„Das Ideal bin ich selbst!“ – Diese Frauen, lieben ihren Körper tatsächlich mal selbst

Der Hintern zu breit, die Haut zu schlaff – und dann erst die Problemzonen! Wird es Frauen je gelingen, ihren Körper liebevoll zu betrachten? Diese sieben fangen mal an

ICH RETUSCHIERE MEINE FOTOS NIE

Eine Zeit lang hungerte Lou Dellert, 28, Bloggerin, für ihren Instagram-Account. Verrückt, denkt sie heute

Früher habe ich mir nicht so viele Gedanken um meinen Körper gemacht. Das begann erst vor vier Jahren, als ich auf Instagram aktiv wurde. Dort verglich ich mich ständig mit Frauen, die total durchtrainiert aussahen. Um mitzuhalten, habe ich dreimal am Tag Sport gemacht und nur noch Salat gegessen. Ich ging von 55 auf 46 Kilo runter, was aus heutiger Perspektive gar nicht gut aussah. Dann hatte ich eine Herz-OP. Und das hat etwas mit mir gemacht, mir wurde klar, dass ich besser auf mich achten muss. Ich ernähre mich immer noch bewusst, treibe Sport – aber nicht mehr so extrem. Die zehn Kilo habe ich wieder drauf – und bin total entspannt damit. Mir egal, dass mir manche Hose nicht mehr passt. Ich retuschiere auch meine Cellulite nicht. Die Frauen, die mir folgen, reagieren meist sehr positiv auf meine Bilder.

MEIN BAUCH MALT SICH GUT

Tina Leupold, 56, Sozialfachwirtin, posiert seit zehn Jahren als Aktmodell

Ich hatte schon immer eine positive Einstellung zu meinem Körper und habe das wohl auch so ausgestrahlt. Vor zehn Jahren wurde ich in der Sauna angesprochen, ob ich Lust hätte, in Zeichenkursen Modell zu stehen – als Akt. Seitdem stehe ich regelmäßig vor den Teilnehmern von Malkursen, nackt wohlgemerkt. Auch nachdem ich in den letzten Jahren ein bisschen älter geworden bin, ein kleines Bäuchlein bekommen habe und die Haut an manchen Stellen nicht mehr so straff ist, werde ich immer wieder gerne gebucht. Ein Künstler fand, dass ich mit meinem Bauch schön zu zeichnen sei, viel besser als Leute, die zu mager sind. Als ich mit meinem Mann letztens durch die Sauna schlenderte, sagte er zu mir: „Du bist noch immer die Schönste hier.“ Und das nach 33 Ehejahren.

HEUTE MAG ICH MEINEN BUSEN

Als Jugendliche wurde Brunhilde Hertrampf, 57, Assistentin der Geschäftsführung, gemobbt. Bis sie radikal durchgriff

In der Schule wurde ich arg gehänselt: „Da kommt die mit den großen Titten!“ Der Sportunterricht war die Hölle. Meine Oma nähte mir Hosengummis unter die BHs, um sie zu stabilisieren. Trotzdem war der 60-Meter-Lauf eine Qual. Ein Typ ärgerte mich besonders. Doch eines Tages hatten wir ein gemeinsames Fußballspiel. Ich stand im Tor, er rannte auf mich zu – und ich? Riss mein T-Shirt hoch! Er war natürlich geschockt und schoss daneben. Das war mein Triumph. Später habe ich gemerkt, dass viele Männer vollbusige Frauen mögen. Seitdem bin ich total im Reinen mit mir. Wenn ich ein Date habe, setze ich mein Dekolleté bewusst ein und trage transparente Blusen und schicke Wäsche.

