Steffi von Wolff: Warum der Januar der blödeste Monat von allen ist

Es gibt viele Gründe, warum Steffi von Wolff den Januar ganz besonders überflüssig findet. Und zwar nicht, weil Weihnachten vorbei ist ...

Der Januar nervt mich

Er ist nicht Fisch, nicht Fleisch, und alle wollen irgendwas, ich auch, nämlich Weihnachtsbaum und Adventskranz abschmücken – und ich frage mich immer wieder aufs Neue, warum ich so bescheuert war, schon wieder so viele Nikoläuse und Engelchen an Zweige und sonstwohin zu hängen.

Dieses Gefummel, um den Weihnachtsschmuck von den Ästen loszubekommen, ist furchtbar. Die Nadeln nerven auch. Sie rieseln schon im Vorbeigehen auf den Tisch, verstecken sich unter Teppichen und auf dem Sofa, und ich werde sie noch Wochen später finden.

Dann das Verpacken und alles in den Keller tragen. Das Einsortieren der Kugeln dauert ewig und es passt irgendwie nie. Tannenbaum und Adventskranz müssen auf die Straße gebuckelt werden, dann kann ich das ganze Treppenhaus kehren, schönen Dank auch.

Alles nadelt - und die Leute gehen mir auch auf den Sack

Ja, ich gebe es zu: Die Nachweihnachtszeit nervt mich. Ich bin kein Vorweihnachts-Stress-Mensch, sondern einer, der danach Zuspruch braucht. Nicht, weil die Zeit jetzt um ist und der doofe, meistens trübe Monat da ist, sondern wegen des Abschmückens und weil mir die Leute auf den Sack gehen.

Wenn andere ab September über Dominosteine und Spekulatius in Supermärkten und über „Ach, was schenk ich nur“ und „Wo setzen wir nur Onkel Balduin an Heiligabend hin, auf keinen Fall neben Tante Margaret“ klagen, rege ich mich im neuen Jahr  darüber auf, wie genervt viele Menschen sind, weil sie ihre blöden guten Vorsätze in die Tat umsetzen wollen und deswegen schlechte Laune beim Joggen, Nicht-mehr-Rauchen und Nie-mehr-böse-Kohlenhydrate-zu-mir-nehmen haben.

Fitnessclub-Besitzer lachen sich kaputt, weil sie sich jetzt alle Porsche kaufen können und jubeln über die Karteileichen, die spätestens ab Februar in der Schublade schlummern

Die Straßen sind dreckig, weil niemand es für nötig hält, seinen Böllerkram wegzuräumen, Sektflaschen liegen rum und in meinem Freundes- und Bekanntenkreis hält man Diät, rennt um die Alster und niemand isst mehr Schokolade.

Ich ärgere mich, dass ich vermeintlich so clever war, mir gar nichts für das neue Jahr vorzunehmen, weil ich es sowieso nicht durchhalten werde, das hat die Vergangenheit oft genug gezeigt. Ich finde die Demütigung, irgendwas nicht zu schaffen, schlimmer, als es gar nicht erst anzufangen, und nicht nur einmal bin ich nach zehn Minuten Joggen mit einer vorgetäuschten Fußverletzung nach Hause gehumpelt, weil ich einfach nicht mehr konnte.

Huch, und dann ist schon wieder Ostern!

Der Januar kann von mir aus gestrichen werden. Die Hälfte vom Februar auch und dann läuft alles endlich normal weiter: Niemand, den ich kenne, geht mehr zum Sport, die Menschen essen wieder Nudeln, die Straßen sind aufgeräumt und manchmal hört man schon die Frühlingsvögel zwitschern und die Sonne kommt auch mal raus.

Das geht ein paar Tage so, dass alles gut ist, und dann ruft jemand: „Oh mein Gott, Ostern ist aber früh in diesem Jahr!“ und ich kann endlich, endlich anfangen, die bemalten Eier aus dem Keller zu holen, Zweige zu behängen und Osterzöpfe zu backen. Wunderbar. Und jedes Jahr das Gleiche!

Aber nach Ostern … egal. Jetzt nicht dran denken.

Die Autorin: Steffi von Wolff war lange Jahre beim Radio, bevor sie 2003 ihren ersten Roman herausbrachte. Ihr neuestes Werk heißt "Später hat längst begonnen"; darin geht es um zwei Frauen, die es zusammen nochmal richtig krachen lassen, bevor das Unabänderliche passiert.

selbst lässt es mittlerweile fast nur noch beim Schreiben krachen. Sie ist am liebsten daheim und macht es sich gemütlich mit Rotwein, einem leckeren Essen - und einer schönen Serie!

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