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The Lodge: Etwas zu leiser Horror-Schocker vom Regie-Duo aus Österreich

"Draußen lauert das Unbekannte" - Riley Keough als Grace in "The Lodge"
"Draußen lauert das Unbekannte" - Riley Keough als Grace in "The Lodge"
© SquareOne Entertainment
"Bereue deine Sünden" - die christlich-konservative Aufforderung wird zum enervierenden Mantra im Horror-Thriller "The Lodge".

Die Vorzeichen für "The Lodge" auf einen gelungenen Horror-Thriller stehen gut: Mit den Österreichern Veronika Franz (55) und Severin Fiala (35) besitzt der Film ein fähiges Regie-Duo, das mit seinem international gefeierten Debüt "Ich seh, Ich seh" von 2014 einen ungewöhnlichen Schocker ablieferte. Dazu gibt es eine klare Handlung, die trotz Kompaktheit unvorhersehbar wirkt. Und einen spannenden, dem Genre zumutbaren Cast, darunter den gefragten Jungstar Jaeden Martell (17, "Es", "The Book of Henry") und Alicia Silverstone (43, "The Killing of a Sacred Deer").

Die bringt sich allerdings gleich zu Beginn des Films um, nachdem sie erfährt, dass sich ihr Mann Richard (Richard Armitage, 48, "Der Hobbit"-Trilogie) von ihr scheiden lassen und seine jüngere Freundin Grace (Riley Keough, 30, "It Comes At Night") heiraten will. Laura (Alicia Silverstone) erschießt sich ganz plötzlich am Esstisch, vermutlich litt sie unter Psychosen. Wegen ihrer Kinder Aiden (Jaeden Martell) und Mia (Lia McHugh) hat sie dadurch - nicht ganz glaubhaft, aber für die Story notwendig - keinen inneren Konflikt.

Vermeintlich Idyllische Abgeschiedenheit in den Bergen

Sechs Monate später hat sich die Situation nicht grundlegend verbessert, Mia und vor allem Aiden misstrauen der sonderbaren Neuen ihres Vaters und geben Grace die Schuld am Tod ihrer Mutter. An einem Abend entdecken die beiden ein Video auf dem PC ihres Vaters. Darin erfahren sie, dass Grace Mitglied einer Art obskuren religiösen Sekte war, bei der sich alle Mitglieder selbst töteten. Als Tochter des Sektenführers hat sie als einzige überlebt - Richard lernte Grace offenbar durch eine Story über den Kult kennen. Gegen ihre Traumata schluckt sie Pillen.

Um die beiden Parteien zusammen zu bringen, fährt Richard mit Grace und seinen Kindern über die Weihnachtstage in eine abgelegene Hütte in den Bergen. Richard selbst muss arbeitsbedingt nochmal zurück in die Stadt, und so müssen die übrigen drei die Zeit miteinander in der Hütte verbringen, während draußen leise der Schnee rieselt. Damit greift "The Lodge" auf ein gewohntes, durchgekautes Setting zurück: Eine verschneite Berghütte im Wald, Abgeschiedenheit, konträre Protagonisten eingepfercht auf engstem Raum - das kennt man zu Genüge. Zwar spielt der Film relativ wenig im Dunkeln, ein verstörender Bild-Kontrast wie in Ari Asters (33) "Midsommar" (2019) entsteht dadurch aber keinesfalls.

Was stimmt eigentlich nicht mit Grace?

Gedreht ist der Film im unverwechselbaren Stil von Regisseur Yorgos Lanthimos (46, "Dogtooth", "The Lobster,) - kein Wunder, dessen Stamm-Kameramann Thimios Bakatakis (50) arbeitet auch hier mit verschobenen Decken-Perspektiven und ungewöhnlichen Winkeleinstellungen, was für den Zuschauer eine beklemmende Atmosphäre zur Folge hat. Zu plakativ sind hingegen die immer wiederkehrenden religiösen Motive wie das Madonnen-Bild und Kruzifix, die von den durch die Holzhütte hallenden Mantren "Tu Buße" und "Bereue deine Sünden" begleitet werden. Diese Aufforderungen sprechen scheinbar zu Grace aus ihrer Vergangenheit, was für sie qualvoller ist, als sie anfangs zugeben will. Doch was genau ist ihr Problem, vor was fürchtet sich die Frau?

Im Laufe der Story treten vermehrt unerklärliche Phänomene auf, die sehr lange nicht aufzudecken sind. Zuerst funktioniert die Heizung im Haus nicht mehr, anschließend fällt die Elektrizität aus und dann verschwinden auch noch die Essensvorräte, Weihnachtsgeschenke und Graces Medikamente. Die wird immer mehr von Wahnvorstellungen geplagt, deren Ursache (noch) nicht zu erschließen ist. Wird sie von den Dämonen der Sekte heimgesucht, haben die Kinder sie verhext oder ist es der Geist der toten Mutter?

Die Strategie ist ähnlich zu der aus dem Horror-Hit "Hereditary - Das Vermächtnis" (2018). Die Filmemacher lancieren hier für das Publikum eine undurchsichtige Rollenverteilung. Wer hat hier vor wem Angst und wer oder was ist überhaupt böse? Franz und Fiala legen gekonnt falsche Fährten, übertreiben damit aber. Dadurch ergibt sich keine steigende Spannungskurve - es sind mehr aneinandergereihte, abgehackte Ereignisse, die zwar den Zuschauer verwirren, in ihrer Vorgehensweise aber nicht wirklich stringent und dadurch unwirksam erscheinen. Gerade das oft verwendete Genre-Sujet des Okkultismus wirkt hier auf Dauer ermüdend.

Dadurch glückt letztlich auch der finale Twist nicht, obwohl der Schluss emotional durchaus greift - insofern man ihn nicht schon erahnen konnte.

Fazit

Mit ihrem zweiten Spielfilm "The Lodge" haben sich Veronika Franz und Severin Fiala leider nicht selbst übertroffen. Der Horror-Thriller hat einen überzeugenden Cast, seine Figuren sind jedoch nicht ausgearbeitet. Die Geschichte hält mit seinen Finten lange dicht, stört sich dadurch aber selbst in seiner Spannung und Logik. Die vielen unbeantworteten Fragen haben zu viele Fragezeichen. "The Lodge" ist ein leiser, unaufgeregter, aber auch zäher Schocker, der den Zuschauer zu lange an der Nase herumführen will.

SpotOnNews

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