VG-Wort Pixel

Busch oder Glatze? Auf der Suche nach der perfekten Intimfrisur

Busch oder Glatze? Auf der Suche nach der perfekten Intimfrisur
© Getty Images
Vor gut zwei Jahren riefen Lifestyle-Magazine nach jahrelangem Kahlschlag die Rückkehr des Schamhaars aus. Gab es das Busch-Revival wirklich? Unsere Beauty-Expertin machte sich auf die Suche nach dem perfekten Intim-Look
von Stefanie Höfle

Der Ermittlungsort für meine sensible Recherche: ein Duschraum im Fitnessstudio. Als ich das letzte Mal hier war, hatte ich morgens extra noch meinen Landing-Strip vom Unkraut am Wegesrand befreit. War mir irgendwie peinlich, meine Stoppelwiese von anderen Frauen beäugen zu lassen, die mich am Ende womöglich für ungepflegt gehalten hätten. Oder schlimmer noch: für eine Frau, die in einer öden Beziehung lebt. Intimer Gruppenzwang. Damals waren nun mal der Brazilian Cut und die Landebahn sexy. Aber wie sieht das heute aus?

"Ich bin kein Freak, wenn ich nicht alles mähe"

Die Frau neben mir trägt gestutztes Dreieck, gegenüber akkurate Streifen, daneben angestoppelte Glatze. Beim Rausgehen begegnet mir ein Naturbusch. Und nein: Die Trägerin ist nicht über 50, sondern Mitte 20. Das Rechercheergebnis in der Zielgruppe „Körperbewusste Hamburger Frauen zwischen 20 und Mitte 40“: Offenbar bin ich kein schräger Beautyfreak mehr, wenn ich nicht alles mähe.

Entspricht meine Beobachtung auch dem deutschen Durchschnitt? „Auch ich erkenne diesen Trend“, sagt die Berliner Diplom-Psychologin Ada Borkenhagen, die zu den Themen Körperwahrnehmung und Schönheitsideale forscht. „Mädchen tragen wieder Schamhaar. Allerdings keinen Wildwuchs, sondern eine gestylte Intimfrisur.“ Es scheint einen Trendumschwung zu geben. In einer Umfrage unter Jugendlichen im Jahr 2010 fanden alle Befragten Geschlechtsbehaarung „widerwärtig“.

Das Schamhaar-Revival

Wie für die meisten Trends kam der Startschuss für das Schamhaar-Revival aus den USA. Gwyneth Paltrow verkündete Anfang 2013, sie trüge wieder 70er-JahreStyle im Schritt, Lady Gaga präsentierte ihren Busch auf einem Magazincover, und etwas später schrieb Vorzeige-Feministin Lena Dunham der US-Serie „Girls“ eine untenrum üppig behaarte Frau ins Drehbuch. Es war übrigens auch eine TV-Serie, welche die Rodung salonfähig gemacht hat. Die meisten von uns lernten das Brazilian Waxing in den 2000ern durch Carrie in „Sex and the City“ kennen.

Unten ohne ist nicht mehr angesagt. Diesen Look ereilt das Schicksal eines jeden überstrapazierten Modetrends: Ist eine Designerjeans erst am Hintern eines Reality-TV-Sternchens zu sehen, interessiert die Hose keinen Hipster mehr. Auf den Intimtrend übertragen: Es ist prollig, im Schritt auszusehen wie ein Pornostar. Zudem passt der künstlich gewaxte Schritt nicht richtig zum aktuellen Öko-Trend. Ich meine, jemand, der auf Natürlichkeit Wert legt, rasiert nicht gegen den Wildwuchs an.

Vielleicht mal einen pinken Iro?

Und das sind die Alternativen zur Nacktschnecke: „Die Mehrheit bevorzugt das klassische Dreieck“, sagt Borkenhagen. Auf diversen DIY-Waxing-Seiten finden sich zudem Anleitungen zu Herzchen- und Sternchenformen. Und ganz heiß: Am Nudisten-Strand von Maui ist ein pink gefärbter Iro der letzte Schrei.

Und was tragen eigentlich Männer? „Viele machen sich komplett nackt, weil der Penis dann größer wirkt“, sagt die Expertin. Klar, ohne Urwald sind sogar Bonsaibäumchen riesig. „Die Nachfrage nach ,Brazilian Hollywood Man‘ mit Hodenenthaarung ist stark gestiegen“, sagt Christine Margreiter, Gründerin von „Wax in the City“. Meinetwegen, wenn man’s braucht ... Für mich ist die Intimglatze von gestern. Genauso wie der Gruppenzwang. Mein Schritt gehört nur mir. Und mal ist mir eben nach waxen, mal nach wachsen.


Neu in BARBARA


MEHR ZUM THEMA