Hilfe, ich bin ein Mischwerk! So lebt es sich als extrovertierter Introvertierter

Unsere Autorin mag gesellige Abende – mit einigen Tagen mentaler Vorbereitungszeit. Wie es sich anfühlt, wenn man weder wirklich extrovertiert noch so richtig introvertiert ist.

"Wie, du bist schüchtern? Erzähl keinen Scheiß!", dürfte einer der häufigsten Sätze sein, die ich beim Kennenlernen neuer Leute höre. Und in gewisser Weise verstehe ich die Irritation: Meist bin ich laut, eher poltrig, fröhlich und offen. Schüchternheit sieht wirklich anders aus. Kein Wunder, dass ich immer schräg angeschaut werde, wenn bei irgendwelchen Familienfesten eine Rede gehalten werden soll und ich höflich, aber bestimmt ablehne, das zu übernehmen. Allein beim Gedanken daran, dass mehrere dutzend Augenpaare auf mir ruhen, schlottern mir schon die Knie.

Was bin ich eigentlich?

Dieser Zwiespalt meiner Persönlichkeit hat tatsächlich einen Fachbegriff: Wer weder wirklich extrovertiert noch so ganz introvertiert ist, gilt als ambivertiert. Das heißt, man hat Merkmale beider Persönlichkeitstypen. Und damit bin ich nicht allein: Laut einer Studie von Adam Grant von der University of Pennsylvania können sich zwei Drittel aller Menschen nur schwer entscheiden, ob sie extrovertiert oder introvertiert sind – sie verorten sich eher in der Mitte zwischen beidem.

Seltsam ist, dass ich mir trotz dieser großen Masse Gleichgesinnter immer noch schräge Blicke für mein Verhalten einfange: Klar komme ich zu einer Party, aber sagt mir bitte mindestens drei Tage vorher Bescheid, damit ich mich mental darauf einstellen und meinen Akku für soziale Aktivitäten schon mal auffüllen kann. Und natürlich drehe ich gern eine Runde auf der Messe und sehe dabei wichtig aus, aber erwartet von mir bitte keinen Smalltalk mit fremden Menschen (irgh!).

Laut und leise in einem

Deshalb muss ich mein Leben ein wenig organisieren: In meinem Kleiderschrank hängt – ganz sinnbildlich betrachtet natürlich – ein Kleid für mein offenes, lustiges und fröhliches Selbst. Am Rücken hat es einen eingebauten Gute-Laune-Akku, der automatisch anfängt zu brummen, wenn ich das Kleid überstreife und nach draußen gehe. Im Laufe des Tages kommt der Akku zwar je nachdem was anliegt ab und an ins Stottern, hält aber in der Regel tapfer durch, bis ich wieder zuhause bin. Dann kommt das Kleid in die Wäsche und ans Ladegerät.

Jetzt greife ich in die andere Schrankhälfte und ziehe meine Jogginghose und ein Schlabbershirt an. Die haben keinen Akku, sondern ein eingebautes Ladegerät und versorgen mich an einem ruhigen Abend auf der Couch (oder auch mit Freunden, die meine Jogginghoseneskapaden gewohnt sind) mit der Entspannung, die ich brauche, damit mein Gute-Laune-Kleid am nächsten Tag auch wieder passt. Vorsichtshalber ist das ganze natürlich so designt, dass es auch mal einen oder zwei Tage mit Reserven überbrücken könnte, wenn ich einen Abend mal nicht in die Jogginghose hüpfen kann.

Bis zum Anschlag aufgeladen

Wem diese Metapher ein wenig zu hoch ist: Unter Menschen zu sein, ist für mich durchaus angenehm (<- extrovertiert) – aber eine kleine, mir bekannte Gruppe ist mir viel lieber als eine große anonyme Masse. Und: Lieblingsmenschen gehen immer! Gleichzeitig laugt mich ständiges Zusammensein mit anderen aber leider auch ein wenig aus, was wiederum typisch für die Introvertierten ist. Ich brauche einfach viel Zeit für mich, damit ich gut gelaunt und entspannt durch den Tag komme – ganz ohne Akku-Stottern.

Videotipp: Studie: Das sagt die Augenfarbe über deine Persönlichkeit

Augenfarbe: Frau verdeckt Gesicht
Text: Hanna Wagner
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