Steffi von Wolff: Wie der Valentinstag mein ganzes letztes Jahr "bereicherte"

Steffi von Wolff findet den Valentinstag blöd. Genauso wie ihr Mann. Aber dann sehnte sie sich doch mal nach einem kleinen Liebesbeweis.

Heute ist es soweit und ich bin sehr froh. Der Valentinstag ist da und somit ein Jahr rum.

Letztes Jahr fand ich es -  die absolute Gegnerin der sogenannten Muss-Tage - plötzlich irgendwie süß, mal zum Valentinstag Blumen zu bekommen. Mein Mann war irritiert. Er findet diese Muss-Tage genau so dämlich wie ich, und wir waren bis dato der Meinung, dass man die ignorieren sollte.

Was haben wir mit einem Valentin zu tun, der irgendwann mal Heiliger war?

Eben. Nichts. Das fanden wir gut, da standen wir drüber. Andererseits hatte ich mitbekommen, welche Gedanken sich die Männer machen, um ihren Freundinnen oder Frauen zum Valentinstag etwas zu schenken. Eine Freundin hatte mal einen Ring bekommen, weil der ja keinen Anfang und kein Ende hat, also endlos ist wie seine Liebe zu ihr, eine andere bekam eine sehr hübsche Kette mit einem Herzanhänger von Tiffany’s.

Nicht dass ich neidisch wäre, das bin ich noch nie gewesen, aber süß ist es schon. Und ich stellte mir die Frage: Sind wir vielleicht spießig, weil wir so drüberstehen und ihn bewusst ignorieren, den Tag? Warum ist das so?

„Weil das eine Verarsche ist“, sagte mein Mann. „Dieser Tag dient nur einem: Dem Einzelhandel. So einen Schwachsinn mache ich nicht mit. Ich für meine Person würde ausrasten, wenn ich an diesen Tagen was geschenkt bekäme. Womöglich noch so dämliche Kuscheltiere. Kuscheltiere nehmen einem Mann die Männlichkeit.“

Er sagte: "Kuscheltiere nehmen einem Mann die Männlichkeit."

„Ich fände es aber schön, mal Blumen zu bekommen oder was anderes“, sagte ich, weil ich es irgendwie wirklich schön fände, warum auch immer. So eine kleine Aufmerksamkeit. Nur eine Winzigkeit. Damit ich auch mal frohlocken kann: Zum Valentinstag hab ich ein Blümlein bekommen. „Und du könntest sagen: Ich habe meiner Frau zum Valentinstag Blumen geschenkt, und müsstest dir keine Sprüche anhören, von wegen, was für ein schlechter Ehemann du seist.“

„Ich müsste mir eher Sprüche anhören, wenn ich dir an so einem Muss-Tag Blumen schenke“, sagte mein Mann. „Man würde denken, ich sei nicht mehr ganz dicht.“ „Ich bin dir also nichts wert“, sagte ich. Das war, wie gesagt, vor einem Jahr.

"Ich bin dir nichts wert", sagte ich. Ein Fehler.

Zum Valentinstag bekam ich dann Blumen. „Fühlst du dich jetzt besser?“, fragte mein Mann.

„Nein, nicht besser, aber gut. Danke.“ Man hätte meinen können, das sei es gewesen.

Doch am 20.2. bekam ich ein Päckchen Taschentücher geschenkt, weil es der Tag der Allergien war, wenn auch in Japan. Am 27. Februar bekam ich einen Bildband über Eisbären, weil Welttag der Eisbären war. Im März schenkte mein Mann mir eine Dose Kidney-Bohnen zum Weltnierentag, gefolgt von einer kleinen Tonvase, weil kurz darauf Tag der offenen Töpferei war. Ich sagte: „Es reicht.“

„Oh nein“, sagte mein Mann. „Ich muss dir doch beweisen, dass du mir was wert bist.“

Zum Weltschlaftag bekam ich ein Kissen, zum Tag der Gebäudetechnik einen Gutschein für die Gebäudetechnikmesse, sollte mal eine stattfinden, zum Welt-Pi-Tag einen alten Rechenschieber und zum Internationalen Tag des Waldes ein Säckchen mit Moos und Erde.

„Was möchtest du denn gern zum Welttuberkulosetag?“, fragte mein Mann mich dann freundlich und ich hatte Angst, dass er langsam durchdreht.

Es gibt viele sinnlose Tage - und noch mehr schöne Kuscheltiere

Eines habe ich in diesem Jahr aber gelernt: Es gibt nicht nur einen sinnlosen Tag. Es gibt sehr viele. Und deswegen möchte ich jetzt bitte nie mehr zum Valentinstag und auch sonst Blumen. Ich beklage mich auch niemals mehr.

Dafür kann sich mein Mann aber bald freuen. Denn er hat einige Tage vergessen. Ich bin mal gespannt, was seine Kollegen sagen, wenn ich ihm die Geschenke in die Redaktion schicke. Es gibt nämlich noch den Welttag des Waschbären, den Welttag der Schildkröte, den Weltkatzentag und den Welthundetag.

Und es gibt so schöne Kuscheltiere.

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Steffi von Wolffs neuestes Werk heißt HAFENKINO und beinhaltet eine Sammlung der schönsten Geschichten ihrer beliebten Segel-Kolumne in der YACHT.

Eine Frau, ein Mann und ihr Segelboot. Auch für Nichtsegler bestens geeignet, weil's bei denen ja auch manchmal kracht (Delius Klasing, 16,90 Euro).

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