"Warum ich mit dem Mann meiner besten Freundin schlafe"

BRIGITTE.de-Leserin "Frau Müller" genießt eine Vierer-Beziehung mit einem befreundeten Paar. Frei von Eifersucht - dafür mit vielen Höhepunkten.

Liebe zu viert

"Frau Müller" führt ein Kleinstadt-Leben. Mitte 30, verheiratet, zwei Kinder und ein Lehrerjob. In ihrem Blog „Kuckucksei im Lehrerzimmer“ und auf Facebook lässt sie uns an den großen und kleinen Highlights ihres nicht immer alltäglichen Alltags teilhaben.

Eine Freundschaft mit einem kleinen Unterschied

Ich stehe in nichts weiter als Strapsen und Dessous an einem fremden Herd und rühre Parmesan in die Sahnesauce zu den Gnocchis. Der sexy Aufzug war Sarahs Idee. Marco stellt schon mal die Teller raus und öffnet den Wein.

Ich kann verstehen, dass es ihm in dieser Situation schwer fällt, an sich zu halten. Er umfasst von hinten meine Taille und wandert mit den Händen hoch zu meinen Brüsten. Ich drehe mich langsam zu ihm um, und er hält mich fest an den Haaren im Nacken,  während wir uns leidenschaftlich küssen. Dabei pressen wir unsere Körper fest aneinander und ich kann deutlich spüren, wo das Ganze hinführen würde, wenn nicht gerade die Gnocchis zu Matsch zerkochen würden…

Im Wohnzimmer nebenan hat es sich Sarah, Marcos Frau, mit Herrn Müller, den ich seit 15 Jahren über alles liebe, gemütlich gemacht. Ich weiß nicht, was die beiden treiben, ob sie reden, kuscheln oder längst übereinander hergefallen sind. Der Gedanke an Letzteres törnt mich am meisten an.

Jedenfalls ist das Essen fertig. Die einzige Grenze an diesem Abend haben die Gnocchis überschritten – das Ende der Kochzeit. Uns schmeckt es trotzdem. Wir essen gemütlich am Couchtisch vor dem Fernseher, reden, lachen – wie Freunde eben. Da ist nur ein kleiner Unterschied. Wir verabschieden uns nach dem Essen nicht voneinander oder holen die Spielesammlung heraus. Wir kuscheln uns zusammen. Alle vier, am liebsten unter einer Decke.

Lust hoch vier

Aus der Nähe zueinander und den vielen unsichtbaren Händen wird schnell Lust und so lassen wir uns treiben. Mal küsse ich Sarah, dann gesellt sich Herr Müller oder Marco dazu. Überall ist Haut. Ein paar Minuten später versinkt man paarweise ineinander oder in einem großen Knäuel zu viert. Wenn ich auf Marcos Schoß sitze und ich über seiner Schulter Herrn Müller dabei beobachte, wie er Sarah verwöhnt und ich zugleich ihr hemmungsloses Stöhnen höre, multipliziert sich meine eigene Lust. Wir genießen die unendlichen Möglichkeiten – machen uns gegenseitig mit gierigen Blicken an und genießen dabei unseren eigenen geliebten Partner.

Das Ende ist offen und erst nach mehr als vier Orgasmen wird sich entscheiden, auf welcher Brust Frau Müller heute im Nachspiel gedankenverloren die Fingerspitzen kreisen lässt. Vielleicht sogar auf Sarahs? Gut möglich, wenn die Männer noch nicht das allerletzte bisschen Lust aus uns herausgeholt haben. Ich liebe Herrn Müller. Ich liebe ihn für alles, was er ist und tut. Und ich liebe ihn dafür, dass auch er uns solche Momente ermöglicht und die Lust mit mir teilt.

Entscheidend ist die Vertrautheit

Jetzt könnte man meinen: Naja, so ein Vierer ist ja nichts sooo Exklusives. Doch für uns ist jeder Sex zu viert exklusiv. Weil er in Vertrautheit stattfindet. Man weiß, dass es passiert und man weiß auch, dass es sich hinterher so anfühlt wie vorher. Da ist keine Eifersucht, nichts Ungewisses, keine Missgunst.

Die Vertrautheit ermöglicht es, die Lust aufeinander schon vorher zu entfachen, bei der Vorfreude auf ein Date. Einer sagt: „Es ist dringend mal wieder ein Abend in Wohlfühlkleidung nötig" – und JEDER von uns vieren stimmt zu und ist sofort ein bisschen geil. Wenn Sarah kurz vorher Herrn Müller schlüpfrige Nachrichten schreibt, ist niemand eifersüchtig, aber jeder nur noch heißer auf das Treffen.

Wir nehmen das innere Lächeln nach solch einer Vierfach-Ektase sehr gerne mit in den nächsten Tag und lassen die schärfsten Momente noch einmal Revue passieren. Wenn mich eine dieser Nachrichten von Marco am nächsten Tag bei der Arbeit erreicht, fange ich unwillkürlich an zu lächeln.

Ich habe schon oft versucht, für diese Art von Freundschaft eine Definition zu finden. Das sogenannte Freundschafts-Plus, unter desillusionierten Swingern der Heilige Gral, kommt der Sache am nächsten. Auch bei Müllers hat es mit dem Wunsch angefangen, einmal über den sexuellen Ehebett-Rand hinausschauen zu wollen. Nicht weil wir unzufrieden oder gelangweilt waren. Es ging ums Ausprobieren. Wir hatten Lust auf eine zweite Frau. Aber warum nicht gleich ein Paar. Wenn alle in festen Beziehungen leben, ist Stutenbissigkeit vielleicht kein Thema.

Wir wollten Menschen, keine Körper

Nach unseren ersten Schritten in der Swingerszene waren wir irritiert, angefixt und gleichzeitig geerdet. Sex zu viert – das hatte was. Aber die ganze Anonymität, das Ungewisse, die Fluktuation – das alles war nichts für uns. „Ist doch nur Sex!“, dachten wir erst. Mag sein, dass manche Leute diese Trennung hinbekommen und den Sexpartnern nicht so viel Platz in ihrem eigenen Leben einräumen wollen. Wir jedenfalls wollten Menschen, keine Körper.

Am Ende unseres zugegeben auch steinigen Weges lernten wir, dass der beste Sex zu viert nur dann stattfinden kann, wenn die Chemie unter allen Beteiligten auch jenseits von Couch, Bett, Küchentisch oder Dusche stimmt, und der Sex nicht der einzige gemeinsame Nenner ist - sondern die Kirsche auf der Sahne.
Wir verbringen mit Sarah und Marco seit zweieinhalb Jahren einen großen Teil unserer Freizeit, indem wir Dinge tun, die Freunde eben tun – Umzug, Kino, Kochen, Feiern oder einfach nur zusammen sein. Der weitaus geringere Teil unserer Zeit zu viert entfällt aufs wilde Durcheinander mit Happyend.

Was uns immer unterscheidet von normalen Freunden, ist die Vertrautheit. Man sieht sie zum Beispiel in innigen Begrüßungen oder in der Art wie wir beim gemeinsamen Fernsehen auf dem Sofa liegen. All das ist gewachsen aus geteilter Intimität und dem guten Gefühl, jedem alles zu gönnen.

Doch bevor ihr jetzt euren engsten Freundeskreis auf Betttauglichkeit prüft und damit langgewachsene Freundschaften gefährdet – HALT. Dazu würden wir niemandem raten. Uns führte der Wunsch nach Sex zu viert erst zusammen. Was wir fanden, war allerdings viel mehr als das.

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