Steffi von Wolff: "Scheiße, jetzt bin ich über fünfzig!" 😳

Steffi von Wolff

Fünfzig zu werden, war für Steffi von Wolff noch okay. Doch als ihre Waschmaschine den Geist aufgibt, kommt sie ins Grübeln ...

Ich bin letztes Jahr fünfzig geworden. An diesem Tag erinnerte ich mich an meine letzten runden Ehrentage.

An meinem zehnten Geburtstag lag die Welt vor mir, und meine Mutter war in meinen Augen eine alte Frau.

An meinem zwanzigsten fühlte ich mich so erwachsen, weil ich beiläufig bei irgendeiner Erinnerung sagen konnte: „Ach Gott, das ist auch schon zehn Jahre her.“

An meinen dreißigsten erinnere ich mich nicht, weil ich hickehackevoll (Bacardi-Cola) in irgendeiner Ecke lag, aber ich weiß noch, dass ich am nächsten Morgen aufstand und kaum einen Kater hatte.

Am vierzigsten dachte ich: So kann es jetzt von mir aus bleiben. Im Job und in der Partnerschaft gefestigt, Kind groß, gesund, alles gut.

Doch es blieb leider nicht so ...

Es blieb aber nicht so, und schleichend begannen Gespräche sich darum zu drehen, dass man zu Vorsorgeuntersuchungen gehen solle, und einige ältere aus meinem Bekanntenkreis bekamen Parodontitis und Arthrose, und sagten, es würde nicht besser werden.

Ich weigerte mich, das zu glauben, ging weiter auf die fünfzig zu und fand das gar nicht schlimm. Weil ich mich nicht alt fühlte und auch nichts mit den Knochen hatte. Gut, graue Haare, die werden aber überfärbt.

An meinem fünfzigsten fühlte ich mich auch nicht alt. Sondern dachte: ‚Alle anderen, die jammern, die spinnen, denn man kann es doch sowieso nicht aufhalten, das Altern. Man sollte das Beste draus machen‘. So war meine Einstellung.

Meine Einstellung: "Einfach das Beste draus machen!"

Dann, kurz nach meinem einundfünfzisten Geburtstag, passierte die Katastrophe: Meine Waschmaschine ging nach dreißig Jahren treuem Dienst kaputt, und es war meine erste Waschmaschine gewesen. Ich hatte mal irgendwo gelesen, dass der Mensch in seinem Leben durchschnittlich zwei Waschmaschinen kauft, je nach Marke halten die ja bis zu dreißig Jahre, wie man an meiner gesehen hat.

Plötzlich überfielen mich schreckliche Gedanken

Plötzlich wusste ich: Es geht bergab. Ich bin einundfünfzig und muss die wahrscheinlich letzte Waschmaschine meines Lebens kaufen, denn wenn ich achtzig bin und wieder eine brauche, kann ich vielleicht keine mehr selbst bedienen. Falls ich überhaupt achtzig werde. Ich habe nur noch eine begrenzte Zeit Leben vor mir. Ich setzte mich zum ersten Mal hin und dachte: ‚Himmel, wieviel Zeit hab ich noch? Wieviele gute Jahre?‘

Angenommen, ich würde achtzig werden, dann heißt das ja nicht, dass ich mit achtzig noch topfit bin, vielleicht hocke ich dann in einem Lehnstuhl und schaue mir alte Fotoalben an und kann nur noch pürierte Kartoffeln essen und den ganzen Tag läuft der Fernseher ganz laut, weil ich so schlecht höre.

Ich stellte fest: Mit den Jahren wird das Leben anders

Das mit der Waschmaschine hat echt den Anstoß gegeben, meine Zeit besser zu nutzen. Und es ist ja wirklich so, musste ich feststellen: Mit den Jahren wird das Leben anders. Ich schaue mit anderem Blick auf den Herbst, denke melancholisch daran, dass wieder fast ein Jahr um ist.

Meine beste Freundin, die in Hessen wohnt, sehe ich zweimal im Jahr. Wie oft werde ich sie noch sehen, wie oft die A7 Richtung Süden fahren? Wenn ich wieder die Zahl achtzig nehme, dann bleiben uns noch achtundfünfzig Treffen. Wenn man überlegt, dass wir früher täglich und wochenlang zusammenhingen, ist achtundfünfzig ein Witz.

Aber ich kann es nicht ändern, deswegen versuche ich, das Leben so zu leben, wie man es ab fünfzig eben leben muss: Sich der Endlichkeit bewusst sein und mit Champagner anstoßen und sich zurufen wie die Gruppe Millionäre damals im Film "Titanic", als Jack Dawson mitessen und trinken durfte: „Weil jeder Tag zählt!“

Buch: Später hat längst begonnen

 Die Autorin: Steffi von Wolff war lange Jahre beim Radio, bevor sie 2003 ihren ersten Roman herausbrachte. Ihr neuestes Werk heißt "Später hat längst begonnen"; darin geht es um zwei Frauen, die es zusammen nochmal richtig krachen lassen, bevor das Unabänderliche passiert.

 selbst lässt es mittlerweile fast nur noch beim Schreiben krachen. Sie ist am liebsten daheim und macht es sich gemütlich mit Rotwein, einem leckeren Essen - und einer schönen Serie!

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