Augenlasern für Angsthasen – Ich habs getan

Sich mit einem Laserstrahl die Augen malträtieren lassen für die Schönheit? Für unsere Autorin war das immer undenkbar... bis sie endgültig die Schnauze voll hatte von dem Gestell auf ihrer Nase.

von Marie Stadler

Die Brille und ich, das war ne Love Story in vier Akten. Ein Happy End hatte die Geschichte aber nur für mich. Wo die Brille – meine nervige Ex – jetzt rumfliegt, weiß ich gerade nicht mal. Ist mir auch egal, denn was sie besonders gut konnte, war stören. Beim Joggen, beim Putzen, beim Duschen, im Schwimmbad, beim Knutschen, im Regen, bei Sonne und vor allem nachts, wenn ich auf den Wecker schauen wollte und sie einfach nicht da war. Kurzum, ich hatte die Nase irgendwann gestrichen voll von diesem elenden Miststück. Und auch zwischen Kontaktlinsen und mir hat es nie wirklich gepasst. Auf Dauer auch nicht mit den Nachtlinsen. Nein, schön war das nicht, mit den Augen und mir. Echt nicht.

Wenn Angsthasen in eine Augenklinik gehen

Unglück auszuhalten ist eigentlich nicht mein Ding. Dummerweise werde ich zum Oberschisser, wenn es um mein Augenlicht geht. Deshalb lag dann auch weit mehr als ein Jahr zwischen meiner ersten "Augen lasern lassen- Google-Anfrage und einem ersten Schritt in eine Augenklinik. Ein kostenloses Erstgespräch – ich war mir sicher, dass es dabei dann aber auch bleiben würde. Innerlich machte ich mich auf ein Verkaufsgespräch gefasst, schließlich ist EuroEyes eine Privatklinik, eine Kette sogar. Doch es kam anders. Zuerst wurden meine Augen noch einmal gründlich vermessen und dann redete man mir die teurere Relex-Smile-Variante aus. Bei meiner Hornhautverkrümmung sei das die etwas ungenauere Methode, versicherte mir der Optometrist. Besser für mich: die knapp 1000 Euro günstigere  LASIK-OP. Ich war verwirrt. Die Verkaufsgespräche, die ich kannte, sahen bisher irgendwie anders aus...

Jetzt oder nie

Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe einfach aus dem Bauch heraus entschieden. Viele Augenarztunterlagen später wusste man Bescheid, wie stabil meine Hornhaut war und es ging los. Ein Glück, denn ich wusste: Wenn ich es jetzt nicht tue, verliere ich den Mut. Und so saß ich schon wenige Tage später bei der "großen Voruntersuchung". Mir wurden die Pupillen weit getropft... jeder der es kennt, weiß, was ich meine, wenn ich sage: ÄTZEND! Gefühlte 20 Tests später bekam ich mit Sonnenbrille auf der Nase und dem Gefühl, mindestens 90 zu sein, meine Terminbestätigung. Noch eine Woche bis zur OP... Total verrückte Vorstellung. 

Bloß keine Videos gucken

Lasst euch gesagt sein: Der Feind vor dem Augenlasern ist Google. Der Todfeind aber ist Youtube. Ganz ehrlich: Tut es NICHT!!! Ich wünschte, ich hätte niemals gesehen, wie sie die Augenklammer ins Auge setzen und die Hornhaut zur Seite klappen. BRRRR! Ekelhafter geht es nicht. Doch leider habe ich mir den Spaß eine Woche lang in Dauerschleife angetan. Ich habe außerdem jeden um eine Meinung zu meinem Vorhaben gebeten, jeden Erfahrungsbericht im Internet gelesen und bibbernd das Augen-Drama von Mel B verfolgt. All das sollte man echt nicht tun. Wirklich nicht. Es hilft nicht gegen die Angst. Rein gar nicht. Überraschung.

