Raus aus der Depression: Das Glück liegt in uns - es versteckt sich nur manchmal gut

Als Tina Maxen nach 16 Jahren Ehe wieder allein war, stürzte sie das in eine Depression. In einer Klinik lernte sie: Das Glück liegt in ihr. Wieso sie die Zeit dort nicht missen will, erzählt sie in den "Stimmen".

Als ich noch jung war, war Angst ein Fremdwort für mich. Ich war fröhlich, unternehmungslustig und immer auf der Suche nach neuen Abenteuern. Wie viele von euch auch, verliebte ich mich, heiratete, bekam eine Tochter, so wie ich es mir immer gewünscht hatte, zumindest nach der Phase "Peace & Love & nieder mit dem Spießertum!". Das Leben lebte sich halt so, es ging uns gut, wir waren glücklich und das wollte ich auch verdammt nochmal bleiben, mindestens bis zum Renteneintritt und dann die Rente auf Malle verprassen. Aber mich fragt ja keiner. Manchmal will das Leben etwas anderes, als ich vom Leben will.

Nach 16 Jahren Ehe tauschte mich mein Mann gegen... nein nicht gegen eine Jüngere... einfach gegen eine andere aus, und ich stand plötzlich allein da. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg, ich hatte nie gelernt allein durchs Leben zu gehen, das war auch nicht mein Plan, aber fragt mich das Leben? NEIN.

Ich lebte wie im Nebel, konnte keine klaren Gedanken mehr fassen, mein Leben war völlig auf den Kopf gestellt. Ich musste stark sein für meine Tochter. Ich glaube, wäre sie nicht gewesen, wäre ich viel früher zusammengebrochen. Ich erledigte die alltäglichen Dinge wie in Trance, Einkaufen, Kochen, Waschen. War meine Tochter in der Schule, konnte ich die Dinge tun, die ich in dieser Zeit am liebsten tat, Schlafen oder Wände anstarren.

Irgendwann, es war ungefähr ein Jahr vergangen und mir ging es immer noch schlecht, hatte ich einen Punkt erreicht, an dem ich wusste, ich muss mir Hilfe holen. Ich fand eine gute Ärztin, die mir dringend dazu riet, einen Antrag auf eine Reha in einer psychosomatischen Klinik zu stellen. So kam es, dass ich für vier Wochen wegen mittelschweren Depressionen in den Schwarzwald zog - wo ich doch das Meer so liebe, shit happens.

Das waren vier Wochen, in denen ich sehr an mir und meiner Einstellung arbeiten musste, in denen es mir aber auch so gut ging, wie schon lange nicht mehr, denn hier durfte ich nur sein, hier zählte das WIR, der Zusammenhalt der Gruppe, niemand sollte sich hier zurückziehen oder einsam fühlen, das funktionierte auch ganz gut. Hier lernte ich viele ganz, ganz tolle Menschen kennen, alle problembeladen mit den großen und kleinen Sorgen der Welt beschäftigt, aber auch mit ganz viel Herzenswärme. Hier haben wir ganz viel zusammen gelacht, geweint und an uns gearbeitet. Diese vier Wochen möchte ich in meinem Leben nicht missen. Da wir in den vier Wochen so tolles Wetter hatten, nur Sonnenschein und einen traumhaften Ausblick auf den Schwarzwald, fühlten wir uns manchmal wie im Urlaub, zumindest dann, wenn wir es schafften auszublenden, warum wir eigentlich hier waren. Wir lebten ja wie in einem Kokon, wunderschön behütet, doch wir wussten auch, da draußen wartet der böse Alltag auf uns, mit all seinen kleinen und großen Problemen.

Gelernt habe ich dort auch, dass wir unser Glück nicht in einem anderen Menschen suchen sollen, sondern in uns selber. Ich weiß, das ist nicht immer einfach und auch ich finde mein Glück nicht immer sofort in mir, auch wenn ich noch so sehr in mir herumwühle.

Wir sollten aber jeden Tag neu versuchen, nicht nur unseren schlechten Gedanken nachzuhängen, sondern uns an Kleinigkeiten zu erfreuen. Freue dich, dass dein Auto heute bei Minus 10 Grad sofort anspringt, dass die Sonne heute scheint, dass du heute frei hast und den ganzen Tag ausschließlich was für dich tun kannst. Im Bett zu bleiben ist übrigens keine so gute Idee, auch wenn die "Normalos" das als Highlight empfinden, wir sollten lieber aufstehen, zum Sport gehen, spazieren gehen, in die Sauna, ein gutes Buch lesen, Frühstücken gehen, Freunde besuchen, die wir ewig nicht mehr besucht haben, weil wir mal wieder unseren Hintern nicht hoch gekriegt haben!

Habt keine Angst, euch professionelle Hilfe zu holen, Therapien anzunehmen, gegebenenfalls auch unterstützend mit Medikamenten. Allein aus diesem dunklen Tal herauszukommen, ist sehr schwierig, und übrigens - Alkohol ist auch keine Lösung!

Viele suchen das Glück ausschließlich in einer Partnerschaft. Bevor du dich aber in einen anderen Menschen verlieben kannst, musst du dich selber lieben lernen und so annehmen können, wie du bist. Gehe raus und stecke den Kopf nicht in den Sand, denn dort sieht dich keiner.

Inzwischen ist mein Klinikaufenthalt schon einige Jahre her. Mir geht es gut, ich genieße mein Leben. Ich bin im Moment glücklich vergeben an mein Singledasein, hätte aber auch nichts dagegen, wenn mein Mr. Right an die Türe klopft.

In den Jahren meiner dunklen Zeit habe ich einen Blog geschrieben, schaut gerne mal rein. Hier geht's zum Blog! Vielleicht setze ich mein Blog ja fort und schreibe ein wenig über das Singleleben. Schreibt mir gerne, ob ihr mehr von mir lesen möchtet. Ich freue mich auf eure Resonanz und auf hoffentlich viele Kommentare. Genießt euer Leben!

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