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„Du siehst aus wie...“ – Hört auf mit nervigen Vergleichen!

„Du siehst aus wie...“ – Hört auf mit nervigen Vergleichen!
© Enrico Carcasci / Unsplash.com
Der Mensch liebt es, andere in Kategorien zu packen und zu vergleichen. Manchmal ist das ganz charmant, manchmal sehr verletzend. Wir sagen: Mehr Liebe für alle!
von Diana Huth

 

Beim morgendlichen Blick in den Spiegel erschrecken wir oft: „Huch, wer ist denn diese Waschbärfaltenhundhyäne?!“. Erstmal Wasser ins Gesicht, einen Kaffee trinken und dann geht es langsam. Manche Frauen sagen, sie müssen sich immer erst „ein Gesicht malen“ bevor sie sich unter Menschen trauen. So ein Quatsch! Natürlich kann sich schminken wer will, aber doch bitte nicht mit dem Grund, dass man sich sonst nicht raus traut. Das Blöde ist nur, dass manchmal auch unser direktes Umfeld dafür sorgt, dass wir uns unwohl in unserer Haut fühlen. 

 

Manche Frauen werden mit Superstars verglichen. Bei mir reicht’s nur für's Tierreich. „Du siehst aus, als hätte ein Vogel über Nacht ein Nest auf deinem Kopf gebaut“, sagte mein Freund letztens, als ich morgens aus dem Bett krabbelte. Und ja, ich kann den Vergleich durchaus nachvollziehen. Meine Matte ist nämlich jeden morgen so komisch verfilzt und steht in alle Richtungen ab. Kein schöner Anblick. Aber was soll ich machen? Glatze rasieren, ja, das wäre möglich. Dann würde vielleicht mal einer sagen: „Du siehst aus wie Sinéad O’Connor“ oder vielleicht „wie Britney Spears, als sie damals diese komische Phase hatte“. Mmh. Weiß nicht. Ich glaube, ich bleibe doch lieber beim Tierreich.
Frieda, 39

 

„Wow, du siehst aus wie Monica Bellucci?“ In einem direkten Anflug von Selbstunsicherheit über dieses Kompliment, dachte ich sofort, dass ich älter aussehe als ich bin. Sie ist 52, ich 37. In den Ausführungen meines Gegenübers ging es dann aber um Gesichtszüge, die Wangenknochen und vor allem die dunkelbraunen Augen. Tatsächlich höre ich öfter, dass meine Augen sehr schön seien. Monica und ich hätten auch eine ähnliche Sinnlichkeit in unserer Ausstrahlung. Hui, damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Erstmal war ich baff und dann fühlte es sich auch ein bisschen an wie Balsam für meine Seele.
Julia, 37

 

Ich scheine wie eine Mischung aus Maria Furtwängler und Sarah Connor auszusehen. Oder vielleicht nicht wie eine Mischung, sondern an guten Tagen so und an schlechten Tagen so. Nur welcher ist der gute und welcher der schlechte Tag? Attraktiv sind sie ja eigentlich beide, beschweren kann ich mich also nicht wirklich über diese Vergleiche. Die eine Bildungs-Blondine, Ärztin und ARD-Schauspielerin, und die andere war mal mit Marc Terenci verheiratet. Man scheint sich bei mir also auf jeden Fall auf blond, groß, deutsch einigen zu können. Irgendwo auf dem Bildungsniveau zwischen Mainstream Pop und Tatort.
Natascha, 42

 

„Haha wie süß: Du siehst aus wie ein Monchichi.“ Oh ja, wie witzig. Nicht. Ein Monchichi. Wikipedia beschreibt sie als „affenähnliche Puppen“. Na toll, ich sehe also aus wie ein Affe. Die Menschen um mich herum meinen das natürlich nur lieb. „Ist doch süß“ – ja ne, is klar. Ich habe weder einen Schwanz, noch Brusthaare. Gott sei Dank! Ein paar Polen haben mal „Misiu“ zu mir gesagt. Das heißt „Bärchen“. Ok, auch im Sinne von Liebling. Find ich trotzdem befremdlich. Doch das ist alles nichts gegen den Spitznamen, den mein Bruder mir früher gab: Zottel. Also sorry, das war nun wirklich nicht nett. Einer dieser Gründe, warum ich keine langen Haare trage. Wer weiß welche 'Löwenmähne'-ähnlichen Kosenamen meine Matte dann bekommen würde. 
Martha, 45

 

Wir sagen: Du siehst aus wie eine Rockstar-Model-Superheldin!

 

Es gibt gute Tage und schlechte, welche an denen man sich hübsch und andere an denen man sich weniger hübsch fühlt. Das geht allen so. Sagt doch einfach: Du siehst aus wie eine Rockstar-Model-Superheldin! Das kann ja alles heißen: durchfeierte Nacht, heiß, abgefahren und berühmt. Es sind diese kleinen fiesen Negativbewertungen, die das Leben anstrengend machen. Darum sagt euch und euren Liebsten öfter mal was Schönes.


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