Der Tag der Tage

Aber Kneifen kam für mich nicht mehr in Frage. Ich setzte mich am Tag der Tage bibbernd auf den Wartestuhl und beging den nächsten Fehler: "Beruhigungstablette? Ich? Nein danke!" Im Nachhinein gesehen unnötig und dumm von mir. Aber dann ging es auch schon los. Ich bekam eine Haube und Schuhüberzieher, durfte mich bequem auf einen Sessel legen und bekam Betäubungstropfen aufs Auge getropft. "Was, wenn die nicht wirken? Was, wenn ich niese? Was, wenn ich huste? Was, wenn ich Schluckauf kriege???" Die Schwester lächelte geduldig meine Sorgen weg. Das panische Gefrage samt Herzflattern hätte ich ihr und mir mit der Knockout-Pille vielleicht sparen können, das Youtube-Kopfkino möglicherweise auch. Aber hinterher ist man ja immer schlauer. Achtung, Spoiler: Ich hab nicht gehustet, nicht geniest und Schluckauf hatte ich auch nicht. Schockstarre beschreibt den Zustand vielleicht eher. 

Es ist schon komisch

Ich will es nicht schönreden: Die OP war schon komisch. Die Klammer war egal, aber dass das Auge angesaugt wurde an so ein Teil, würde ich jetzt nicht gerade als angenehm beschreiben. Wehgetan hat es aber ehrlich gesagt auch nicht. Das größte Problem war im Nachhinein gesehen mein Wissen über die OP. "Ah ja, jetzt gerade schneidet also ein Laser meine Hornhaut auf. Ah so, jetzt wird also gerade die Verkrümmung weggebrutzelt. Oh, jetzt wischt die mir mit einem Pinsel am Auge rum." Es gibt schönere Gedanken... Die Version der Ärztin: "Sie sehen jetzt einen roten Punkt und der wird zur Wolke. Das ist kein Problem. Schauen Sie weiter geradeaus. In zwölf Sekunden ist das schon vorbei" hat mir jedenfalls besser gefallen.

What? Ich sehe!!!

Und dann war es wirklich einfach vorbei. Die Schwester, die wirklich sehr süß meine Hand gehalten hatte, half mir aufzustehen. Ungläubig sah ich mich um und konnte selbst weit entfernte Türschilder lesen. Einfach so. Sofort. An den Augen spürte ich gar nichts. Das konnte doch nicht möglich sein? Bewaffnet mit einem Tropfplan, zwei verschiedenen Augentropfen, zwei Schutzkappen für die Nacht und einer spacigen Sonnenbrille stand ich Minuten später vor der Klinik und sah auch draußen im Hellen weit besser als je zuvor ohne Brille. Völlig verrückt. Auf dem Rückweg kam es dann aber kurz dicke. Plötzlich fühlte sich alles total rau und wund an, ich konnte die Augen weder gut geschlossen halten, noch konnte ich sie auflassen. Ich war wirklich froh, als ich endlich zuhause war, mir die Augentropfen ins Auge tropfen und eine Ibuprofen einschmeißen konnte. Hätte ich mal lieber gleich in der Klinik gemacht. Aber ich bin ja zu tough für sowas. Naja. Nach ein paar Stunden war der Spuk aber vorbei. Der Schmerz war einfach weg. Nur die Sonnenbrille ließ ich noch eine Weile auf, weil das Licht schon etwas blendet.

Tag 3 nach der OP – und ich würde es sofort wieder tun

Was ich in 10 Jahren dazu denke, werden wir dann sehen. Jetzt an Tag 3 nach der OP kann ich aber nur sagen: Eine Achterbahnfahrt, bei der dir übel wird, ist schlimmer. Hätte ich noch ein Augenpaar, ich würde es morgen direkt nochmal tun. So schlimm kann es also nicht gewesen sein. Zum Glück ist es aber mit den beiden Augen, die ich habe, getan und das ist eigentlich das Krasseste an der Erfahrung: Es ist echt kurz doof, vor allem, weil es Angst macht. Aber schneller kann man ein Problem kaum hinter sich bringen. Ob ich das Lasern jedem empfehlen würde? Ich denke schon. Ganz wichtig halte ich aber vor allem eine renommierte Klinik. Eine, bei der du merkst, dass es zuallererst um deine Augen und erst danach um Profit geht. Ein bisschen Risikobereitschaft gehört ehrlicherweise auch dazu. Aber die brauchen wir jedes Mal, wenn wir in ein Auto steigen oder zum Sport gehen. Und das tun wir ja schließlich auch... Wir schauen uns vorher bloß keine Youtube-Videos von Massenkarambolagen oder Kreuzband-OPs an. Und das ist auch sehr klug von uns!


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