"Gestern war ich noch sexy": Sonja Haueis übers Altern

BRIGITTE.de-Leserin Sonja Haueis hadert mit dem Altern - oder doch nicht?

Sonja Haueis ist Fotografin, Autorin, Kreative, Unternehmerin, Mutter, Frau, Motivatorin und unerschütterliche Optimistin. Sie findet: Die Welt braucht mehr Liebe, mehr Seele, mehr Spirit, mehr Kreativität und viel mehr Sein als Schein. Deshalb schreibt sie auf happymemagazin.com über die Suche nach dem Glück und die Möglichkeiten, glücklich älter zu werden.

Wann wurde mir eigentlich bewusst, dass ich nicht mehr die heiße Schnitte von vor 25 Jahren bin? Gerade eben fühlte ich mich noch sexy, begehrt, sinnlich und vor allem blond.

Fast über Nacht fühle ich mich nur noch heiß. Aus der Mitte heraus, wie ein Minivulkan, der kurz aber heftig ausbricht, um mich danach fröstelnd und mit gewelltem Nackenhaar zurückzulassen. Besten Dank auch! Beach Waves hätte ich gerne, aber bitte kontrolliert platziert.

Hilfe, meine Haare werden orange!

Und da wären wir schon beim Thema, das eines Tages anklopfte und mir klar machte, dass ich reif werde. Eines sonnigen, heißen Ferientages auf einer wunderbaren Insel, in einem tollen Strandbungalow und sogar mit dem richtigen Mann an der Seite, sprangen sie mir ins Gesicht: orange Haare!

Ich bin von Natur aus blond. Wann genau das in Straßenköterblond übergegangen ist, kann ich nicht mehr sagen. Seitdem wurde die Haarpracht regelmäßig mittels Strähnchen gepimpt, und mir gefiel mein natürlich scheinendes Blond. Nie hatte ich mir Gedanken über das Ende dieser Ära gemacht, bis zum besagten Tag.

Zuhause machte ich sofort einen Termin bei meiner Frisörin, die mich knallhart aufklärte. Es lag an den grauen Haaren, denn die sträubten sich, die Farbe in derselben Art anzunehmen, wie die Haare, die noch Pigmente besaßen.

Wieso wird eigentlich alles, was wir mögen, weniger?

Wieso wird eigentlich alles, was wir mögen, weniger - und das, was wir nicht mögen, mehr? Zum Beispiel Haare im Allgemeinen, auf dem Kopf werden sie weniger, am Kinn dafür mehr. Es entzieht sich auch meiner Kenntnis, wie ein Haar von heute auf morgen fünf Millimeter aus dem Kinn wachsen kann, und das in einer Dicke der Borsten meiner Drahthaarbürste und damit nicht genug: Es kommt in SCHWARZ! So habe ich das Alter nicht bestellt!

Doch zurück zum eigentlichen Thema. Nun habe ich also die Wahl, mir drei verschiedene Farben auf den Kopf zu klatschen und alle zwei Wochen verzweifelt den Ansatz nachzufärben, oder mutig wie ich eben nicht wirklich bin, einfach alles herauswachsen zu lassen und zwei Jahre lang nur noch mit Hut aus dem Haus zu gehen. Ich kann auch versuchen, auszuschleichen und die Farbe langsam an den Naturzustand anzupassen. Das ängstigt mich aber ein wenig, ich habe ja keine Ahnung, wie ich in Natur aussehe.

Ich wollte mal eine coole Alte werden

Heute, nach zwei gescheiterten Versuchen, verzweifelt an meinem Jugendblond festzuhalten, musste ich feststellen, dass es auch genauso aussah: verzweifelt.

An diesem Punkt besann ich mich auf die Vorbildfrauen meiner Jugend. Damals hatte ich mich stets an älteren Frauen orientiert. Frauen, die eine ruhige Weisheit ausstrahlen, die sich peppig und typgerecht kleiden und sich nicht um Regeln scheren, von denen niemand mehr weiß, wer sie aufgestellt hat. Meine Vorbilder waren sehr unterschiedlich, da bin ich wie überall, sehr vielseitig. Das konnte die flippige Hippie-Künstlerin mit silbernem Haar sein, ebenso wie die toughe Business-Frau mit gebotoxter Stirn (unauffällig natürlich).

Sie alle haben gemeinsam, dass sie eine reife Schönheit und Gelassenheit ausstrahlen, selbstsicher sind, und trotzdem noch eine Wildheit vermitteln. Eine solch coole Alte wollte ich immer werden.

Was ich damals nicht wusste, war, dass zu denken, „so cool alt werde ich auch mal“ und tatsächlich älter zu werden, ein ziemlich großer Unterschied ist. Das liegt zum einen daran, dass der Prozess wirklich etwas mit Verwelken zu tun hat, zum anderen merke ich aber auch, dass ich auf viele Dinge ganz einfach keine Lust mehr habe.

Ich muss nicht mehr auf den Tischen tanzen

Ich muss nicht mehr bei jedem Dorffest auf den Tischen tanzen und bei den Letzten sein. Böse Zungen könnten jetzt behaupten, es läge an der Erholungsphase, die deutlich länger dauert als vor zehn Jahren. Sicherlich auch ein Grund, aber nicht der ausschlaggebende. Denn, falls ich ganz zufällig am perfekten Platz mit den perfekten Menschen und dem perfekten Wein lande, kann es auch jetzt noch passieren, dass ich mit den Letzten zum ersten Zug wanke.

Da das Anforderungsprofil an eine durchzechte Nacht aber mittlerweile hoch ist, finden derartige Ausschweifungen nicht mehr sehr oft statt.

Zurzeit arbeite ich noch an der Weisheit und an der Gelassenheit

Ich habe realisiert, dass ich mittlerweile tatsächlich zu diesen reifen Frauen gehöre und arbeite im Moment schwer an der Reife, der Weisheit und der Gelassenheit.

Und wisst ihr was? Ich finde es toll!

Nicht alles natürlich, ich mache zum Beispiel keine Freudensprünge bei einer neuen Falte und die zeitweilige Schlaflosigkeit finde ich auch nicht gerade prickelnd. Aber plötzlich sehe ich mich wirklich als reife Frau mit Salt & Pepper-Haaren, schön platzierten Falten und einer weisen, anziehenden Ausstrahlung, die hoffentlich jetzt selbst ein Vorbild für junge Frauen ist.

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