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Augenbrauen lügen nicht

Augenbrauen lügen nicht
© Allef Vinicus / Unsplash
Theo-Waigel-Gedächtnis-Braue, schmaler Bogen oder haarlos tätowiert - Augenbrauen gibt es in allen Formen und Farben. Je nach Mode, Style und Herkunft variiert der Geschmack, was davon als hübsch wahrgenommen wird. In Tadschikistan beispielsweise gilt die Monobraue als Schönheitsideal. Hierzulande kann man so ziemlich alles machen (außer Monobraue - Gott sei Dank!). Aber nicht immer tut man sich mit dem Schönzupfen einen Gefallen, sagt der Mimikresonanz-Experte Dirk W. Eilert.
von Christine Rickhoff

Nein, es ist kein Märchen der Kosmetikindustrie, sondern belegte Tatsache: Augenbrauen sind wichtig. In einer kanadischen Studie fand man heraus, dass es den Testpersonen besonders schwerfiel, Prominente auf Fotos zu erkennen, auf denen diesen die Augenbrauen wegretuschiert wurden. Ohne Augen hingegen war die Wiedererkennung kein Problem. Was für Laien verblüffend klingt, verwundert den Experten überhaupt nicht.

„Während wir die Muskeln der Mundpartie sehr gut bewusst steuern können, unterliegt die Bewegung der Augenbrauen mehr dem hauptsächlich unbewusst funktionierenden Emotionszentrum im Gehirn – dem limbischen System. Deshalb ist die Augenpartie bei der Emotionserkennung sehr zuverlässig“, erklärt Dirk W. Eilert, Leiter einer Akademie für Emotionale Intelligenz und Buchautor zahlreicher Sachbücher. „Augenbrauen lügen nicht“, sagt Eilert. „Sie sagen eine Menge über die aktuelle Stimmungslage aus.“ Während beispielsweise hochgezogene Brauen interessiert und offen wirken, strahlen nach unten gezogene eher Dominanz und Durchsetzungsvermögen aus. Ganz unbewusst nehmen wir diese Signale bei unserem Gegenüber wahr.

Von den Augenbrauen auf den Charakter zu schließen, das ist für den Mimikexperten Hokuspokus, doch auch wenn es wissenschaftlich nicht besonders sinnvoll ist, praktizieren wir genau diesen Hokuspokus alle täglich – ganz intuitiv. Wir checken Stimmungen ab und nutzen dazu unser unbewusstes Wissen über die Stellung der Augenbrauen. Das hat dann eine bestimmte Wirkung auf uns. Darüber sollte man sich beim Zupfen bewusst sein. Denn wer die natürliche Form seiner Brauen verändert, verändert auch sein Außenbild. Manchmal ganz entgegen der eigentlichen Intention.

Wenn eine liierte Frau zum Beispiel ständig angebaggert wird, dann kann das durchaus an der Form der Augenbrauen liegen. „Gerade der hoch und schmal gezupfte Bogen wirkt interessiert. Dass diese Form künstlich erzeugt wurde und keine emotional ausgelöste Mimik darstellt, spielt bei dieser Wirkung keine Rolle.“ Auch im Job kann die gezupfte Augenbraue schnell mal missverstanden werden. Denn die klassische weibliche Brauenkurve steht nicht unbedingt für Durchsetzungskraft. Der hübsche Schwung wirkt zwar attraktiv, könnte auf der Karriereleiter jedoch zum Verhängnis werden. Denn wer ganz nach oben will, sollte nicht permanent interessiert und harmoniebedürftig wirken. Man sollte zumindest noch in der Lage sein, die Brauen mal zu senken, wenn es sein muss.

Diese Möglichkeit, sich mimisch auszudrücken, wird besonders schwierig, wenn Botox ins Spiel kommt. „Dann ist man kaum mehr in der Lage, seine verbale Botschaft mimisch zu untermauern oder gar nonverbal zu kommunizieren“, erklärt Eilert. Man kann das schön bei einigen Hollywoodschauspielern beobachten, die im Alter zwar faltenfrei, aber völlig emotionslos wirken. „Das wirkt auf das Gegenüber dann oft gruselig“, sagt der Experte, „weil wir vergeblich auf mimische Botschaften warten.“

Einziger Hoffnungsschimmer bei all diesen intuitiven Eigenschaftszuschreibungen: Der Nullachtfünfzehn-Otto-Normalverbraucher hat seine Emotionserkennungsfähigkeit sowieso längst verlernt. Mit einer durchschnittlichen Trefferquote von 56,4 % in einem Emotionserkennungstest, kann man durchaus behaupten, dass die anderen sowieso denken, was sie wollen. Als Kinder waren wir alle mal viel klüger, doch die Emotionserkennung leidet im Laufe der Jahre. „Das wird einem größtenteils aberzogen“, erklärt Dirk W. Eilert. Durch kleine Lügen wie „Mama und Papa streiten sich doch gar nicht“ oder „Nein, Mama hat gar keine Angst“ stören Eltern die gute Intuition ihrer Kinder.

mimikFür Erwachsene, die das gerne wieder beherrschen möchten, hat Dirk W. Eilert übrigens ein interessantes Buch geschrieben. „In 30 Minuten Mimik lesen“ bringt den Lesern wieder bei, was sie eigentlich eh mal wussten. Früher mal. Als man noch gesehen hat, wann man sich lieber verziehen sollte. Nämlich genau dann, wenn die Augenbrauen mittig nach unten gezogen werden.

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