Clean Perfume: Düfte ohne ätzende Chemie?

Dass Parfum bei genauer Betrachtung weder für uns noch unsere Umwelt besonders gesund sein kann, ist einleuchtend. Aber ist Clean Perfume wirklich die gesunde Alternative?

von Julia Ballerstädt

Clean liegt voll im Trend – Clean Eating, Clean Beauty und auch Clean Perfume. Für all jene, die auf sich und ihren Körper achten wollen, steht der Verzicht auf schlechte Inhaltsstoffe in Hygieneartikeln, Kosmetik und Lebensmitteln an erster Stelle. Schließlich wird überall vor krebserregenden Stoffen in den unterschiedlichsten Produkten gewarnt. Parfum ist da keine Ausnahme. Haben wir das bisher leichtfertig auf unsere Haut gesprüht, wird es nun argwöhnischer betrachtet. Aber wie giftig ist der Duft aus der Dose eigentlich? Eine Alternative zu herkömmlichen Parfum soll deshalb Clean Perfume sein.

Clean Perfume – Was genau ist das?

Nachhaltig, vegan, natürlich, organisch und dabei superwirksam – das soll Kosmetik heute sein. Auch Parfum. Die Idee von Clean Perfume ist deshalb, Düfte so natürlich wie möglich herzustellen. Deshalb gilt für die neue Duftgeneration, es soll: 

  • frei von künstlichen Substanzen und synthetischen Aromen sein
  • möglichst aus ökologisch nachhaltigen Inhaltsstoffen bestehen 
  • ausschließlich umweltfreundlich produziert werden 

Ganzheitliche Rücksichtnahme, sowohl für unsere Mitmenschen als auch für unsere Umwelt gehören demnach in das Konzept von Clean Perfume.

Auch Schauspielerin Michelle Pfeiffer hat sich dem verschrieben und gerade eine eigene Clean Perfume-Linie herausgebracht. Die Düfte mit dem Namen Henry Rose wurden vollständig nachhaltig produziert und von der EWG – Environmental Working Group, einer Website, die Kosmetik auf ihre Schadstoffe untersucht. 


Grundsätzlich also eine super Sache, mit der sich natürlich auch noch gutes Geld verdienen lässt.

Back to the Roots – Bio-Kosmetik im Aufschwung 

Denn immer mehr Menschen interessieren sich für nachhaltige Schönheitspflege. Die steigende Beliebtheit spiegelt sich auch in den Regalen von Drogerien und Parfümerien wieder. Wurde Naturkosmetik bis vor einigen Jahren in die letzte Ecke hinter die Windeln verbannt, hat sich nicht nur die Regalbreite, auf denen Weleda, Santé und Co angepriesen werden, mehr als verdoppelt, sondern sind diese jetzt nicht nur auf dem Vormarsch in die vordersten Reihen des Regal-Labyrinths, sondern auch immer bezahlbarer.

Clean bedeutet nicht immer gut

Problematisch ist trotzdem, dass es keine einheitliche Linie für Clean Beauty gibt, da es nach wie vor an der Definition verschiedener Bezeichnungen wie natürlich, sauber, grün und hypo-allergen hapert. Gleichzeitig werden diese Begriffe mittlerweile inflationär gebraucht, sodass es für die Verbraucher schwer ist, Gutes von Bösem zu unterscheiden. Denn bloß weil Naturkosmetik drauf steht, muss das Produkt noch lange nicht gut für den Körper sein. Daraus resultieren wiederum skeptische Kunden. Umso größerer Beliebtheit freuen sich inzwischen deshalb Produkte, die komplett ohne reizende Inhaltsstoffe auskommen und zukünftig hoffentlich Standart sein werden.

Clean Parfüm ganz ohne Gift – geht das überhaupt?

Kein Parfüm kommt ganz ohne Chemikalien aus, schließlich ist im Grunde jeder Inhaltsstoff Chemie, ob nun synthetisch oder natürlich. Und auch die kann man nicht pauschal in gut und böse einteilen: Manch natürlicher Inhaltsstoff kann genauso unverträglich und reizend für uns, wie synthetische gut sein können. Die wirklich große Errungenschaft von Clean Perfume ist vielmehr die komplette Auflistung der Inhaltsstoffe, der sich die Parfümindustrie bislang verschlossen hatte. Es ist ja auch irgendwie seltsam, wenn von Rosenduft die Rede ist, eine Rose allerdings nicht einmal ansatzweise Bestandteil des Duftes ist. Dennoch, man muss sich dann auch mit den INCIS auskennen, um sich selbst ein Bild zu machen. Nichtsdestotrotz ist Clean natürlich immer noch besser als Dirty und ein Anstoß, der hoffentlich so einiges ins Rollen bringt.

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