RECHTS SILIKON UND LINKS WAS VOM PO

In den letzten zwei Monaten bekam Claudia Steinlein, 52, Speditionskauffrau und Bloggerin, zwei neue Brüste und eine neue Sicht

2016 wurde eine Verkapselung in meiner Brust entdeckt, eine Vorstufe von Krebs. Es folgten drei OPs, in denen immer mehr weggeschnitten wurde, schließlich die ganze Brust. Um sie wieder aufzubauen, entnahm man mir Gewebe aus dem Po. Ich sage immer: Jetzt trage ich meinen Hintern eben auf der Brust. Die andere Seite habe ich mir dann vorbeugend abnehmen lassen, aus Angst, dort könnte sich auch ein Tumor entwickeln. Dort habe ich nun ein Silikonkissen drin. Ich finde beide Seiten ziemlich gut gelungen, fast besser als vorher. In der Rehaklinik war ich eine von 200 Patientinnen. Einige hatten ihre Brüste nach der Amputation nicht wieder aufbauen lassen, weil ihnen die Optik nicht so wichtig ist. Das hat mich sehr beeindruckt, und ich habe erkannt, wie sinnlos es ist, über ein bisschen Speck zu meckern, der über den Hosenbund hängt.

DANKE, JA, ES GEHT MIR GUT

Melanie-Jasmin Jeske, 41, PR-Beraterin, hat immer schon Kommentare zu ihrer Figur bekommen

Schon in meiner Kindheit wurde mir oft gesagt, ich sei pummelig. Ich fand mich deshalb lange nicht schön genug. Geändert hat sich das erst mit der Geburt meines Sohnes, mit Anfang 30. Da wurde mir schlagartig klar, was mein Körper geleistet hat, wie stark er ist, dass er einen anderen Menschen hervorbringen kann. Für mich war das ein Befreiungsschlag! 30 Jahre lang habe ich einem unerreichbaren Ideal hinterhergejagt, Diäten oder exzessiv Sport gemacht. Jetzt akzeptiere ich, dass sich nichts mehr ändern wird. Ich werde nie 1,75 sein oder eine Taille bekommen. Heute finde ich mich schön und fühle mich wohl in meinem Körper, ärgere mich aber über Leute, die selbstverständlich davon ausgehen, dass dicke Frauen unzufrieden sind und abnehmen wollen.

ICH TANZE TROTZDEM WEITER

Vera Urweiler, 31, Journalistin, Schauspielerin, wollte ursprünglich Primaballerina werden

Als Fünfjährige begann ich mit Ballett, später mit rhythmischer Gymnastik. Ich war exakt und musikalisch, doch mein Körper passte nie zu diesem Sport. Mit zwölf hatte ich schon Brüste und einen weiblichen Po. Meine Tanzlehrerin sagte da sehr deutlich, aus mir werde nie eine Primaballerina. Ich probierte, mich dem Ideal zu nähern, weniger zu essen. Doch Dünnsein ist in meiner DNA einfach nicht programmiert. Schließlich schwenkte ich auf eine Profi-Tanzausbildung zu Stepptanz und Jazz, trotz gravierender Hüftverletzung – eine zusätzliche Hürde. Vor zwei Jahren hatte ich auch noch einen Rollerunfall, bei dem ich fast meinen Fuß verlor. Er hat nun Narben, aber ich schätze ihn als wichtigen Teil meines Körpers. Das zeigte mir einmal mehr, dass die Figur nicht maßgebend ist. Ich kann heute wieder tanzen und auf der Bühne stehen. Das ist wichtiger als das Aussehen meines Körpers.

ICH SEHE HEUTE WEIBLICHER AUS

In der Schwangerschaft hatte ich ganze 30 Kilo zugenommen, doch es hat nur ein Jahr gedauert, bis ich die wieder los war. Heute wiege ich sieben Kilo mehr als vorher, mein Bauch ist weicher, meine Hüften sind breiter. Unter der Veränderung habe ich am Anfang schon gelitten, und es hat etwas gedauert, bis ich mich wieder wohlgefühlt habe in meinem Körper. Ich bin mit Ballett und Judo aufgewachsen, später kam Yoga hinzu – als Alleinerziehende fehlt mir heute leider die Zeit für Sport. Ich würde nicht mehr bauchfrei herumrennen, und ich weiß, dass ich jetzt weiblicher aussehe als früher. Doch das ist in meinem Alter auch okay.