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"Riech mal, wie geil ich bin!" – Was sein Parfüm über den Mann sagt

"Riech mal, wie geil ich bin!" – Was sein Parfüm über den Mann sagt
© Getty Images
Holzfäller, Rosenkavalier, James Bond. Männer wären ja gern richtige Macker. Das erkennt man nicht zuletzt an ihrem Parfüm. Eine Typologie.
von Carl Armbruster

Er liegt auf einem Fels. Kühles Meerwasser spritzt ihm auf die muskulöse Brust. Die raue Klippe sagt: Ich bin selbstsicher, ich steh im Leben. Das weite, blaue Meer sagt: Ich bin Freiheit, ich kenne keine Grenzen. Die grelle Sonne auf seinem Gesicht sagt: Ich bin taff, keine Situation ist mir zu heiß. Und dieses Gefühl gibt's als Duft in der Flasche.

Dann steht Johnny Normalo wieder mitten im Leben. An der Bushaltestelle irgendwo in Niedersachsen, bei minus 5 Grad. Die Plakat-Werbung für den neusten Herrenduft ist den Aldi-Wochenhits gewichen. Dosenhering für fünfzig Cent, auch nicht übel. Johnny friert ein wenig am Bierbauch. Für einen Moment aber war er ein Traumtyp. Ein Adonis an der griechischen Küste. Ein Frauenschwarm unter mediterranem Himmel.

Riecht wie ein Bentley, fährt aber Skoda

Duft ist nicht nur Duft. So mancher Mann kennt das Gefühl: Mit dem Parfüm verwandelt er sich quasi in einen Helden, wird unwiderstehlich wie ein Diamant, selbstsicher wie ein weißer Hai und sexy wie George Clooney beim Kaffee machen. Alpha-Männchen halt.

Aber Achtung, die Vorgänge im männlichen Gehirn sind hier noch viel komplexer! Die Duftwahl ist nämlich ein tiefenpsychologisch Prozess und sagt etwas darüber aus, wer er gern wäre. Ob bärtig-wild oder geschniegelt-glatt, hier eine Typologie der Männerdüfte.

DER ABENTEURER

Was er sein will:

Der Beach-Boy, der muskulöse Yoga-Lehrer, der Jetski-Extremsportler, Jacques Cousteaus schöner Tauchersohn, der Heli-Snowborder, der Gipfelbezwinger, der Wasserfall-Duscher, Leonardo DiCaprio in "The Wolf of Wall Street"

Was es über ihn aussagt:

Er liebt Abenteuer, die den Adrenalin-Kick geben. Er liebt die Freiheit der Meere und Gewässer dieser Welt. Kühler Morgenwind im Gesicht. Hauptsache frisch und sportlich. Fährt am liebsten Rennwagen. Und Cabrio natürlich.

Danach duftet er: 

Zypresse, Basilikum, Spearmint, Pfeffer, Eukalyptus, Lemongrass, Limette, Mandarine, Clementine, Grapefruit – eigentlich alle Zitrusfrüchte –

Düfte:

"Invictus Intense" von Paco Rabanne, "Eternity for Men Summer" von Calvin Klein, "Atlantique pour Homme" von Bulgari

DER URIGE

Was er sein will:

Der kanadische Holzfäller, der Urwald-Überlebende, der nachdenkliche Herbst-Spaziergänger, der Whisky trinkende Bücherwurm, der Mondanbeter, der Pseudo-Kommissar, Leonardo DiCaprio in "The Revenant"

Was es über ihn aussagt:

Der Holztyp liebt das Schwere, Nachdenkliche. Wie den Tannenwald. Er ist ein Genießer, mag aber kein Kommerz – er trinkt Laphroaig, kein Glenfiddich. Liebt schwarze Schokolade und skandinavische Krimis. Hört lieber andern mit 90 prozentiger Wahrscheinlichkeit einen Bart.

Danach duftet er:

Moschus, Wintergrün, Zedernblätter, Harz – halt alles aus der Waldgegend – Kardamom, Balsamterpentin, Wacholder, Salbei, Birkenrinde.

Düfte:

 "Uomo" von Valentino, "The Scent" von Hugo Boss, "Sauvage" von Dior

DER ROMANTISCHE

Was er sein will:

Der französische Winzer, der metrosexuelle Gentleman, der schöne Schwiegersohn, Florian Silbereisen beim Schlager singen, der poetische Ritter, der Liebesfilm-Kenner, der Hobbykoch, der Heimgärtner, Leonardo DiCaprio in "Der Mann in der eisernen Maske"

Was es über ihn aussagt:

Er ist der romantische Typ, bodenständig und verträumt. Hat wenige Ecken und Kanten, passt in jede Runde wie die Soya-Milch in seinen Decaf. Liebt Sonntage im Park und die Umwelt. Wäre aber gern ein Ritter. Will von sich aus auf den Weihnachtsmarkt.

Danach duftet er:

Rosenholz, Vanille, Kamille, Honig, Jasmin, Tuberose, Amber, Maiglöckchen, Tulpen, Lavendel, süsse Orange, Mimose, Kräuter der Provence – genau, wie die Kräuter in der Salatsauce.

Düfte: 

"Acqua di Parma Colonia" von Acqua di Parma, "Declaration d'un Soir" von Cartier, "Grey Vetiver" von Tom Ford

DER MONDÄNE

Was er sein will:

Der Weit-Gereiste, der Indiana Jones im Freundeskreis, der mysteriöse Fremde, der mit den Accessoires aus aller Welt, der Elfenbein-Millionär, der Stephen King, der unberechenbare Junggeselle, der Jaguar, der, der den Tod gesehen hat, Leonardo DiCaprio in "The Great Gatsby"

Was es über ihn aussagt:

Er verkörpert heterosexuelle Extravaganz und wirkt leicht wahnsinnig. Er hat alles gesehen, ist Mann von Welt. Niemand weiss genau, womit er sein Geld verdient. Irgendwo liegt immer ein historischer Roman. "Basiert auf einer wahren Geschichte"-Filmliebhaber.

Danach duftet er: 

Ingwer, Nelke, Chili, Kokosnuss, Weihrauch, Patchouli, Sandelholz, Leder, Tabak, Zimt – und alle anderen Gewürze, die man sonst in Form von dreieckigen Haufen auf dem Bazaar antrifft.

Düfte: 

"Spicebomb" von Viktor & Rolf, "Habit Rouge" von Guerlain for Men, "Egoiste" von Chanel

DER GEHEIMNISVOLLE

Was er sein will:

Der verbotene Liebhaber, der Sohn von Hans Klok und David Copperfield, der Schattenmann, der Absinth unter Männern, der Orgasmus-Auslöser, der Magier, Leonardo DiCaprio in "Shutter Island"  

Was es über ihn aussagt:

Er ist die Selbstsicherheit in Person. Er geht alleine in Michelin-Restaurants und leert eine Flasche Wein. Mag weder Hunde noch Katzen, nur Frauen. Spricht ungern über sich selbst. Augen wie schwarze Löcher. Heisst irgendwie komisch wie Gideon, Castor oder Balz.

Danach duftet er:

Sinnliche Parfüme zeichnen sich meist durch eine Mischung zwei der oben genannten "Typen" aus. Das sinnlich-überraschende kommt dann daher, dass da einzelne Noten ausscheren. Ja, selbstverständlich kann das in die Hosen gehen.

Düfte: 

"L'Homme Intense" von Prada, "Black Afgano" von Nasomatto, "Dark Saphir" von Agonist


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