Warum hacken eigentlich alle auf Veganern herum?

Steffi von Wolff

Gestern, am 4. Oktober, war Welttierschutztag. Ein Anlass für Steffi von Wolff, sich mal ein paar Gedanken über Tierhaltung, Veganer und das ewige Meckern zu machen.

Ja, ich weiß. Der Spruch: Woran erkennst du einen Veganer? – Er wird’s dir schon erzählen stimmt zu 100 Prozent. Aber ist das nicht mit allem Neuen so? Als ich Metabolic Balance gemacht habe, gab es kein anderes Gesprächsthema mehr für mich und ich wollte alle Leute bekehren mit meinem "Huhn und Salat ist so lecker, ich brauche nichts anderes mehr" und "mir fehlt kein Zucker". Und spätestens, wenn ich heimlich das erste Snickers verdrückt habe, hielt ich mich zurück mit meiner Euphorie.

Was soll das Genörgel?

Es ist doch meistens nur am Anfang so mit dem Mitteilungsbedürfnis. Eine Bekannte war gerade mal drei Tage Veganerin und hat mir gefühlt ein halbes Jahr davon erzählt, wie gut sie es findet, dass sie den Bienen jetzt nicht mehr den Honig wegnimmt und den Kälbchen die Milch.

Zwei Wochen später postete sie bei Facebook ein riesiges T-Bone-Steak. Das ist dann die vielzitierte "Phase", die vorbeigeht und nicht nur bei Veganern, denn natürlich gibt’s auch Menschen, die Veganer bleiben und ich frage mich, was das Genörgel gegen diese Leute soll.

"Früher hat man gegessen, was auf den Tisch kommt", "die Trümmerfrauen hätten uns was erzählt" oder "die sind unterernärt, krank und haben Mangelerscheinungen" sind nur einige Sätze, die von Verfechtern gegen diese Menschen ertönen.

Eine Million Menschen in Deutschland leben vegan

Warum? Diese Leute, es sind Schätzungen nach ungefähr eine Million in Deutschland, haben sich nun mal für diese Lebensform entschieden. Das heißt, sie leben tierfrei, weil sie Massentierhaltung und die Tatsache, dass kranke und männliche Küken geschreddert werden, scheiße finden und es auch nicht für gut erachten, dass das Getreide, das man anderswo für Menschen dringend benötigt, an die Tiere verfüttert wird, damit wir sie essen können.

Daran ist doch nichts schlimm und wenn man das alles mal sacken lässt und drüber nachdenkt – ist es nicht eigentlich sogar sehr gut?

Ich habe "wie werden Küken getötet" gegoogelt

Ich bin defintiv kein Moralapostel und lebe nicht vegan, aber gestern hab ich einfach mal gegoogelt, weil mich interessiert hat, warum man Küken tötet. Auf der Seite von PETA ist folgender Text zu finden:

Nach dem Schlüpfen werden die Plastikkisten auf lange Förderbänder ausgekippt und die Küken werden wie lebloses Gemüse sortiert. Hierbei greifen Arbeiter immer wieder schwache, kleine oder verletzte Küken heraus und schmeißen diese lebendig in nebenstehende Eimer – diese werden später mit den männlichen Tieren getötet. Anschließend folgt das sogenannte Sexen. Auch hier greifen sich die Arbeiter blitzschnell ein Küken aus der Masse. Ist es weiblich, wird es in eine weitere Kiste geschmissen, und meist wird ihnen direkt der vordere Teil des Schnabels abgetrennt, bevor sie "verpackt" und in die Legebetriebe transportiert werden. Ist es männlich, wird es zurück aufs Förderband geworfen. Am Ende des Förderbandes wartet entweder der Schredder, in dem die gerade geborenen Küken lebendig zu Brei verarbeitet werden oder aber die Küken werden in große Behälter verfrachtet, wo sie einem minutenlang andauernden Todeskampf ausgesetzt sind und letztendlich durch das Gas ersticken …Und da steht: Die kleinen Brüder der späteren "Legehennen" sind wertlos für die Industrie, da sie weder Eier legen können noch einen wirtschaftlich rentablen Fleischansatz haben.

Informiert euch, bevor ihr pestet!

Also ganz ehrlich: Schön ist anders. Und bevor man gegen die Veganer pestet, sollte man sich erst mal informieren, finde ich und bin weiterhin der Überzeugung, dass das vielgepriesene "schlechte Gewissen", dass man angeblich nur von den Veganern eingetrichtert bekommt, eigentlich schon in uns drin ist. Viele von uns wollen es nur einfach nicht zugeben, weil wir uns nicht gängeln lassen wollen.

Und so wird es leider immer weiter Meckerer geben, die sich dann auch noch drüber freuen, wenn ein veganes Restaurant schließen muss ("Haha! Hab ich ja gleich gesagt.") Ich finde: Schade. Da hat jemand viel Geld und viel Überzeugung reingesteckt und es ist leider nicht angenommen worden. Das ist doch nichts, über das man sich freuen kann, vegan hin, vegan her.

Viele von uns sollten einfach mal hinter die Kulissen schauen und sich dann äußern. Nicht vorher.

Danke.

Buch: Später hat längst begonnen

 Die Autorin: Steffi von Wolff war lange Jahre beim Radio, bevor sie 2003 ihren ersten Roman herausbrachte. Ihr neuestes Werk heißt "Später hat längst begonnen"; darin geht es um zwei Frauen, die es zusammen nochmal richtig krachen lassen, bevor das Unabänderliche passiert.

 selbst lässt es mittlerweile fast nur noch beim Schreiben krachen. Sie ist am liebsten daheim und macht es sich gemütlich mit Rotwein, einem leckeren Essen - und einer schönen Serie!

Wer hier schreibt:

Steffi von Wolff

Kommentare (1)

Kommentare (1)

  • Pauline16
    Pauline16
    Danke schön für dieses Beitrag! Ich kann es auch nicht nachvollziehen, was es an vegan zu meckern gibt…., aber es stimmt schon, das schlechte Gewissen, was Veganer alleine durch ihre Anwesenheit so anticken, ist in jedem drin und da ist schnell das ungute Gefühl dem Veganer zugeschoben. Bei mir war es so, dass wann immer das Thema Massentierhaltung kam, mir klar war, dass es grundsätzlich falsch ist Tiere zu nutzen und zu töten. Ja und irgendwann gab nur noch eine Konsequenz: wenn ich das nicht richtig finde, dann lass ich es! So geschehen und das ist die beste Entscheidung, die ich in meinem Leben getroffen habe.

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