Love me, Tinder: Was passierte, als ich mir ein Blind Date zum Geburtstag schenkte

BRIGITTE.de-Leserin Ute Merz wagte nach ihrer Scheidung ein Experiment - und schenkte sich zum Geburtstag ein Tinder-Blind-Date ...

Die Karlsruher Schauspielerin und Autorin Ute Merz erlebt immer wieder skurrile
Situationen in ihrem neuem Leben als „getrennt Erziehende“ und Selbständige. Neben der Leitung ihrer Kinder-Schauspielschule „imagine“ inszeniert und schreibt sie Theaterstücke für und mit Frauen, singt gerne im Chor und versucht sich als Hobbygärtnerin. Und ganz nebenbei will sie nun auch noch einen aufregenden Mann kennenlernen …
 

Was tun am Geburtstag? Mal was ganz anderes!

Mein Geburtstag steht an. Diesmal nicht gerade eine Zahl für die Riesenfete oder die gediegene Essenseinladung für Freunde, wie ich es die Jahre davor gehalten habe.

Nein, denn dieses Mal ist ja alles anders: Es ist mein erster Geburtstag nach der offiziellen Trennung vom Ehemann. Da muss was Besonderes passieren. Was Spannendes. Was Neues.

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Underground-Dinner an einem unbekannten Ort mit unbekannten Menschen am Tisch?

Perfekt! Essen ist meine Leidenschaft (leider!) und neue Leute sind genau mein Ding. Und siehe da, auch in meiner popeligen Beamtenstadt spuckt Google ein solches Event aus.  Bingo, Termin passt! Genau an meinem Freudenfest.

Das Menü liest sich kulinarisch erquickend, aber der Preis … olàlà. Dafür verspricht es ein aufregendes Treffen in leicht morbider Atmosphäre mit gaumenfreudenaffinen Akademikern (des Preises wegen) zu werden. Gleich mal zwei Tickets buchen!

Aber mit wem gehe ich denn da hin? Mit meiner Busenfreundin oder meinem besten Kumpel? Es wird sich schon einer finden. Apropos finden …

Nach meinem letzten Tinder-Reinfall könnte ich es vielleicht mal wieder wagen, einen klitzekleinen Blick in die Welt der Einsamen und Einsamer (sorry!) zu werfen

Ich schleiche um mein Handy herum. Es könnte ja dieses Mal ausnahmsweise kein total verstrahlter Psychotyp (ich stehe halt auf „Künstler“) dabei herausspringen!? Wenn ich einfach mal mein Beuteschema ändere, mich mal mit jemandem treffe, der Beständigkeit, Zuverlässigkeit und einen gewissen Konservatismus ausstrahlt ... wäre ich dann nicht auf der sicheren Seite?

Ja, tu es! Mach es! Lade Tinder wieder runter! Nein, bleib stark! Denk an deine empfindsame Seele!

Gegen Abend schreibe ich mit Thilo. Thilo ist Versicherungskaufmann. Keine Kinder,  1,80, schlank, volles Haar, ganz gute Fotos.

Am nächsten Tag telefoniere ich mit Thilo

Er hat eine nette Stimme und will mir nicht gleich eine Berufsunfähigkeitsversicherung andrehen. Geht doch, Frau Merz! Man kann sich auch mit normalen Männern ganz gut unterhalten.

Wir verabreden ein Treffen im hiesigen Museumscafé (bisschen testen, ob er Kultur mag, ganz ohne geht halt auch nicht ...). Um zu verstehen, warum er dann nicht zu diesem Date kommen kann, muss man wissen, dass ich im Januar Geburtstag habe. Und wenn es hier mal schneit, dann ordentlich. Thilo ist also kurzfristig vom Schnee überrollt worden. Aber nett wie er ist, bietet er zur Entschädigung Telefonkommunikation an.

Okay, ich zücke mein Telefon und mache ich es mir mit einer Flasche Rotwein und Chips auf dem Sofa gemütlich. Liebe geneigte Leserin, tu das bitte nicht! Nein, nicht die Chips! Ja, den Rotwein! Den lässt du besser weg! Vor allem, wenn du so wie ich darauf reagierst. Meine Zunge wird dann immer schneller als mein Rückenmark und überholt mich quasi von vorne. Nach zwei Stunden, einer leeren Flasche und einer Menge Quasselei lege ich auf.

