41, Single, Kinderwunsch. Und jetzt?

BRIGITTE.de-Leserin Christine* (41) möchte vielleicht noch eine Familie gründen - doch es ist kein Mann in Sicht. Hier erzählt sie, wie sich das anfühlt.  

Die biologische Uhr schrillt unüberhörbar

Das Panoramafenster im "Henry’s" ist der perfekte Ort, um sich zurückzulehnen, in den Berliner Himmel zu schauen und die Gedanken schweifen zu lassen. Allerdings nicht immer, denn mein Lieblings-Café liegt im kinderreichen Prenzlauer Berg. Und genauso kinderreich ist es oft auch im Henry’s.

Es gibt Tage, da komme ich mir seltsam vor, weil ich ohne Babybauch dasitze und kein Baby stille, und ich nur mit der „Zeit“ auf dem Schoß und dem Smartphone in der Hand dem Nichtstun fröne (ich gebe es zu, ab und an auf Tinder wischend …). Aber oft bin ich auch froh, so manch brüllendes Kind nicht mein eigen nennen zu müssen.

Dennoch erinnert mich jedes einzelne kleine Menschenwesen daran, dass es auch mein Kind sein könnte - und an die unumstößliche Tatsache, dass ich kürzlich 41 Jahre alt geworden bin und meine biologische Uhr immer lauter tickt oder besser: schrillt.

Immer öfter packt mich Torschlusspanik

Ich bin seit drei Jahren Single, und ich gebe zu, dass mich immer öfter Torschlusspanik packt. Es geht mir nicht nur um einen neuen Partner, nein. Ich spüre zum ersten Mal, dass das Leben endlich ist, dass ich altere, und dass es Dinge gibt, die nicht aufgeschoben werden können.

Zwar gehörte ich nie zu den Mädels, die es als ihr Lebensglück ansahen, eine Familie zu gründen und Mutter zu sein. Für mich war dies lediglich eine Option von vielen. Den innigen Wunsch, diesen Drang, den scheinbar andere so deutlich verspürten, den bemerkte ich so deutlich nicht. Aber ich wollte mir auf jeden Fall die Möglichkeit offen halten, eine Art „Fruchtbarkeitsoption“.

Mit 28 sprach ich das erste Mal von Kindern, aber meinen damaligen Freund interessierte das wenig. Er war mit seinen Studien ausreichend beschäftigt und verschob meine Überlegungen in die Zukunft, weil wir beide noch keine Jobs hatten. Damals sagte ich, dass ein Kind doch nie wirklich passen würde, und wenn man es vom Kontostand oder von anderen äußeren Dingen abhängig machen würde, könne man lange warten. Doch meine Bedenken verhallten ungehört.

Um uns herum wurde geheiratet und bald darauf wurden die Babygrüße verschickt. Mich kümmerte das angesichts der noch verbleibenden Zeit wenig, zumindest bis ich 30 wurde. Behaglich war die in die Zukunft gerichtete Vorstellung, „natürlich bekomme ich Kinder, irgendwann auf jeden Fall“.

Doch zu schnell verrannen die Jahre, und zack, ist die einstige Option heute nur noch eine vage Hoffnung. Es bleibt kein Spielraum mehr, um die Dinge gelassen vor sich herzuschieben. Auch wenn ich weiß, dass das Gras nicht schneller wächst, wenn man daran zieht.

Ich stecke in der „Dazwischen-Falle“

Dennoch, als datender Single schließe ich Männer ohne Kinderwunsch aus. Ich möchte die Hoffnung, vielleicht doch noch eine Familie zu gründen, noch nicht völlig begraben.

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Leider bekomme ich von manchem Kandidaten einen Korb mit der charmanten Erklärung, er suche eine Frau, mit der ein Kinderwunsch noch realisierbar sei. Autsch! Mir scheint, in bin in der „Dazwischen“-Falle gefangen: noch zu fruchtbar für manchen Mann, der beim Gedanken an Kinder laut schreiend davonrennt. Und zu alt für denjenigen, der eine Familie gründen möchte.

Dinge zu akzeptieren, wie sie sind, ist eine hohe Lebenskunst. Der Tatsache, vielleicht kein Kind mehr bekommen zu können, ins Auge zu sehen, ist eine schwierige Aufgabe, die Männer so nicht kennen dürften. Ich wünschte, dass manche Mutter, die mich für eine „egoistische Karrierefrau“ und kinderlos aus freiem Willen hält, auch mal hinter die Fassade blicken möge.

Viele von uns haben keine Entscheidung gegen Kinder getroffen

Viele von uns unbeabsichtigt Kinderlosen haben keine deutliche Entscheidung gegen Kinder getroffen: Oft hat es sich nicht ergeben, es klappte biologisch nicht, oder es fehlte der Partner. Einen Mann zu finden, der auch gerne Kinder möchte, ist nicht immer einfach. Es gibt auch Männer, die die Entscheidung, eine Familie zu gründen, endlos vor sich herschieben.

Wenn ich hier im "Henry's" sitze und mich die Kleinen anlächeln, wird mir warm ums Herz. Ich bin inzwischen aber nicht mehr so traurig oder neidisch, denn ich weiß, es gibt noch andere Wege, seinem Leben einen Sinn zu geben und einen Fußabdruck in dieser Welt zu hinterlassen. Das Wichtigste ist, mit sich selbst auszukommen und glücklich zu sein. Mit oder ohne Kinder.

*Der Name ist der Redaktion bekannt

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