Warum ich ohne Mann glücklicher bin

Schmetterlinge im Bauch, Beziehung, große Liebe …? BRIGITTE.de-Leserin Karina Sillmann findet, dass das Leben ohne Mann viel mehr Spaß macht.

Karina Sillmann ist Autorin des Buches „Pures Leben: Eine Reise zu Lebensfreude, Mut und Möglichkeiten“. Es enthält 52 Texte – einen für jede Woche des Jahres – und gibt Impulse fürs Leben: mit Begeisterung für das, was möglich ist, neuen Blickwinkeln und Liebe zum Leben.

Als ich noch jünger war, dachte ich, ein Mann gehört zum Leben dazu

Ich stellte es mir bereichernd vor, zu zweit durchs Leben zu gehen und mein Leben mit einem Mann zu teilen. Heute, mit 33, finde ich, dass das Leben ohne Mann schöner ist.

Wie das passiert ist? Ich sammelte Erfahrungen. Mit meinem ersten Freund war ich zwei Jahre zusammen. Enthusiastisch träumte ich von Küssen im Park am  Samstagnachmittag, vom Händchenhalten und vom ersten Sex.

Bekommen habe ich Folgendes: auf den letzten Drücker gecancelte Verabredungen am Samstagnachmittag – weil seine Mama meinte, es wäre schöner, er verbrächte den Nachmittag mit ihr; Abende mit seinen Freunden, an denen ich viele neue Bekanntschaften schloss – aber kaum ein Wort mit meinem Freund wechseln konnte; und wenig Sex, weil er nach besagten Abenden mit seinen Freunden oft zu müde war.

Wie ich das fand? Bescheiden. Ob ich ihm das sagte? Ja. Wie er darauf reagierte? Gar nicht. Trotzdem vergingen zwei Jahre, bis ich mich trennte. Es war ja die erste große Liebe. Und wenn man so jung ist, glaubt man noch, irgendwann würde sich etwas ändern. Meine Freundinnen hatten auch nichts Erbaulicheres zu berichten - was ich erlebte, schien „normal“ zu sein.

Beziehungen Nummer 2 bis 5 waren auch nicht besser als die erste

Was danach kam, war nicht viel besser. Beziehung Nummer 2 hielt nur drei Monate. Verantwortlich dafür waren folgende Szenen: Ein Mann, der an drei Abenden die Woche zum Volleyball-Training musste. Mein einmal die Woche stattfindender Sport-Termin fiel leider nicht auf einen dieser drei Abende. Irgendwann fragte er mich: „Musst du immer am Montag zum Sport gehen? Warum kannst du das nicht auf Dienstag, Donnerstag oder Freitag legen, wenn ich beim Volleyball bin?“

Derselbe Mann saß in seiner Wohnung neben mir auf seiner Couch. Wir wollten eine Pizza essen. Der Küchenwecker klingelte, als es Zeit war, die Pizza aus dem Ofen zu holen. Und der Mann neben mir schaute mich erwartungsvoll an und sagte: „Die Pizza muss aus dem Ofen“.

Meinen dritten Versuch startete ich mit einem Mann, der zwölf Jahre älter war als ich. Das ergab sich so, erschien mir aber gar nicht schlecht: von wegen Reife und Erwachsensein und so.

Ich bin schon immer gerne gereist und mir gefiel die Vorstellung, mir auch mit ihm die Welt anzusehen. Er war der Idee nicht abgeneigt, ließ sich aber ausgiebig bitten und benötigte einige Wochen, um ein für ihn passendes Zeitfenster zu finden, bevor wir schließlich eine Reise planten. Ich wäre gerne nach Sardinien geflogen. Wir waren dann in Kroatien; dort, wo er hinwollte. Warum? Weil ich mürbe war nach dem vierten Gespräch, in dem er mir kein Stück entgegengekommen war, und nach den vorhergehenden Wochen, in denen ich mich abgemüht hatte, ihn überhaupt zu einer Reise zu bewegen.

Auch nach dieser Beziehung gab ich nicht auf. Nicht alle Männer sind so, stimmt’s? Dachte ich, bis ich mich in einem Gespräch folgender Art wiederfand: Mein Freund und ich waren am Sonntag bei einer Grillparty gewesen, die von 12 bis 21 Uhr dauerte. Ich gehöre zu den Menschen, die einen Teil des Tages ihre Ruhe brauchen. Das sagte ich ihm – und schlug vor, beim nächsten Mal könne ja jeder mit seinem eigenen Auto fahren. Dann könnte ich nach vier Stunden gehen und er bleiben, solange er wollte. Seine Antwort? Er könne sich nicht vorstellen, dass die Beziehung so funktioniere, wenn wir nicht zusammen zu einer Grillparty gingen und gleich lange blieben – also so lange, wie er Lust hatte, versteht sich. Ich machte Schluss.

Es liegt noch nicht lange zurück, da lernte ich noch jemanden kennen. Zugewandt, interessiert und aufgeschlossen. Rücksichtsvoll. Mehrere Wochen lang. Dann verkrachte er sich mit seinem Vater, für dessen Firma er arbeitete. Kopflos ging er auf Jobsuche in der ganzen Bundesrepublik. Zeit, mich zu treffen, hatte er von jetzt auf sofort keine mehr. Nachdem ich ihn vier Wochen nicht mehr zu Gesicht bekomme hatte, schrieb ich eine Mail, so würde das mit uns nichts werden. Eine Antwort blieb aus.

Die schönen Momente wiegen die Enttäuschungen nicht auf

Klar, man erlebt mit Männern auch schöne Dinge. Man ist nicht mit jemandem zusammen, mit dem es nur ätzend ist. Auch ich nicht. Auch ich habe im Schatzkästchen meiner Erinnerungen tolle Momente – mit eben diesen Männern, von denen ich euch erzählt habe.

Aber reicht das? Genügen ein paar „magische Augenblicke“, um den bescheidenen Rest auszugleichen? Der eine Abend mit meinem ersten Freund, an dem er sturmfreie Bude hatte und wir im Wohnzimmer seiner Eltern auf dem Sofa saßen, „Fields of Gold“ von Sting hörten und uns tief in die Augen sahen – damit er am darauffolgenden Samstag den Nachmittag wieder mit seiner Mutter verbrachte? Dass Mann Nummer 2 mir seinen Kühlschrank mit „Brown Sugar“ vollpackte, weil er wusste, dass ich das gerne trinke – um dann zu erwarten, dass ich das Essen aus dem Ofen hole? Dass wir in Kroatien eine schöne Woche hatten – auch wenn ich mir lieber Sardinien angesehen hätte?

Das Problem mit Männern ist doch, dass sie es gewohnt sind, ihr Ding durchzuziehen – egal, ob mit oder ohne Beziehung. Und dass wir Frauen uns oft dazu verleiten lassen oder dem Druck erliegen, uns anzupassen.

Deshalb finde ich das Leben ohne Mann schöner: weil es keine Anpassung erfordert und ich mich nicht selbst aufgeben muss. Ich kann die Dinge verwirklichen, von denen ich träume. Ich kann zum Sport gehen, ohne dass sich jemand über den Termin beschwert. Ich kann an die Orte reisen, die ich sehen will. Ich kann von einer Grillparty nach Hause gehen, wann ich möchte. Mein Leben hat Kontinuität, weil niemand ein paar Wochen lang hindurchfegt, um sich dann einen Job am anderen Ende des Landes zu suchen.

Das ist für mich das größere Glück als der eine magische Moment, der zusammen mit meiner Freiheit verpufft.

Warum ich ohne Mann glücklicher bin

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