VG-Wort Pixel

Auf der Suche nach dem Ursprung des Körperhasses

Auf der Suche nach dem Ursprung des Körperhasses
© PR
Stell dir vor, wir würden keinem Schönheitsideal entsprechen und fänden uns trotzdem alle schön. Alle würden sich und ihren Körper so annehmen, wie sie sind und „einfach“ glücklich sein. Genau das ist die Botschaft die Taryn Brumfitt in ihrer Dokumentation „Embrace“ vermitteln möchte. 
von Diana Huth

Klingt nur leider utopisch, wenn man sich die Statistiken anschaut:

  • 91 Prozent aller deutschen Frauen sind mit ihrem Körper unzufrieden.
  • 45 Prozent aller Frauen mit gesundem Gewicht denken, sie wären übergewichtig.
  • In den USA werden jedes Jahr vier Millionen Schönheits-OPs durchgeführt.

Warum hassen Frauen ihren Körper? Eine Frage, die sich die Australierin stellt, nachdem sie drei Kinder geboren hatte und sich anschließend einem rigiden Körpertraining unterwarf. Am Ende war sie nur eins: verdammt unglücklich. Ein Instagram-Post, den sie absetzte, war die Initial-Zündung: Damit es ihrer Tochter einmal anders gehen würde, machte sie sich auf den Weg rund um den Globus, auf der Suche nach dem Ursprung ihres Körperhasses. Mittlerweile ist ein Film und eine ganze Bewegung entstanden.

BARBARA Redaktion

Nach der Geburt deines dritten Kindes wurdest du Fitnessmodel um dich schöner zu fühlen. Du hattest den „perfekten Körper“ und warst trotzdem nicht glücklicher. Dann kam die Entscheidung, dich und deinen Körper so anzunehmen wie er ist, gern auch mit ein paar Kilos mehr. Gab es einen konkreten Auslöser für den Wendepunkt?

Taryn Brumfitt

Als Fitnessmodel auf der Wettkampf-Bühne dachte ich mir: „Den perfekten Körper zu haben, braucht zu viel Zeit, Hingabe, Verzicht und Energie.“ Mit diesem Gefühl wuchs der Wunsch nach einem ausgeglichenen Leben. Ich wollte nicht nur körperlich gesund sein, sondern auch spirituell und emotional.

BARBARA Redaktion

Wie war es, als du das „Vorher-Nacher“ Bild das erste Mal gepostet hast?

Taryn Brumfitt

Ich postete einfach das umgedrehte „Vorher-Nacher“-Bild um Freunde, die Probleme mit ihrem Körperbild hatten, zu ermutigen. Ich hätte niemals gedacht, dass es so viral gehen würde! Das Foto wurde mittlerweile von über 100 Millionen Menschen weltweit gesehen - verrückt, oder?

BARBARA Redaktion

Warum hast du deine Geschichte öffentlich gemacht?

Taryn Brumfitt

Der Wunsch, anderen zu helfen ist der Motor für jede Entscheidung, die ich treffe.

BARBARA Redaktion

Warum ziehen so viele Frauen in den Krieg gegen ihren eigenen Körper?

Taryn Brumfitt

Es gibt so viele toxische Botschaften für Frauen – und auch Männer – die besagen, dass wir anders sein sollen, als wir sind: 'Mach was gegen die Falten in deinem Gesicht und gegen deine Orangenhaut, verliere möglichst schnell dein Schwangerschaftsgewicht' – diese Botschaften sind allgegenwärtig. Auf Plakaten, im Fernsehen und in Zeitschriften, überall heisst es sehr deutlich: 'Wenn du nicht heiß und sexy bist, bist du irrelevant.' Der Mangel an Vielfalt bezüglich Körperformen und -größen fördert negative Körperbilder zusätzlich, weil wir uns fragen: 'Warum kann ich nicht so aussehen?' – 'Warum bin ich nicht so dünn?' – 'Warum sehe ich im Bikini nicht so aus wie sie?'

BARBARA Redaktion

„Embrace“ dreht sich hauptsächlich ums Gewicht. Was ist mit anderen Schönheitsthemen wie Falten, graue Haare, Make-Up, Styling und körperlichen Beeinträchtigungen?

Taryn Brumfitt

All diese Themen sind wichtig in der Körperbild-Diskussion. Leider konnten wir in 90 Minuten nur einen Teil davon unterbringen. Tatsächlich würde ich mehr als 90 Stunden füllen, wenn ich alles thematisiere, was ich möchte.
Aber wir haben viele Themen in „Embrace“ abgedeckt: Behinderungen, Vergewaltigung, Essstörungen, Brandopfer, eine Frau mit Bart, Prominente, Menschen mit Schönheitsoperationen, Professoren, Fotografen und Herausgeber – ich finde, wir haben eine Menge drin. In meinem Programm „Body Image Movement“ diskutieren wir regelmäßig alle vorstellbaren Themen. Viel wichtiger: Wir ermutigen jede und jeden, selbst zu wählen. Es ist dein Körper, deine Regeln – niemand wird verurteilt.

BARBARA Redaktion

Wenn die Medien eine entscheidende Rolle bei der Selbstwahrnehmung und eigenen Beurteilung spielen, warum sind Frauen dann stärker betroffen als Männer?

Taryn Brumfitt

Frauen werden stärker attackiert als Männer. Trotzdem sind nicht nur Frauen betroffen. Die Probleme mit dem Körperbild betreffen weltweit Millionen von Menschen. Es geht uns alle an. Es ist ein Thema der Menschheit nicht des Geschlechts.

BARBARA Redaktion

Was ist das Schlimmste, das deinem Körper passieren könnte?

Taryn Brumfitt

Ich bin nicht scharf auf meinen letzten Atemzug. Ich würde dieses Leben gern für immer leben, darum ist der Tod das Schlimmste, was mir passieren könnte.

BARBARA Redaktion

Wer ist für dich die schönste Frau und warum?

Taryn Brumfitt

Abgesehen von meiner Mutter würde ich Nora Tschirner nennen. Ich kenne niemanden, der so viel Kraft, Humor, Menschlichkeit, Freundlichkeit, Leidenschaft und Großzügigkeit ausstrahlt wie sie. Diese Eigenschaften stehen in meinen Augen für Schönheit und Nora verkörpert sie alle. 

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Youtube integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.
Auf der Suche nach dem Ursprung des Körperhasses
© PR

Taryn Brumfitt wollte mehr als nur einen Film produzieren, sie wollte eine ganze Bewegung starten. Und das tat sie auch: Mit dem „Body Image Movement“ Programm startete sie ihre Mission gegen die Kriegsführung gegen unsere eigenen Körper. Sie ruft zur Selbstliebe und Dankbarkeit auf. In einem FAQ Video erklärt sie, dass ihre Arme mit dem ganzen Winkfett auf den ersten Blick zwar fürchterlich aussehen mögen, dass sie aber wundervoll umarmen können. Es gehe darum, zu sehen, was unser Körper kann und nicht wie er noch besser sein könnte.


Mehr zum Thema