"Ich bin die Freundin eines verheirateten Mannes – und verstecke mich nicht!"

Der Partner von BRIGITTE.de-Leserin Sarah* lebt in einer offenen Ehe - und sie ist in dieser Beziehung glücklicher als je zuvor. 

Ich war schon immer eigenwillig

Ich bin ein eigenwilliger Mensch. Ab einem gewissen Alter war mir egal, was alle anderen machten oder dachten, ich verfolgte nur noch Ziele, die mir wichtig waren.

Natürlich gab es gewisse Erwartungen an mich, und meine Familie wurde nicht müde, mich regelmäßig daran zu erinnern, was junge Frauen tun sollten und was nicht. Es fielen Sätze wie: „Schau doch, dass du einen vernünftigen Partner findest, das gibt dir Sicherheit.“ - „Du weißt schon, dass du nicht jünger wirst, also lass dich nicht zu lange durch kurzfristige Affären ablenken.“

Als ich über 30 war, sah es dann tatsächlich so aus, als würde ich mit der Familienplanung beginnen, vielleicht auch mit meinem Partner eine Wohnung kaufen. Die Trennung von ihm war dann für mein Umfeld wohl ein noch größerer Schock als für mich.

Die Mitgliedschaft in einem Frauennetzwerk half mir damals, zu erkennen, dass ich mich nicht dafür entschuldigen sollte, dass ich etwas anderes wollte – nämlich, mich erneut auf eine Entdeckungsreise zu mir selbst zu begeben. Für kurze Zeit wurde das auch von meinem Umfeld geduldet, doch schnell kamen wieder Phrasen wie: "Verschwende deine Zeit nicht mit Affären, sonst wirst du im Alter mal allein sein.“ - "Möchtest du nicht doch irgendwann heiraten?“ - "Pass auf, sonst wird die Zeit knapp für Kinder, du willst doch nicht erst mit 40 Mutter werden!“

Nach der Trennung hatte ich drei Männer

Nachdem ich meinen Trennungsschmerz überwunden hatte, gab es drei Männer, die ich alle schon länger kannte, mit denen das Timing aber niemals gepasst hatte. Wir alle hatten anstrengende Jobs und lebten nicht in derselben Stadt, sodass wir uns nicht so oft sahen. Alle drei wussten voneinander und hatten kein Problem damit.

Ich genoss diese Zeit, denn diese Männer holten mich auf so unterschiedlichen Ebenen ab, dass kein Verhältnis dem anderen glich. Alle drei unterstützen mich in einer schwierigen Zeit, und ich lernte in dieser Zeit viel über mich. Nur wenige Menschen wussten von diesen Männern, doch wie meine Familie nun einmal ist, sickerte irgendwo etwas durch und ich wurde prompt in folgende Schubladen eingeordnet:

  • Bindungsangst
  • Muss sich nochmal austoben
  • Schlampe

In dieser Zeit traf ich meinen jetzigen Partner wieder, wir kannten uns schon, aber nur oberflächlich. Er interessierte mich und sobald ich merkte, dass er mich respektierte und wir uns auf Augenhöhe begegneten, ließ ich mich auf ihn ein. Dass wir beide keine Kinder wollten, machte vieles einfacher. Es dauerte lange, bis ich jemandem von ihm erzählte, denn ich wollte zunächst keine Eimischung von außen, da wir keine übliche Beziehung führten.

Mein Partner lebt in einer offenen Ehe 

Er lebt in einer offenen Ehe, und ich bin mittlerweile seine offizielle Freundin. Ich habe über diese Beziehung sehr viel nachgedacht, denn ich bin dadurch ein Faktor in einer Ehe geworden und habe mir sehr genau überlegt, ob ich das will.

Am Anfang war es gewöhnungsbedürftig, doch je größer das Vertrauen und die emotionale Nähe zwischen uns geworden sind, desto besser fühlten wir uns beide damit. Ich kenne seine Frau und mag sie sehr, wir haben viele Gemeinsamkeiten.

Sie freut sich über meine Beziehung zu ihrem Mann. Seit sie weiß, dass es mir genauso ernst ist wie ihm, ist auch die anfängliche Anspannung gewichen.

Er und ich hatten nicht damit gerechnet, dass wir uns so heftig verlieben. Wie in jeder Beziehung gab und gibt es Missverständnisse und schlechte Tage, doch mit jeder Aussprache lernten wir uns besser kennen.

Bis auf meine Schwester war meine Familie überhaupt nicht begeistert, als ich die Art unserer Beziehung erklärte, sofort wurden folgende Schubladen geöffnet:

  • Hat Angst vor einer normalen Beziehung
  • Macht sich ihr Leben kaputt
  • Wird im Alter allein sein

Die erste Frage, die mir gestellt wurde, war, ob wir auch sexuell zu dritt aktiv sind, was ich verneinte. Er hat sein Leben mit seiner Frau und er hat sein Leben mit mir, und wenn es passt, unternehmen wir viel gemeinsam.

"Ich bin die Freundin eines verheirateten Mannes – und verstecke mich nicht!"

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Ich bin jetzt glücklicher als in früheren Partnerschaften

Ich finde es oft auch ganz amüsant, wie dumm die Leute schauen, wenn wir im Schwimmbad sind und er zuerst mich küsst und dann sie oder umgekehrt. Manche Blicke sind neidisch, manche schütteln Kopf, andere machen ein seltsam fragendes Gesicht.

Nur weil meine Beziehung nicht dem gängigen Bild entspricht, bedeutet das nicht, dass sie weniger wert ist oder keine Zukunft hat. Natürlich ist dieses Modell ein Experiment für uns drei, aber wir respektieren uns und reden sehr offen miteinander, was manchmal viel Energie kostet. Doch wir profitieren alle drei von diesem Beziehungsmodell.

Ich lerne durch diese Beziehung viel über mich und bin glücklicher als in meinen vorherigen Partnerschaften. Hört bitte auf, mich in Schubladen zu stecken, nur weil ihr es nicht versteht und es nicht in euer Weltbild passt. Ich möchte mich nicht mehr rechtfertigen müssen. 

*Der Name ist der Redaktion bekannt

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