Steffi von Wolff: Mein Leben voller Ticks und Spleens

Steffi von Wolff

Hier outet Bestseller-Autorin Steffi von Wolff ihre Spleens und Ticks. Einer hat mit Regen zu tun, andere mit Socken und Gabeln ...

Beim Wischen darf es nicht quietschen. Auf keinen Fall!

Da ist es wieder: Tschiep, fiep, knietsch. Arrrgh! Autofahren bei Regen ist für viele Menschen ganz normal. Sie setzen sich in den Wagen, fahren los, machen den Scheibenwischer an - und fahren weiter.

Ich nicht. Ich schätze erst die Stärke des Regens ein, dann schalte ich ein. Entweder auf normales Intervall oder aber auf kurzes, dann wieder auf längeres. Es kann auch gut sein, dass ich zwischendurch etwas runterdrehe, damit es länger dauert, bis die Wischer wieder losfahren, weil ich DAS vermeiden möchte, was mich wahnsinnig macht: Das Quietschen der Wischblätter auf der Windschutzscheibe.

Für mich ist die Betätigung des Scheibenwischers eine Aufgabe mit klarem Ziel: Es darf während des gesamten Wischprozesses nichts zu hören sein. Man muss sich da langsam rantasten und die Zeit für sich arbeiten lassen, aber irgendwann hat man es raus.

Es sei denn, es ist einem egal, wie zum Beispiel meinem Mann. Er schaltet den Scheibenwischer ein, einfach so, und lässt ihn auf einer Stufe laufen.

Das Schlimmste: Er schaltet ihn nicht aus, wenn es aufhört zu regnen. Er passt die Wischblättergeschwindigkeit auch nicht den Umständen an. Er tut nichts. Er lässt es quietschen und das Quietschen wird ja immer lauter und furchtbarer, je trockener die Scheibe wird. Er sagt, ich hätte einen Spleen, was das betrifft. Ja. Das stimmt. Leider ist er nur einer von vielen.

Beim Einkaufen müssen es gerade Zahlen sein

Ich kann auch nicht einkaufen wie andere Menschen. Es müssen immer gerade Zahlen sein. Zwei Liter Milch. Vier Äpfel. Sechs Scheiben Schinken.

Ich habe ein bestimmtes System beim Einräumen der Spülmaschine und kann nicht verstehen, warum jemand Besteck nicht nach Messer, Gabeln und Löffeln sortiert. Ich muss Socken so zum Trocknen aufhängen, dass die passenden sich nebeneinander befinden. Und alles muss auf rechts gedreht sein. Warum ist das so? Warum hat man diese Spleens?

Die Psychologin Fanny Jimenéz hat in einem WDR-Interview gesagt: „Spleens können bei ganz vielen Dingen helfen: Sie sorgen zum Beispiel dafür, dass die Welt uns ein bisschen sicherer erscheint. Dazu zählen Rituale, die man beim Einschlafen oder Aufstehen hat, bestimmte Routinen, ohne die man sich unwohl fühlt. Spleens geben uns auch ein Gefühl von Kontrolle. Das sind oft Ticks, die mit Ordnung und Sauberkeit zu tun haben, wie die Wäsche immer mit einer bestimmten Farbe der Wäscheklammer aufhängen zu müssen.“ Oder Socken nebeneinander hängt, so wie ich.

Ich bin trotzdem ganz normal!

Weiter sagte die Expertin: „Solange ich meinen Spleen unter Kontrolle habe, ist alles in Ordnung. Wenn der Spleen anfängt, die Kontrolle zu übernehmen, dann sollte ich mir Hilfe suchen. Das kann man ganz leicht ausprobieren, indem man versucht, seinen Spleen zu unterbinden. Wenn das klappt, ist alles in Ordnung. Wenn man wiederholt ein Problem damit hat, seinen Alltag nicht mehr bewältigen kann, dann hat man tatsächlich ein Problem.“

Also ist mit mir alles in Ordnung, und ich habe keine Störung. Denn ich kann, wenn ich will, natürlich auch drei Bananen kaufen oder Socken auf links gedreht lassen.

Dass es mir jetzt beim Gedanken daran irgendwie mulmig wird, liegt selbstredend nur daran, dass ich noch nicht gefrühstückt habe.

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Steffi von Wolff: Mein Leben voller Ticks und Spleens

Steffi von Wolffs neuestes Werk heißt HAFENKINO und beinhaltet eine Sammlung der schönsten Geschichten ihrer beliebten Segel-Kolumne in der YACHT.

Eine Frau, ein Mann und ihr Segelboot. Auch für Nichtsegler bestens geeignet, weil's bei denen ja auch manchmal kracht (Delius Klasing, 16,90 Euro).

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