Häufige private Treffen: Liebe Kollegen, ich will euch nicht ständig sehen!

Jede Woche nach dem Feierabend mit den Kollegen noch auf einen Wein oder Cocktail losziehen – bei meinem alten Job wurde das plötzlich normal. Warum ich mich ausgeklinkt habe.

Wenn man seine Kollegen nicht mag, ist das ziemlich doof. Immerhin sehen wir sie in einer Woche zusammengenommen oft mehr als unseren Partner, unsere Familie oder unsere besten Freunde. Deshalb war ich in meinem alten Job immer froh, ein sehr gutes, teilweise freundschaftliches Verhältnis zu meinen Kollegen zu haben. Wir waren ein kleines Team mit maximal fünf Vollzeitkräften und einer Teilzeitkraft und saßen alle in einem Büro. 

Neues Team, neue Gepflogenheiten?

Ab und an gingen wir nach dem Feierabend noch etwas trinken, mal mit allen Kollegen, mal nur zu zweit oder zu dritt, mit manchen traf ich mich auch am Wochenende. Das änderte sich, als das Team aufgestockt wurde: Drei neue Kolleginnen kamen hinzu, zwei davon waren für den Job extra nach Hamburg gezogen. Zusätzlich bekamen wir eine Vorgesetzte, mit der ich mich nicht sonderlich gut verstand.

Die zwei Neu-Hamburgerinnen wollten möglichst viele Bars und Lokale ergründen und da wir die Einzigen waren, die sie kannten, fragten sie oft uns, ob wir nicht alle mitkommen wollten. Da ich beide mochte, bin ich anfangs noch häufig mitgegangen – mal auf einen Wein an die Alster, mal auf einen Cocktail zur After Work Party. Dass auch die Vorgesetzte meist dabei war, störte mich zwar insgeheim ein wenig, aber ihretwegen wollte ich nicht absagen und vielleicht den guten Kontakt zu meinen anderen Kollegen verlieren.

Jedenfalls galt das so lange, bis es immer mehr Treffen wurden – fast jede Woche zog das Team los, manchmal sogar an zwei Abenden. Wenn Kollegin A am Montag nicht konnte, ging man halt ohne sie und dann am Donnerstag nochmal mit ihr. Anfangs dachte ich noch, dass sich das mit der Zeit geben würde. Die neuen Kolleginnen waren in diversen Facebook-Gruppen für hinzugezogene Hamburger und die Mitglieder trafen sich auch immer mal wieder privat. Ob die Damen dort Freunde fanden, weiß ich nicht, aber die wöchentlichen Treffen unter uns blieben bestehen – und fingen langsam wirklich an, mich zu nerven.

Bitte den Mund halten!

Dafür gab es im Wesentlichen vier Gründe: Zum ersten halte ich nicht viel davon, unter der Woche häufiger Alkohol zu trinken. Aber wer will schon der einzige im Team sein, der stumm an seiner Cola nippt? Zum zweiten drehten sich unsere Gespräche sehr viel um die Arbeit, an die ich nach Feierabend eigentlich nicht mehr denken wollte. Schon allein deshalb, weil die Zahlen seit Längerem nicht mehr gut waren und wir eigentlich nur einen Brand nach dem anderen löschten, was mich sehr frustrierte. Zum dritten musste ich immer darauf achten, was ich sagte, weil ich ständig das Gefühl hatte, dass die Vorgesetzte die Ohren spitzte und eigentlich nur darauf wartete, dass man irgendetwas Unbedachtes äußerte.

Lasst mich doch einfach chillen!

Und last but not least: Durch all diese Treffen hatte ich immer weniger Zeit für meinen engeren Freundeskreis, meine Hobbys oder auch für schlichtes Entspannen. Aus den eigentlich 40 Wochenstunden Arbeit wurden quasi 45, weil man sich im Kollegenkreis eben nicht so komplett fallen lassen kann, wie man es im Vertrautenkreis tun würde. Und ganz ehrlich: Oft möchte ich nach der Arbeit auch einfach nur nach Hause, den Kopf abschalten und mir auf dem Sofa Blödsinn im Fernsehen reinziehen. Ist mein gutes Recht.

Mit der Zeit fing ich an, häufiger höfliche Ausreden für die kollegialen Treffen zu finden und nur noch hin und wieder mitzugehen. Das war allerdings auch zu der Zeit, in der ich mich ohnehin nach einem neuen Job umsah. Ich halte meinen ehemaligen Kolleginnen auch zugute, dass sie mich trotzdem fast immer fragten, ob ich mitwollte, es aber respektierten, wenn ich ablehnte. Das Glück hat sicher nicht jeder. Vermutlich gilt man in vielen Kollegenkreisen eher schnell als der Langweiler, der ja nie irgendwohin mitgeht und dann einfach gar nicht mehr gefragt wird.

Plötzlich vertrauter als vorher

Inzwischen habe ich einen neuen Job, bei dem abendliche Treffen eher selten, aber dafür sehr angenehm sind. Und privat treffe mich immer noch ab und an mit meinen ehemaligen Kolleginnen, dann allerdings ohne die Vorgesetzte. Diese Treffen muten nun nicht mehr wie ein Pflichtprogramm an, sondern sind Abende, auf die ich mich freue. Aus der neuen räumlichen Distanz ist eine neue Art von Vertrauen geworden. Völlig zwanglos – und genau das macht es nun angenehm.

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