Mein Gott, habe ich das jetzt wirklich getan?

Habe ich mir jetzt wirklich selbst ein Blind Date zu meinem Geburtstag besorgt? Habe ich den Versicherungsfuzzi zu meiner Geburtstagsbegleitung erkoren? Yes, I did!

Leicht taumelnd, aber mit einem schön blöden Grinsen und einer gewissen kämpferischen Genugtuung gehe ich zu Bett.

Am nächsten Morgen erinnert mich ein Dröhnen im Schädel schnell wieder an meine Sünden vom Vorabend. Und ein prüfender Blick in den Spiegel lässt mich genauso alt aussehen wie ich heute geworden bin.

Aber der Gedanke an einen prickelnden Abend mit ungewissem Ausgang bringt mich schnell wieder meinem inneren Alter nahe (irgendwas zwischen 25 und 35). Beim Ganzkörperpeeling unter der Dusche spiele ich schon mal mögliche Outfit-Kombinationen durch: Vom „Vampkleidchen“ (mit passender sexy Unterwäsche) über die „Ich-bin-dein-Kumpel“-Jeans-Variante bis zur „Ladylike mit unkonventionellem Touch“-Version ist heute alles drin.

Ich entscheide mich für das, was ich immer anziehe. Das, in dem ich momentan am schlanksten aussehe: schwarze Stretchhose mit schwarzer Bluse.

Zwischendurch beantworte ich meine telefonischen und elektronischen Geburtstagsgrüße: „Nein, heute nix Großes ... ja, nur ganz entspannt Essen gehen mit ner Freundin ... nein, kein neuer Mann, wer braucht denn sowas?!“ Und die Spannung steigt, mein Puls pocht und ich schminke mir die letzten hektischen Flecken aus dem Dekolletee, bevor ich mich auf den Weg zu meinem geheimen Blind-Date mache.

Ein Opel Corsa beendet abrupt meine Träume

Lässig lehne ich am verabredeten Parkplatz an meiner Autotür (ich bin blöderweise immer zu früh dran bei Verabredungen) und halte Ausschau nach Mister Unknown. Werde ich ihn gleich erkennen? Was wird er mir wohl mitbringen zu meinem Wiegenfest? Blumen, Pralinen, sündhaft teure Diamantohrringe, eine Yacht, den Schlüssel zu unserem Haus, oder vielleicht ...

Die quietschenden Bremsen eines Opel Corsa beenden abrupt meine Träume und heraus steigt..Thilo?…THILOOOOOO?

Moment mal! Sind Männer mit 1,80 nicht eindeutig größer als ich, und warum hat der jetzt Bart und Glatze? Und wieso geht er so zielstrebig auf mich zu?

„Hallo, Ute! Schön, dich kennenzulernen!“, tönt es eine Handbreit unter meinem Kinn aus einem haarigen Gesicht. Meine Gutmenschenstimme in mir schärft mir ein, dass es nun gilt, sich auf die inneren Werte des Gegenübers zu konzentrieren. Er ist sicherlich ein gewitzter Unterhalter, Kavalier alter Schule und ein Charmebolzen vor dem Herrn.

„Dann mal vielen Dank für die Einladung! Hast ja Geburtstag. Hab mal nichts mitgebracht, fand ich n bisschen übertrieben! Gehen wir rein, hab Hunger!“, sagt er und klopft mir auf die Schulter.

Einladung? Nix dabei? Wie bitte?

Um es kurz zu machen. Ich hatte einen sehr netten Abend. Wirklich sehr unterhaltsam, amüsant, mit anregenden Gesprächen mit einem wunderbaren Mann. Mit meinem unbekannten Tischnachbarn. Der links von mir. Musiker, einfühlsam und etwas durchgeknallt. Zählte auf, was man einer Frau wie mir zum Blind-Date-Geburtstag alles schenken könnte. Wann Thilo an dem Abend nach Hause gegangen ist, weiß ich gar nicht mehr.

Ich kann nur sagen: Ich liebe Blind-Dates. Man kann manchmal richtig Glück haben.

Love me, Tinder: Was passierte, als ich mir ein Blind Date zum Geburtstag schenkte

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