"Ich hasse Fitnessstudios!"

Als Nicole Steins sich in einem Fitnessstudio anmeldete, war das ihr Versuch, schnell ein paar Kilos abzunehmen. Der aber zeigte: Sie ist nicht für diesen Sport gemacht. Warum sie heute lieber Tennis spielt, erklärt sie in ihrer Leser-"Stimme"

Weil ich nicht mehr wollte, dass sich mein Bauch als kleine Rolle über den Gürtel wölbt, habe ich mich vor Jahren in einem Fitnessstudio angemeldet. Meine Freundinnen schwärmten immer davon, dass man da beim Sport so gut abschalten könne. Einfach auf den Stepper steigen, Musik hören, auf den Fernseher starren und Kilos verlieren. Dazu die Aussicht auf ein paar gut gebaute Jungs beim Training... toller Plan.

In der Realität sah das dann so aus, dass ich mich beim Sporteln im Studio nicht wohlfühlte. Ich schnappte mir immer zielstrebig den Stepper in der letzten Reihe, weil ich nicht wollte, dass mir fremde Menschen auf den Hintern starren, während ich mich abmühte.

Außerdem gab’s da noch die Klamottenfrage. Die gestylten, durchtrainierten Mädels trugen hautenge Funktionskleidung. Nach zwei Schwangerschaften lässt sich mein Bauch- und Hüftspeck allerdings nicht so leicht in ein neonpinkfarbenes Slim-Fit-Oberteil pressen. Also gab es für mich in meinen weiten, sackähnlichen T-Shirts nicht einmal Punkte für's Outfit.

Dann ab an die Geräte. Hier waren die Gewichte meist viel zu schwer eingestellt. "Bin nur ich so schwach?", fragte ich mich jedes Mal und war schon frustriert, bevor ich das erste Gewicht überhaupt gestemmt hatte. Außerdem hatte ich immer das Gefühl, ich nehme gerade einem durchtrainieren Waschbrett-Typ die Möglichkeit, noch mehr Muckis zu bekommen, nur weil ich mich mal schnell an die Beinpresse setze. Ich spürte regelrecht ihre Blicke und hörte ihre Gedanken: "Na die hat’s aber auch nötig, hier mal zu trainieren, aber mit so wenig Gewicht bringt das eh nix". Dann dehnten sie sich direkt vor mir und signalisierten: "Hey ich bin bereit für das nächste Gerät, für das, auf dem du sitzt". Und kaum war ich aufgestanden, schraubten sie das Gewicht von meinen 15 Kilo für Anfänger wieder rauf auf 45 Plus!

Fitnessstudio ist nichts für mich, weil ich mich selbst dazu nicht genug motivieren kann. Ach, dann mach ich eben nur zehn Wiederholungen anstatt 20. Merkt ja keiner. Dann, nach ein paar schnellen Bauchübungen, lieber wieder zurück auf den Stepper in der letzten Reihe und zumindest noch etwas Fett verbrennen. Dabei musste ich natürlich auch unweigerlich die Menschen auf den Geräten vor mir anstarren - irgendwo muss man ja hingucken. Zu der Zeit, zu der ich trainierte, waren immer viele Senioren da. Aber schwitzende, ältere Herren mit stark beharrten Armen und Beinen sind nicht gerade meine Zielgruppe. Wichtig auch: Immer mit Handtuch trainieren - steht in der Hausordnung. Nur leider hatten die größten Menschen immer die kleinsten Handtücher dabei. Da läuft auf einem Liegefahrrad so mancher Tropfen Schweiß daneben. Und wenn die anderen Sportler im Studio ihre Geräte am Ende auch nur so oberflächlich desinfizierten wie ich, dann ist die Vorstellung, auf dem Schweiß des Vorgängers zu liegen, doch ganz schön eklig.

Ich bin natürlich trotzdem immer mal wieder hin ins Fitnessstudio - ich hatte ja schließlich dafür bezahlt. Aber dieser "Solo-Sport" war und blieb nichts für mich. Mittlerweile bezahle ich für einen Tennisverein. Da geht es wenigstens um etwas, nämlich um Punkte, Sätze und gewonnene Spiele. Außerdem trainiert man nicht allein auf weiter Flur - zum Tennis braucht man immer einen Gegner. Und so ein Training, im Idealfall mit meiner Freundin, ist doch um einiges persönlicher als im Fitnessstudio. Denn der Gegner auf dem Tennisplatz spricht sogar mit mir und hängt nicht nur als Gewicht an der Beinpresse. Und ganz nebenbei wird meine Bauchrolle auch langsam kleiner.

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