Unterwegs mit dem Kreuzfahrtschiff: "Für mich der wahre Urlaub!"

Ihre erste Kreuzfahrt war zwar Zufall, doch seitdem hat sie das Kreuzfahrt-Fieber gepackt: Etelka Stoll ist mit dem Kreuzfahrtschiff schon durch die halbe Welt geschippert. Was diese Form des Reisens so unwiderstehlich macht, erzählt sie in unserer Leserkolumne "Stimmen".

Tja, wie kommt man dazu, eine Kreuzfahrt zu machen? Ich bin für jemanden eingesprungen. Zum Glück hatte ich Zeit und so bestieg ich das erste Mal ein AIDA-Schiff. Das Leben an Bord gefiel mir. Ich hatte auch genügend Zeit für Landgänge. Die Abende waren ausgefüllt mit Besuchen der Restaurants, des riesigen Theaters, der Bars oder damit, einfach gemütlich irgendwo zu sitzen. Meine Tochter hatte mir damals schon gesagt: "Mama, es ist sehr zwanglos auf dem Schiff." Ja, es war zwanglos, und ich habe es genossen, auch mal weit weg zu sein vom Alltag.

Ich glaube, da habe ich zum ersten Mal den Gedanken zugelassen, das könnte mir gefallen. Aber ob ich meinen Mann mit aufs Schiff bekommen würde, stand noch in den Sternen. Ihn, der mit der Vorstellung lebte, auf allen Kreuzfahrtschiffen gäbe es Krawattenzwang, Kapitänsdinner und nur alte Leute, müsste ich begeistern können. Zu Hause angekommen, zeigte ich meine Fotos, schwärmte von der tollen Atmosphäre an Bord, und irgendwann sagte mein Mann: "Okay, einmal probiere ich es aus mit der Kreuzfahrt, dann sehen wir weiter."

Unsere erste gemeinsame Kreuzfahrt führte uns in den Orient. Das Wetter toll, die Ziele interessant, nette Leute an Bord. Mein Mann war angetan. Danach war klar, er fährt noch mal mit mir - egal wohin.

An einer Kreuzfahrt gefällt mir besonders, dass mein Bett immer mitreist. Das ist für mich der wahre Urlaub: nichts tun zu müssen und gleichzeitig viel zu sehen. Nachts wird geschippert und morgens, wenn es nicht gerade einen Seetag gibt, wache ich in einer anderen Stadt auf. Inzwischen habe ich Südamerika, hinunter bis zum Kap Hoorn und den Falklandinseln, erkundet. Bin von der Karibik aus zum Amazonas gereist und diesen hinauf gefahren, bis Manaus. Oft buchen wir die Ausflüge bei örtlichen Anbietern, weil die Gruppen kleiner sind und ich auch mit meiner Knippserei voll auf die Kosten komme. Man wartet schließlich auf die "kleine" Frau. Bei den privaten Ausflügen gibt es eigentlich immer einen sehr persönlichen Kontakt zum Guide. Besonders schön ist es, wenn ich auf Deutsche treffe, die im Ausland leben und als Guide arbeiten. Für mich fungieren sie als Zünglein an der Waage im Austausch zwischen den Kulturen.

Ich glaube, hätte ich alles selbst organisieren müssen, wie Hotelaufenthalte, Flugverbindungen, wie komme ich vom Flughafen zum Hotel und so weiter, hätte ich diese vielen Länder in so kurzer Zeit aller Wahrscheinlichkeit nach nicht besuchen können. Bei der Kreuzfahrt wird mir das abgenommen, und wenn wir zwei mit gepackten Koffern am Flughafen stehen, kann es losgehen. Es ist für alles gesorgt. Und das gefällt mir. Was aber nicht heißt, ich lass alles auf mich zukommen. Vorab wird sich über die Länder und Städte informiert, die das Schiff anläuft. Ich schaue, was wir wo unternehmen können und mit wem.

