment ein völlig anderer Mensch, voller Hass und Missgunst. Es folgten Jahre mit ausgeprägter Gewalt.

Es gab zwei Tötungsversuche. 2013 versuchte er, mich mit dem Auto zu überfahren, hinten drin saß meine damals vierjährige Tochter. 2016 hat er mich fast erwürgt, da war mein kleiner Sohn gerade mal sechs Wochen alt. Dafür wurde er zu einer Gefängnisstrafe auf Bewährung verurteilt. 

Auf die Trennung folgte das Stalking

2017 gelang mir endlich die Trennung von meinem Peiniger. Leider war das Thema damit nicht abgeschlossen. Es folgte ein langes Martyrium. Er stalkte uns eineinhalb Jahre lang jeden Tag und flog uns sogar in den Familienurlaub hinterher. Dass seine Bewährungsauflagen besagten, dass er sich uns nicht nähern darf, hielt ihn nicht davon ab. 

Die Ängste, die meine Kinder und ich in dieser Zeit aushalten mussten, waren fast unerträglich.  

2018 habe ich mithilfe des Weißen Rings ein Schreiben an den zuständigen Richter verfasst und ein Stalking-Tagebuch beigelegt. Danach endete der tägliche Psychoterror.

Bis heute lässt er uns in Ruhe – und es ist mein Herzenswunsch, anderen Frauen ein Lichtblick in den dunkelsten Momenten ihres Lebens zu sein. Ich möchte ihnen zeigen, wie sie sich aus gewalttätigen Beziehungen befreien können, und dass das Leben danach wieder lebenswert ist. Deshalb leite ich eine Selbsthilfegruppe, engagiere mich im Netz und in der Politik.  

Die Autorin: Svenja Beck (35) hat drei Kinder im Alter von 5, 12 und 15 Jahren. Sie leitet eine Selbsthilfegruppe in Michelstadt, hält Vorträge über Gewalt in Beziehungen, leitet eine Facebook-Gruppe zum Thema und postet Videos auf YouTube. Aktuell arbeitet sie mit dem hessischen Bundestag zusammen, um die bestehende Gesetzeslage zu verbessern.


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