Weg mit der Frauenquote, her mit gerechter Bezahlung!

BRIGITTE.de-Leserin Manuela Nikui hat genug von der Diskussion um die Frauenquote - und fordert ganz andere Lösungen.

Manuela Nikui ist Texterin, PR-Beraterin und Netzwerkerin aus Leidenschaft. 51 Jahre jung, glücklich verheiratet und stolze Besitzerin einer amerikanischen Collie-Hündin, die sie manchmal an ihre Grenzen bringt. Sie träumt davon, einen Bestseller zu schreiben. Weitere Infos unter https://nikui-textundrat.de.

Wir sind Schlusslicht

Deutsche DAX-Unternehmen sind Schlusslicht, was die Frauenquote angeht. Das sagt die Studie "Schlusslicht Deutschland" der AllBright Stiftung. In den 160 Dax-Unternehmen sind insgesamt 50 Frauen im Vorstand und 636 Männer. Das Bild von Seehofers Führungsmannschaft – ausschließlich Männer – ist sicherlich den meisten auch noch präsent.
Wo sind denn nun die 30 Prozent Frauen, die sogar gesetzlich verankert sind? Es gibt auf jeden Fall genug Frauen, sogar rund 2 Millionen mehr als Männer. Und mit 83,2 Jahren haben sie eine Lebenserwartung, die knapp 5 Jahre über der der Männer liegt.

Frauen, wo seid ihr?

Steht vor den Unternehmen ein Cerberus, der sie nicht reinlässt, oder wollen sie vielleicht gar nicht? Wäre es ihnen vielleicht lieber, für den gleichen Job genauso bezahlt zu werden wie ihre männlichen Kollegen? Möchten sie vielleicht genauso gefördert werden wie Männer, aber in einer Art und Weise, die zu ihnen passt? In einem Unternehmen, in der Wertschätzung genau so dazugehört wie der Kaffee am Morgen? Stichwort Unternehmenskultur.

Für Frauen heißt das aber auch: Kinderbetreuung. Eine familientaugliche Work-Life-Balance. Die Möglichkeit, sich seine Arbeit flexibel einzuteilen oder sich sogar den Job mit einer Kollegin oder einem Kollegen zu teilen. Homeoffice. Und einiges mehr. Dass frau die entsprechende Qualifikation für ihren Job mitbringen muss, ist selbstverständlich.

Liebe Männer, überlegt Euch mal: Frauen managen ein ganzes Familienunternehmen. Frühstück machen, Kind in die Schule oder die Kita bringen (inklusive Brotzeit), abholen, zum Sport fahren, zwischendurch selbst noch arbeiten und abends vielleicht noch Geschäftspartner bewirten. Dass der Haushalt nebenbei auch noch gewuppt wird – klar.

Es ist toll, dass immer mehr Männer jetzt auch ihre Auszeit für die Familie nehmen. In der Zwischenzeit ist es jeder Dritte. Die meisten steigen jedoch nur für zwei, drei Monate aus. Warum nicht länger? Entweder macht der Job zu viel Spaß oder der Gehaltsverlust wäre zu groß, oder die Unternehmenskultur hängt noch zu sehr an den klassischen Rollenklischees – der Chef hat da zu sein. Womit sich der Kreis wieder schließt.  

Also ist es doch einfacher, mal schnell für die Quote zu fördern  - und dann back to business.

Quotenjobs – nein, danke!

Liebe Frauen, wollt ihr solche Jobs wirklich? Seid ihr bereit, euch auf „Quote“ reduzieren zu lassen?

Frauen sind mehr als Quote. Sie sind – das beweisen sogar Studien – empathischer, innovationsfreudiger und teamorientierter als Männer. Sie sind die besseren Chefs. Frauen und Männer gemeinsam im Team sind unschlagbar.

Das Schlimme in meinen Augen ist: Frauen steigen voll auf die Quotendiskussion ein! In Island müssen Frauen und Männer sogar per Gesetz seit Januar 2018 gleich bezahlt werden. Macht es da nicht mehr Sinn, sich dafür einzusetzen, dass auch bei uns ein solches Gesetz eingebracht wird?

In Deutschland ist es seit Januar erlaubt nachzufragen, „wie viel einer Gruppe von Mitarbeitern mit ähnlichen Tätigkeiten im Mittel gezahlt wird“. Das steht im neuen Entgelttransparenzgesetz und gilt für Betriebe ab 200 Mitarbeiter. Kaum jemand fragt nach, weil die meisten das Gesetz gar nicht kennen oder sie sich nicht trauen, aus Angst Ärger zu bekommen.

Und was bringt es zu wissen, wie viel weniger man verdient? Unzufriedenheit, unterdrückter Ärger, Neid, wenn das Thema nicht adressiert wird und sich nichts ändert. Andererseits ist dieser Anspruch auf Transparenz ein erster Schritt auf dem Weg zu gerechter Bezahlung für Mann und Frau.

Der Ausweg aus dem Dilemma

  1. Gleiche Bezahlung für gleiche Leistung. Das gilt sowohl für Freiberufler als auch für Festangestellte. Das Entgelttransparenzgesetz ist ein ganz kleiner Schritt in die richtige Richtung. Lasst uns diesen Weg doch weitergehen und eine gerechte Bezahlung einführen.
  2. Weg mit der Frauenquote, dafür Punkt 1. Frauen wollen vielleicht gar nicht in Führungspositionen, sondern sind bei ihrer Familie oder ihren aktuellen Jobs glücklicher. Unternehmen brauchen keine Frauen zu befördern, die nicht in die Führungsposition passen oder mit ihr nicht glücklich werden. Und Frauen brauchen sich nicht zu irgendwas „überreden“ lassen, was sie eigentlich gar nicht wollen.
  3. Schluss mit Frauen, die glauben, nur als Schönheitscoach selbstständig sein zu können. Traut euch doch endlich, eure Fähigkeiten zu zeigen. Frauen, wir sind toll, intelligent, charmant, Organisationsgenies, sozial kompetent, team- und multitaskingfähig und zudem noch blitzgescheit. Also, wenn ihr Lust auf Führungspositionen habt – zeigt es! Liefert am besten gleich konstruktive Lösungen mit, wie sich Themen wie Kinderbetreuung etc. regeln lassen. 
  4. Frauen, seid mutig und gründet. Es gibt viele tolle Beispiele von Gründerinnen wie Tijen Onaran. Scheitern ist nicht schön, das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber Scheitern macht glücklich! Aus meinen Misserfolgen habe ich am meisten gelernt. Und heute geht’s mir gut.
  5. Frauen, bleibt authentisch! Steckt euch nicht in Männeranzüge und kehrt nicht eure männlichen Seiten raus. Das.haben.Frauen.nicht.nötig. Das macht euch nur unglücklich und unsicher und geht irgendwann auch an eure Substanz. Bleibt ihr selbst. Zeigt eure Persönlichkeit. Dann findet ihr viel eher Gehör, wenn ihr eine gerechte Bezahlung fordert.


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