Als Hobbyköchin ist es ein echtes "Muss", auf jeder Reise einen Kochkurs im Gourmetrestaurant zu belegen. In der Bar habe ich gelernt, wie man Cocktails mixt. Und, ganz ehrlich, ich liebe, neben der Ruhe und Abgeschiedenheit auf unserem Campingplatz an der Atlantikküste, das Leben an Bord. Als guten Mix aus Trubel, Ruhe und Abenteuer.

Inzwischen war ich sogar mit meiner allein lebenden 84-jährigen Mutter auf Kreuzfahrt. Als mein Vater starb, war sie in ein Loch gefallen. Wir drei, Mutti, meine Schwester und ich, waren in den Fjorden Norwegens unterwegs, und nach dieser Reise hat meine Mutti die Liebe zur Kreuzfahrt entdeckt. Die unberührte Natur zu sehen und das Zusammensein mit ihren Töchtern an einem fremden Ort haben ihr gut getan. Ihre Traurigkeit hat sie überwunden und mutig ist sie geworden. Wir zwei waren sogar mit "meiner AIDA" (wie sie immer sagt) im Roten Meer unterwegs. Nun träumt sie von einer Schiffreise auf der Ostsee bis hoch nach St. Petersburg. Also, wenn sie sich weiterhin so gut hält, könnte es nächstes Jahr durchaus was werden mit der Reise.

Im Leben tauchen manchmal Momente auf, nach denen nichts mehr so ist, wie es vorher war: Wie nach meinem unverschuldeten Autounfall, ein paar Tage nachdem wir eine Kreuzfahrt in Asien gebucht hatten. Die Familie, meine Freunde, aber auch die Vorfreude auf die Reise halfen mir, das Erlebte zu meistern. Im Januar diesen Jahres traf ich auf fremde Kulturen, Städte der Superlative, Inseln, Tempel, Buddhas, den Mekong - zwei Wochen Südostasien hautnah.

Nach einem recht schwierigen Jahr mit Unfall und Krankheit taten wir es: Wir buchten unsere Traumreise - als Belohnung, als Trost, als Auszeit. Es ging von Cochin/Indien, GOA, Mumbai über den Indischen Ozean rüber zum Oman. Im Roten Meer fuhren wir die Städte Aqaba/Jordanien und Eilat/Israel an. Durch den Suezkanal ging es nach Haifa/Israel, Zypern, Rhodos, bis Antalya. 20 Tage am Stück - eine Wahnsinnsreise; die für uns aber nicht in Antalya endete. Wir hängten noch sechs Tage dran und fuhren von Antalya über Rhodos, Kreta, Dubrovnik, Zardar bis Venedig.

Unvergessliche Momente an unterschiedlichen Orten nahmen wir mit. Kein Tag war langweilig. Manchmal gab es zu wenig Schlaf, weil ich immer früh aufstand, um die Sonne aufgehen zu sehen. Ich mag diese frühen Stunden an Deck, die Stille, das Rauschen des Wassers, die Sonne, die sich auf dem Wasser spiegelt. Dann ist es mir auch egal, ob meine Haare gut liegen oder ich mein olles, bequemes T-Shirt anhabe. Das Meer und ich - eine nicht endende und schon alte Liebe. Als ich fünf war, machte ich meine ersten Ferien in den Niederlanden an einem Ort an der Nordsee. Ich kam aus dem Harz und hatte noch nie vorher so ein großes Wasser gesehen, auf dem so riesige Schiffe fuhren (so habe ich es meinen Eltern damals geschildert).

Was macht man mit den vielen Erinnerungen der Kreuzfahrten? Drüber reden und kleine Reiseberichte schreiben. Fotos zu Filmen verarbeiten, die ich bei YouTube reinstelle. So bekommt meine Kreativität stets Nahrung, wenn ich eine Malpause habe oder keinen Schmuck bastle. Und kann nebenbei von meiner nächsten Fahrt durch die Meere der Welt träumen ...

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