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"Reich mir das Bartöl, Baby!" – Wie viel Männerpflege ist zu viel?

"Reich mir das Bartöl, Baby!" – Wie viel Männerpflege ist zu viel?
© Getty
Potenter Duft, zarte Berührung, umwerfender Look – Männerpflege war noch nie so selbstverständlich wie heute. Doch wie viel Pflege ist eigentlich zu viel? Unser Autor hat dazu eine ganz klare Meinung.
von Karl Armbruster

Männer, Männer – wir müssen dringend mal reden. Über die Jahrhunderte ist ja einiges passiert. Wir haben uns quasi von blutüberströmten, zottelhaarigen Haudegen zu virtuos frisierten Flamingos entwickelt. Wer heute nicht auf sein Äußeres achtet, findet weder Job, noch Frau, noch Glückseligkeit. Also: Garantiert nichts.

Eigentlich ist diese Entwicklung ja nicht schlecht. Körperpflege ist wichtig und gesund – und unsere Mitmenschen mögen uns auch viel lieber, wenn wir anstatt nach Schweiß nach "Bleu De Chanel" riechen. Doch jetzt mal unter Jungs: Langsam geht es zu weit! Überlässt das Diva-Gehabe doch Christiano Ronaldo.

1. Die Haare schön

Ihr dürft die Haare tragen, wie ihr wollt. Ehrlich. Sogar Männer-Dutts find ich nach zweijährigem Augenrollen mittlerweile passabel. Doch lasst bitte die delikaten Turmfrisuren sein. Besonders der neuste Trend – Zöpfe! – gehört ganz schnell durch den Wandschrank nach Narnia verbannt. 

Auch gehören bei euch genau zwei Flaschen in die Dusche: 1x Duschgel (bitte nicht von Axe) und 1x Shampoo. Das darf auch gut riechen und extra Glanz machen und so. Aber wenn ihr pro Monat mehr Geld für Conditioner, Spülung oder Toner ausgebt als für Bier, dann sitzt ihr bereits im Schnellzug ins Tal der Prinzessinnen.

2. Beim (Schnurr-)Barte des Propheten

Gewisse Leute sagen ja, Bärte und Schnäuzer sind bereits wieder out. Seh' ich nicht so, ich find die ganz gut und schätze auch das Ziegenbärtchen meines Postboten Mario. Aber bitte: Lasst doch die Gesichtsakrobatik sein!

Solange ihr keine Magier oder Salvador Dalís seid, gehören da weder Knoten noch Flechten in die Gesichtsbehaarung. Und die Schnurrbart-Enden sollten auch nicht so lang und so gezwirbelt sein, dass sie auf ewig im Kaffee schwimmen. Glaubt mir, niemand interessiert es, wie lange ihr am Abend den Lockenwickler eurer Freundin zweckentfremdet.

Was den Bart betrifft: Durchaus darf man den vor dem Austrocknen bewahren – da sind ja Essensreste drin, die bewässert werden wollen. Aber wenn ihr euch so viel Bartöl in den Gesichtsrasen streicht, dass ihr nachher wie ein Aal glänzt, dann seid ihr zwanzig Seemeilen am sexy Kapitäns-Look vorbei gesegelt.

3. Von "Guy-liner" bis "Manniküre"

Zweifellos sind Haare, ob auf dem Kopf oder um den Mund, die Hauptbaustelle eines jeden Männerkörpers – zumindest in den guten, alten Zeiten. Doch mittlerweile habt ihr klammheimlich das Schmink- und Pflegeverhalten eurer Freundin beobachtet, analysiert und ganz, ganz tief verinnerlicht.

Das Resultat: "Guy-liner" verschnörkelte Augenbrauen, mit denen ihr glatt als Prince oder Boy George durchgehen würdet. Glattgewachste Beine und Heldenbrust, als wäret ihr eben direkt aus dem Mutterleib gekrochen. Und eine Hautfarbe, die aufgrund des Jahresabos im Solarium von leicht gebräunt längst zu Mahagoni transzendiert ist.

Also, liebe Mitmänner, baut bei der Pflege mal ein paar PS aus. Die Grundregel heißt: Ihr sollt gepflegt daherkommen, aber garantiert nicht als der Typ, der stundenlang vor dem Spiegel herumbastelt. So mögen wir uns doch selbst auch am liebsten. Und die Vogue eurer Freundinnen dürft ihr trotzdem noch lesen. Aber vielleicht lieber heimlich unter der Bettdecke.


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