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"Ja, verdammt: Ich habe ein Arschgeweih!"

Tattoo am Steißbein: Arschgeweih
© Getty Images
Arschgeweihe sind prollig, billig und ziemlich peinlich. Unsere Autorin hat eines – und sieht das ganz anders! 
von Theresa König

Neulich auf einer Party: „Ich verstehe ja gar nicht, wie man sich ein Tattoo stechen lassen kann.“, sagt mein Gegenüber. „Nee?“, frage ich zurück? „Wieso denn?“. „Das ist doch total 90er!“, erwidert sie ganz entrüstet. „Am schlimmsten sind ja die Frauen mit Arschgeweih.“ „Ja? Wieso denn?“, frage ich weiter. „Das sind doch alles Proletten, voll peinlich. Das waren die, die in der Disko auf den Pollern getanzt haben und bei denen der Stringtanga immer absichtlich aus der Hüftjeans lugte. „Mmmm. Auf so einem Poller habe ich nie getanzt. Ein Arschgeweih habe ich trotzdem“, gebe ich zurück. Darauf folgt betretenes Schweigen.

Arschgeweih: billig und willig?

Arschgeweih, Schlampenstempel: Das Tribal auf dem Lendenbereich hat keinen guten Ruf. Seit Jahren gelten wir Trägerinnen als das Gegenteil von cool. Als prollige Schlampen. Ein bisschen billig. Und sehr willig. Deswegen tun viele ihr Tattoo als Jugendsünde ab. Oder lassen es sich lieber gleich weglasern, um ja nicht den falschen Eindruck zu erwecken.

Mir geht’s da anders. Ich finde es nach mehr als 15 Jahren immer noch schön. Vielleicht weil ich es eher selten sehe. Um einen guten Blick zu erhaschen, muss ich mich vorm Spiegel verrenken. Das mache ich zugegebenermaßen eher selten. Aber wenn ich es doch mal tue, denke ich: „Hey Tattoo, du bist auch noch da!“. Und als nächstes kommen die Erinnerungen an einen sensationellen Sommer, an durchtanzte Nächte, an ein Gefühl von Freiheit, das man nur mit Mitte 20 erlebt, wenn einem alle Optionen offen sind.

Michael Mittermeier und der Hirsch

Peinlich ist mir da nix. Wieso auch? Weil Michael Mittermeier mal in seiner Show Paranoid gesagt hat: „Wenn du eine mit Arschgeweih von hinten poppst, sieht das so aus, als ob dir ein Hirsch einen bläst.“ Da kann man doch drüber lachen! Habe ich damals übrigens auch.

„Wenn du mal alt und knitterig bist, sieht das doch bestimmt total beknackt aus!“, hat eine gute Freundin vor Jahren dazu gesagt, so wie gute Freunde das eben so tun. Ich bin mir sicher, wenn ich alt und knitterig bin, werde ich mit einem faltigen Tattoo sehr gut leben können. Vielleicht freue ich mich dann noch mehr drüber und denke: „Ich war auch mal verwegen. Habe mir keine Gedanken über mögliche Infektionen, die Meinung der anderen, Rente oder das Altwerden gemacht.“ Ist doch per se ein ganz guter Anfang.

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