"Ich bin eine Superfrau - und trotzdem seit 16 Jahren Single"

BRIGITTE.de-Leserin Katja (43) hat alles, nur keinen Mann. Wie kann das sein? Sie hat dazu ihre eigenen Theorien entwickelt ... 

Ich habe alles - nur keinen Mann

„Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen!“, besagt ein altes chinesisches Sprichwort. Aber eine gute Freundin wird nicht müde, mir zu raten: „Bestell doch einfach beim Universum!" Sie hat damit angeblich immer Erfolg. Beim Hinterfragen stellt sich heraus, dass es sich dabei um so banale Dinge handelt wie einen Parkplatz vor der Tür oder dass die Boutique den tollen Pulli in ihrer Größe verfügbar hat.

Bei mir liegen die Dinge ein wenig anders, denn ich habe alles. Alles, alles, alles - nur keinen Mann. Und das seit unglaublichen 16 Jahren. Mittlerweile kostet es mich schon Mühe, die Zeit der Einsamkeit (im Sinne von Ein-Sam statt Zwei-Sam, nicht einsam im emotionalen Sinne) im Kopf auszurechnen, wenn mich jemand fragt, wie lange ich denn schon Single sei.

Die Jahreszahl – seit 2003 – kommt mir da schon schneller ins Gedächtnis. Hauptsächlich, weil Promotion und Beziehungsende Hand in Hand gingen und ich von ersterem wesentlich mehr profitierte als von meinem damaligen Freund, der am Mittwoch nicht darüber sprechen wollte, ob man sich denn am Wochenende sehe oder nicht (bitte keine lästigen Termine – danke!).

Ich lernte: Das Schicksal duldet keine Eimischung

Ich hatte seitdem einige Dates und lernte auch Männer kennen, die ich interessant und attraktiv fand. Irgendwas kam aber immer dazwischen, vor allem dann, wenn ich das Schicksal oder dem lieben Gott ein wenig ins Handwerk pfuschen und ein Happy End erzwingen wollte.

Der eine Typ versetzte mich, weil er seinen Neffen bei der Polizei auslösen musste (kein Scherz!), der andere musste seine Ex mit ihrem neuen Freund zum Flughafen bringen (leider auch kein Scherz!), wieder ein anderer landete im Krankenhaus. Er hatte eine allergische Reaktion auf ein Schmerzmittel, welche mit großflächigen, eitrigen Pusteln am ganzen Körper einherging.

Letzteres erinnerte mich dann zu sehr an biblische Plagen, um noch länger die Tatsache zu ignorieren: Das Schicksal, der liebe Gott, Buddha, das Universum und so weiter dulden einfach keine Einmischerei in ihre Pläne.

Warum bleibt ausgerechnet so eine Superfrau unbemannt?

Ich hatte die Botschaft begriffen, gelobte Besserung und beschränkte mich auf das Philosophieren und Theoretisieren, warum ausgerechnet so eine Superfrau wie ich unbemannt bleiben sollte. Ich las jede Menge Bücher zu dem Thema, die jedoch alle mehr oder weniger dieselben Ratschläge parat hielten: Überprüfe zuerst, welcher Partner du sein kannst, bevor du denjenigen triffst, den du haben willst.

"Ich bin eine Superfrau - und trotzdem seit 16 Jahren Single"

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Ich zog also Bilanz: Ich war Mitte 40, finanziell unabhängig, gut ausgebildet, kinder- und kinderwunschlos, halbwegs attraktiv und angeblich witzig, charmant und klug. Ich war ein guter Freund, liebte Tiere, interessierte mich für viele Dinge und konnte ziemlich gut kochen. Ich reise gern und habe eine sehr nette, aber zurückhaltende Familie im Hintergrund und tolle Freunde. Die Liste könnte man noch fortsetzen, sodass ich dazu verleitet bin, zu glauben, dass ich deshalb niemanden finde, weil ich zu gut für eine Beziehung bin. Wo bitte sollte es denn ein adäquates männliches Gegenstück geben? Hochmut beiseite, natürlich nicht!

Im Laufe der Jahre manifestierten sich in meinem Geist drei Theorien, warum es so ist, wie es ist: Ich bin super und Single.

Theorie Nummer 1 geht davon aus, dass ich den Mann fürs Leben irgendwann finde und sich die Zeit bis dahin rückblickend als unglaublich wertvoller Lernprozess darstellt.

Theorie Nummer 2 besagt, dass ich – verglichen mit allen Frauen in meinem Umfeld – ein dermaßen sorgenfreies und unbeschwertes Leben habe, dass das Alleinsein eben das Gegengeschäft dafür ist. Im Sinne von: Du hast keine Sorgen, Ängste oder Nöte, also brauchst du auch keine starke Schulter zum Anlehnen. Die reservieren wir (Schicksal, Universum, Buddha, Gott…) lieber für Frauen, die sie nötiger haben und nebenbei bemerkt mit weniger Stärke, Mut und Durchsetzungsvermögen gesegnet sind als du (Danke Omas und Mama für die guten Walküren-Gene!).

Und schließlich Theorie Nummer 3, die mich quasi auf dem Sterbebett erkennen lässt, dass dieses eine große Geschenk vom Leben nicht zu bekommen das wesentlich größere Geschenk ist als umgekehrt. Denn im Leben, sagt die Volksweisheit, gibt es immer zwei Tragödien: Die eine ist die Nichterfüllung eines Herzenswunsches. Die andere ist seine Erfüllung.

Die Autorin: Katja (43) lebt und arbeitet in Innsbruck, Tirol.

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