"Oh, hallo Hillary" – Bitte nimm den Föhn da weg!

Unsere Autorin über diesen Schockmoment, wenn man am Ende eines Friseurbesuchs in den Spiegel schaut.

von Theresa König

Meine Friseurin und ich, wir kennen uns schon lange. Seit sie vor fünf Jahren ihren Salon in meiner Straße aufgemacht hat, gehe ich zu ihr. Sie weiß, wie ich meinen Scheitel trage, dass ich am Hinterkopf komische Wirbel habe und morgens immer zu spät dran bin und deswegen keine Zeit habe, Ewigkeiten an meinem Schopf rumzuzotteln, nur damit die Matte sitzt. Ich mag, wie sie schneidet und dass sie immer klare Worte findet, wenn ich mit irgendeiner irrsinnigen Idee in ihren Laden komme. Eigentlich könnte man also sagen: Wir verstehen uns. Sogar ziemlich gut.

"Hallo, Hillary!"

Und trotzdem gibt es da jedes Mal diesen Schockmoment, wenn ich das finale Ergebnis im Spiegel sehe. „Das bin doch nicht ich?“, denke ich dann. „Wer hat da diese Frau hingesetzt, die aussieht wie die jüngere Schwester von Hillary Clinton?“ Es ist nämlich so: Wenn meine Friseurin mit dem Schneiden fertig ist, greift sie zu ihrer eigentlichen Wunderwaffe – dem Föhn. Mit dem kann sie Sachen tricksen, die selbst David Copperfield vor Neid erblassen lassen würden. Sie kann aus einer Handvoll Flusen eine wilde Mähne machen. Rein objektiv betrachtet, sieht das auch bestimmt ganz gut aus. Und ihr Talent ist wirklich verblüffend. Aber ich kann so gar nichts damit anfangen. Am liebsten würde ich mir einen Eimer Wasser über den Kopf kippen, sobald ich aus der Tür bin, damit die Haare wieder an mir runterhängen, so wie sonst auch. Ein bisschen mehr ich eben. 

Die Adams Family lässt grüßen

Letztes Mal habe ich ihr also gesagt, dass ich die Föhnfrisur an mir komisch finde. „Das kann ich gut verstehen“, hat sie geantwortet und statt des Föhns ein Glätteisen aus der Schublade gezogen. Zaubern kann sie damit nämlich auch. Und wie. So sah ich am Ende nicht aus wie Hilarys kleine Schwester, sondern wie die kleine Tochter der Adams Family, nur mit blonden Haaren. Ich kann noch nicht sagen, was ich schlimmer finde.