Brille blöd, Lasern blöd, Linsen blöd: Das ist die Lösung!

 Was, wenn man blind ist wie ein Fisch, aber Brillen hasst, keine Linsen verträgt und zu feige zum Lasern ist? Unsere Autorin hat eine Lösung gefunden.

von Marie Stadler

Es gibt ja diese Frauen, die mit Brille besonders schön aussehen. So zurechtgemacht. Elegant. Ich bin keine von denen. Egal, welche Form, Brillen tun nichts Gutes für mich. Runde Gläser machen mich zur nerdigen Schwester von Harry Potter, große zur nerdigen Schwester von Bill Gates und unauffällige zur nerdigen Schwester der nerdigen Schwester des Obernerds. Schön ist das nicht. Außerdem werde ich superaggro, wenn die Gläser beschlagen, sobald man im Winter ins Haus geht. Und dann diese Fettflecken und Schlieren... Nee, Brillen sind echt gar nichts für mich. 

Kontaktlinsen sind keine Freunde

Aber es gibt ja Alternativen. Kontaktlinsen zum Beispiel. Ich hab sie alle ausprobiert. Habe euphorisch die kleinen Schachteln entgegengenommen, immer wieder ein kleines Vermögen gezahlt und hätte im gleichen Moment die Brille gerne so lässig von mir geworfen wie die Chippendales ihre Hosen.

Die Tageslinsen, die weichen Linsen, die harten Linsen, am Ende wurden wir alle doch keine Freunde, obwohl ich mich so auf sie gefreut hatte. Immer hat es gejuckt, gedrückt, genervt, getränt. Und ne Lasershow im Elbtunnel genießt man als Autofahrer letztendlich auch nicht so wirklich.

Nein, ich will kein Messer in meinen Augen

Bei der Infoveranstaltung zum Lasern starrte mich der Oberarzt entgeistert an, als ich ihn fragte, ob ich mal so ein Messer sehen könne, mit dem man mein Auge bearbeiten möchte. Er erzählte mir was von minimalinvasiv, ich verstand nur Bahnhof und befand, dass ich einfach zu feige bin zum Lasern. Da kann man mir noch so oft erzählen, dass es keine Risiken gibt. Wie soll ich das glauben, wenn ich doch nicht mal in einen Laserpointer gucken darf? Ach, und außerdem ist das auch ganz schön teuer.

Warum sagt ihr das nicht gleich?

Als ich beinahe schon so weit war, mich mit meiner Harry-Potter-Identität anzufreunden ist es einfach passiert. Ich wurde eingeweiht in das Geheimnis der Geheimnisse. Leute, haltet euch fest. Kein Mensch erzählt es einem. Aber es gibt eine Lösung für Menschen wie uns: sie heißt Orthokeratologie. Jahaaa, nie von gehört, oder? Um genau zu sein, gibt es Linsen, die über Nacht die Hornhaut mittels Druck so verformen, dass man am nächsten Tag perfekt sehen kann, ganz ohne Sehhilfe. Klingt spooky? Ist es auch irgendwie. Das Konzept dahinter ist aber alt. Schon im alten China legten sich die Menschen Sandsäckchen aufs Auge, um am nächsten Tag besser sehen zu können. Nun werdet ihr zu Recht sagen, dass das ja auch Linsen sind. Stimmt ja auch. Ist aber angeblich anders. Denn über Nacht mit geschlossenen Lidern stören die Linsen nicht. Die Hersteller versprechen volle Sehkraft am Tag. Mindestens acht Stunden, danach kann es langsam wieder etwas schlechter werden.

Der Praxistest

Ich habe es also getan. Für 150 Euro kann man den Spaß drei Monate lang ausprobieren, danach soll man sich für zwei Jahre festlegen. Mit gewohntem Enthusiasmus habe ich wieder mein Päckchen entegegengenommen und nach Hause getragen. Zum Glück hatte ich beim Optiker das Einsetzen geübt, denn das ist echt nicht ohne. Wenn man dann aber die Augen zumacht, merkt man tatsächlich kaum mehr was. Am nächsten Tag dann das große WOW. Ich kann sehen! Ohne Brille! Wenige Stunden später schon wieder nicht mehr. "Ganz normal am Anfang", sagt der Optiker. "Ganz schön anstrengend", finde ich. Am nächsten Tag wache ich mit tierischen Kopfschmerzen auf. Sehen kann ich trotzdem wieder. Wäre nur froh gewesen, wenn ich es gewusst hätte, dass das Hirn sich erstmal umgewöhnen muss. Dann hätte ich vielleicht eher an einem freien Tag angefangen. Nun ja, der einzige Rat, den ich geben kann ist: DURCHHALTEN. Denn nach einigen Tagen gehöre ich tatsächlich zu denen, die einfach so sehen. Ohne Brille. Abends setze ich kurz die Linsen ein, schlafe, nehme sie raus und habe fast schon vergessen, dass ich ein blindes Huhn bin.

Ergo?

Klare Empfehlung, wenn man ein Schisser ist und Brillen nicht mag. Die braucht man dann tatsächlich gar nicht mehr. Geeignet sind die Linsen nicht für jedes Auge, aber bei vielen Problemen wie geringfügigen Hornhautverkrümmung oder Weit- und Kurzsichtigkeit bis etwa fünf Dioptrien funktionieren die "Dreamlenses" einwandfrei. Sogar Gleitsichtbrillen können sie angeblich unnötig machen. Zwar bildet sich die Hornhaut nach Absetzen der Linsen innerhalb weniger Tage komplett zum Startpunkt zurück, aber Studien haben ergeben, dass sie einer Verschlechterung der Werte vorbeugen, besonders bei Kindern. Ich als blinder Fisch mit Brillenphobie bin jedenfalls froh, dass ich die Nachtlinsen gefunden habe. Auch wenn sie teuer sind und abends manchmal ein bisschen nerven. Ich muss auf jeden Fall nicht mehr von Minimalinvasionen träumen. Und Harry Potter soll sich verdammt nochmal ne andere Schwester suchen!