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Rose Volz-Schmidt “Kinder sind ein Schatz, den man teilen kann“

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Rose Volz-Schmidt
© Fabricius
Starkes Unternehmen, von einer starken Frau gegründet: 2002 ruft Rose Volz-Schmidt das Sozialunternehmen wellcome ins Leben. Sie ist Diplomsozialpädagogin, Unternehmerin, Mutter und Tabubrecherin. 

Rose Volz-Schmidt hat es sich zur Aufgabe gemacht, soziales Engagement und professionelle Hilfe für Eltern zu bündeln und zugängig zu machen. Seit 2002 fungiert ihr Sozialunternehmen wellcome inzwischen bundesweit als eine Art Nachbarschaftshilfe für junge Familien, die gerade ihr erstes oder ein weiteres Kind willkommen geheißen haben und temporär Unterstützung brauchen. Volz-Schmidt ist der Meinung, dass es den Eltern gut gehen muss, damit es auch den Kindern gut geht. Damit das gelingt, erschuf sie sozusagen ein alternatives Dorf: “Der bekannte Satz, dass es ein ganzes Dorf braucht, um ein Kind großzuziehen, ist immer noch aktuell. Wir alle können viel für ein familienfreundliches Umfeld tun…“

Wenn das Dorf fehlt…

Aus eigener Erfahrung weiß Volz-Schmidt um die schlaflosen Nächte, die Überforderung und Belastung, die gerade in der Anfangszeit vorherrschen: Nach einer schweren ersten Geburt ihrer ältesten Tochter 1991 ist sie erschöpft, fühlt sich als Tabubrecherin, weil die mütterlichen Glücksgefühle nicht so stark sind wie die Belastung. Ihr Mann arbeitet, ist beruflich viel unterwegs und ein familiäres Netzwerk zur Unterstützung gibt es in ihrer Wahlheimat Hamburg nicht. 

Sie tauscht sich mit anderen Neu-Eltern aus und erfährt, dass es allen ähnlich geht. Das motiviert sie: “Ich beschloss, etwas dagegen zu tun, auch weil ich davon überzeugt war und bin, dass gerade der Start einer Familie entscheidend für die weitere Entwicklung des Kindes und des Paares ist“. Und so tüftelt sie in den kommenden Jahren an dem perfekten Modell, wie Eltern vor allem im ersten Baby-Jahr unterstützt werden können. Hoffnungsvoll, lösungsorientiert und voller Tatendrang. Sie startet mit einem Wochenbettservice, einem Tagesmütterverein, entwickelt das Konzept 2002 als Leiterin von Familienbildungsstätten konkret weiter. Es entsteht die praktische Hilfe nach der Geburt – ihr Sozialunternehmen wellcome. Inzwischen versteht sie sich nicht nur als Sozialpädagogin, sondern auch als Social Entrepreneurin. 

“Wir sind Anlaufstelle für jede Familie“

Mit ihrem Sozialunternehmen sorgt sie dafür, dass Eltern die nötige Unterstützung erfahren – vor allem, wenn die eigene Familie weit weg ist und sie kein Netzwerk haben. Sie macht dabei keinen Unterschied, ob die Familie sozial benachteiligt ist oder nicht – für sie ist eine kurzfristige Familienhilfe für alle Familien mit Neugeborenem da. „Familien stehen heutzutage unter einem enormen Druck. Der frühe Wiedereinstieg in den Job, die steigende Mobilität und fehlende Netzwerke bedeuten meist extrem viel Stress“, weiß sie und setzt auch heute genau dort an, um Eltern die ersten Schritte mit ihrem Kind ein wenig zu erleichtern.

Das Konzept von wellcome besteht dabei aus Ehrenamtlichen und fachlich geschulten Teamkoordinator:innen, die die Familie zusammen begleiten: “Ein ‘wellcome-Engel‘, wie wir unsere Ehrenamtlichen nennen, kommt ein- bis zweimal die Woche und hilft ganz individuell dort, wo es nötig ist – vom Spielplatzbesuch mit Baby und Geschwistern bis zur Begleitung zum Kinderarzt, die besonders Mehrlingseltern sehr schätzen“, erklärt sie. So werden für die Eltern kleine Auszeiten zum Durchatmen geschaffen.

Rose Volz-Schmidt hat einen Blick für das, was von Familien (dringend) gebraucht wird in dieser Lebensphase. Ihr feines Gespür führt ihr kleines Unternehmen schnell zu großem Erfolg. Schon zwei Jahre nach der Gründung beginnt 2004 die Verbreitung mit der Social-Franchise-Methode. Inzwischen gibt es wellcome bundesweit in Deutschland und auch in Österreich und der Schweiz. 2009 wurde das Projekt Spendenfonds für Familien in Not ins Leben gerufen und 2016 das bereits sehr große Angebot um die Online-Plattform ElternLeben.de erweitert. 

Im Januar 2022 feiert das Unternehmen seinen 20. Geburtstag – ein weiterer bedeutender Meilenstein für Gründerin Rose Volz-Schmidt und alle Mitwirkenden.

Sie schreibt Engagement groß – sozial wie politisch

Ihren sozial motivierten Ansatz ergänzt sie immer auch durch einen politischen. Die Verbindung von sozialem Tun und Politik ist ihr extrem wichtig. Familie und Kinder gehen alle an und sie schließt die Politik mit ein, nimmt sie in gewisser Weise in die Pflicht – mit Erfolg. Die Sozialminister:innen der verschiedenen Bundesländer übernehmen sogar die Schirmherrschaften, später auch Bundeskanzlerin a. D. Angela Merkel.

Seit der Gründung hat sie so einiges erlebt und viel erreicht mit wellcome. Sie ist noch immer mit Leidenschaft dabei und bekannt für das Hinterfragen des Bedarfs und ihre hohen Qualitätsstandards, die sie auch nach Jahren immer wieder neu setzt, um das Unternehmen zeitgemäß weiterzuentwickeln. Unter anderem wurde sie zum Social Entrepreneur des Jahres ernannt (2007 von der Schwab Foundation), ist seit 2008 Mitglied im Netzwerk der Ashoka Fellows, einem Netzwerk für Sozialunternehmer:innen – und 2009 wurde ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen. 

Für die Zukunft wünscht sie sich, “…dass Eltern mutiger werden, dass sie sich öffnen und um Hilfe bitten, wenn sie diese brauchen. Kinder sind ein Schatz, den man teilen kann und Familie ein tolles Abenteuer, das man sich nicht entgehen lassen sollte“. Eine beeindruckende Frau mit einer Vision!

Verwendete Quellen: wellcome-online.de, focus.de, ashoka-deutschland.org

lha Brigitte

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