„Zwischen den Jahren“ Was ist das bitte für ein Zustand?

"Zwischen den Jahren", die gängige Bezeichnung für die Zeit nach Weihnachten und vor Neujahr und genau die stößt bei unserer Autorin alle Jahre wieder auf Unverständnis. 

Liebe Mitmenschen, bitte hört damit auf. Es gibt das Jahr 2019 und das Jahr 2020 – irgendwas dazwischen gibt es nicht.

Ich verstehe es ja auch ein bisschen. Die Weihnachtszeit ist vorbei und man verabschiedet sich so langsam von dem aktuellen Jahr. Es wird reflektiert, viel aufgeräumt und vor allem nicht gearbeitet. Das neue Jahr steht bereits in den Startlöchern und alle sinnieren einmal darüber, was sie 2020 besser oder anders machen wollen. Ja, vielleicht ist die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr schon ein bisschen besonders – ich will es gar nicht abstreiten.

Aber wie kommt man bitte auf „zwischen den Jahren“?

Ich kann nicht sagen, warum ich so eine riesige Aversion gegen diese Formulierung habe. Ich weiß nur, dass ich sie schon immer habe. „Wollen wir uns zwischen den Jahren nochmal sehen?“ Bitte, was? Wann soll das sein? Oder besser: Wo soll das sein? In einer weit entfernten Galaxie, in der es weder Raum noch Zeit gibt? Vielleicht bin ich lediglich ein nerviger Korinthenkacker, dessen innere Stimme sagt: Leute, 2019 ist noch nicht vorbei.  Es gibt keine Zeit, die zwischen zwei Jahren liegt. Also bin ich eine Art Neujahrs-Grinch, der auch nach Weihnachten noch schlechte Stimmung verbreiten will. Vielleicht auch, weil es da sonst nicht soviel zu tun gibt – außer etliche Weihnachtskalorien wieder zu verbrennen. Vielleicht ist es auch eine Redakteurskrankheit, die manche Formulierungen kategorisch ablehnt – aus Prinzip.

Endlich mal Zeit haben

Vielleicht finde ich es aber auch einfach falsch, diese besondere Zeit so abzuwerten. Vielleicht gibt’s nämlich nach Weihnachten richtig viel zu tun. Die Zeit ist für viele Menschen sehr bedeutungsvoll. Kein Schwebezustand zwischen irgendwas. Es gibt die Chance, nochmal schnell die Dinge zu erledigen, für die in den letzten Wochen keine Zeit war. Manche Menschen ziehen um, einige verloben sich, manche trennen sich, viele verreisen in die Ferne. Die Menschen haben endlich Zeit, miteinander zu reden, mal länger zu telefonieren. Viele misten aus, wollen weniger Last mit ins neue Jahr nehmen. Und doch noch schnell die Steuererklärung abliefern. Oder sich um die Altersvorsorge kümmern, die man in diesem Jahr unbedingt angehen wollte.

Und dann der Startschuss für Neues

Und erst dann ist man reif für einen Jahreswechsel. Für neue Vorhaben. Pläne. Wünsche. Träume. Ziele. Das alte Jahr verabschieden kann man am 31. Dezember. Bis dahin wird nochmal in die Hände gespuckt. Wann? Genau, auf keinen Fall zwischen den Jahren! Diese Zeit existiert nicht. Sondern direkt nach Weihnachten. Wenn endlich Zeit dafür ist. In diesem Sinne: Einen schönen Jahresendspurt und einen guten Rutsch ins neue Jahr! 

Wer hier schreibt:

Jessica Seiffert