Fragwürdiger Erziehungsstil Was "Jiwa-Eltern" von ihren Kindern verlangen

Traurig aussehendes Mädchen
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Mit der Hoffnung, ihren Nachwuchs zu pushen – bessere Bildung gleich besseres Leben – verlieren sich "Jiwa-Eltern" im Wettstreit, der schnell zur gesundheitlichen Belastung wird. China versucht nun mit Verboten dem Debakel ein Ende zu setzen. 

"Jiwa Parenting", oder umgangssprachlich auch "Chicken Parenting" genannt, beschreibt eine hauptsächlich in China ausgelebte Erziehungskultur, in der sich Eltern obsessiv in das Leben ihrer Kinder einmischen, um möglichst viel Potenzial aus diesen herauszuholen. Früher wurde der Name Jiwa für eine Therapieform benutzt, bei der man Kindern Hühnerblut injizierte, um sie zum Lernen zu animieren. Diese Therapieform ist mittlerweile verboten. Die Anreize sind geblieben. Jiwa-Eltern sind beinahe davon besessen, in der Erziehung ihrer Kinder alles richtig zu machen, insbesondere im Hinblick auf Bildungsfragen. Sogar Kleinkinder werden hier schon in MBA-Vorbereitungskurse eingeschrieben. 

Jiwa-Eltern: Woher kommt dieser Druck? 

Die Kinder gehen oft nicht vor Mitternacht ins Bett. Zwischen Schule, privatem Nachhilfeunterricht, Musikunterricht und vielem mehr bleibt keine Zeit mehr, einfach Kind zu sein. Der Druck, der sowohl auf den Schultern der Kinder, als auch auf denen der Eltern lastet, ist groß. Auszubrechen ist nur schwer möglich, denn der Konkurrenzkampf im Streben nach Bildung und der damit einhergehenden Hoffnung auf ein erfülltes Leben ist unerbittlich. Ein Wettbewerb, der auf Dauer der Gesundheit der Kinder schaden kann und die Familien in finanzielle Schwierigkeiten treibt. Im Schnitt geben Jiwa-Eltern 25 bis 50 Prozent ihres Einkommens für ergänzende Bildung aus, größtenteils für privaten Nachhilfeunterricht nach der Schule, der in China zu einem Multi-Milliarden-Dollar-Geschäft aufsteigt. 

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Welche Rolle spielt der Staat?

Die kommunistische Partei, die in China regiert, versucht seit geraumer Zeit diesen Kreislauf zu unterbrechen. Das Ziel: Die Geburtenrate soll wieder steigen. Das ist allerdings nur möglich, wenn Eltern nicht mehr die Notwendigkeit sehen, ihre Ersparnisse in die Bildung der Kinder zu stecken. Jiwa-Eltern können sich kaum mehr als ein Kind leisten, da sie die Ausgaben sonst vermutlich in den Ruin stürzen würden. Durch verschiedene Maßnahmen, wie dem Verbot von Hausaufgaben, Einschränkung von Online-Nachhilfeunterricht und der Schaffung von Ausbildungsplätzen versucht der Staat Abhilfe geschaffen werden. Es bleibt dennoch fraglich, ob die Einschränkungen hilfreich sind. Denn solange Konkurrenz existiert, bleibt die Angst der Eltern bestehen, ihre Kinder könnten den Anschluss verpassen.

Quellen: psychologytoday.com

Brigitte

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