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Darf man das noch? Botox, Lasern und Co in Zeiten von Body Positivity

Barbie mit Botox-Spritze
© Getty Images
Unsere Autorin ist genervt, von ihrer Stirnfalte und der lästigen Rasiererei. Sie will Botox und erntet dafür entrüstet Kommentare: "Lieb dich doch mal selbst und alter in Würde!". Nö, denkt sie sich und wählt die Spritze.
von Linda Berger

Darf man das in Zeiten von Body Positivity noch laut sagen, also das mit dem Botox und dem Lasern und dass man sich vielleicht auch gern die Brüste machen lassen möchte und dabei trotzdem weiterhin ganz natürlich aussehen will? Eine straffe Bauchdecke wäre nach zwei Schwangerschaften auch ganz nett und die hängenden Wangen könnte man vielleicht noch ein bisschen nach hinten ziehen und hinter die Ohren klemmen. Okay, eine Rundum-Erneuerung kommt für mich nicht in Frage, ein bisschen Botox, um die Zornesfalte lahm zu legen und das Weglaser lästiger Härchen hingegen schon.

Muss ich mich jetzt schlecht fühlen? Weil Selbstliebe und so?

Jaja, ich liebe mich sehr, meistens zumindest. Aber manches an mir eben nicht, das nervt mich einfach. Und da es mein Körper, meine Falten und meine Haare sind, denen ich auf die Pelle rücke, hat das auch niemand zu beurteilen. Ich will mich wohlfühlen, unabhängig von den Wertungen anderer. Als ich Jugendliche war, gab es kein Body Positivity, da war man entweder so dünn und schön wie die Frauen auf Postern, Plakaten und im Fernsehen, oder eben nicht. Aber an denen messe ich mich mit Ende 30 schon gar nicht mehr. Ich finde mich okay in meinem Körper, bis auf ein paar Ausnahmen, die jeder so kennt und nicht jede davon will ich weghaben, schon gar nicht, wenn das eine größere OP bedeuten würde. Bikinizone lasern und die Zornesfalte glätten wollte ich hingegen schon länger ausprobieren. Das Gute: Mittlerweile sind Lasern und Botox schon im Preissegment der Normalsterblichen angelangt. Und nicht nur das, auch ihr Ruf verändert sich. Nichts mehr mit versteinerten Grusel-Gesichten à la Hollywood. Ganz im Gegenteil: Weniger ist mehr, lautet auch hier die Devise. 

Very Hairy?

Ja, ich bin eitel und Botox zahlt definitiv auf dieses Konto ein. Lasern hingegen hat auch eine sehr praktische Komponente: Eingewachsene Haare, Entzündungen und Pickelchen sind damit passé. Von Waxing über Epilieren und Haarentfernungscremes habe ich alle Methoden durch. Nichts konnte mich überzeugen und nein, wachsen lassen ist für mich keine Option, egal wie feministisch ich sein möchte. Also musste der Laser ran. Bisher waren es jedoch vor allem die Preise für die Behandlung, die mich davon abhielten. Doch beim großen Beautyspezialisten M1 Laser beispielsweise kostet die Haarentfernung mit 60 € pro Behandlung nicht wesentlich mehr als eine Runde Waxing. Insgesamt braucht sechs bis acht Termine bis die Haarwurzeln so zerstört sind, dass sie auch nicht wiederkommen und ich habe dann hoffentlich endlich Ruhe.

Alte Falte?

Ähnlich sieht es mit Botox aus. War es noch vor ein paar Jahren teuer und verrufen, kann sich mittlerweile nicht nur fast jeder eine Dosis leisten, auch der Ruf von Botox, Hyaluron und Co ist ein anderer. Nichts mehr mit versteinerten Gesichtszügen. In der modernen, ästhetischen Chirurgie geht es vielmehr darum, die Schokoladenseiten hervorzuheben und kleinere Ungleichmäßigkeiten in den Hintergrund treten zu lassen ohne, dass man es auf anhieb sieht. Und mit dieser Vorstellung begebe ich mich in die erfahrenen Hände von Dr. Bülent Ugurlu von Docboom. Statt steriler Arzt-Atmosphäre gibt es hier Wohlfühl-Charme und dass es auch an Kompetenz nicht mangelt, wird schnell klar, er mir erklärt, was wir machen können, was er mir empfiehlt, wie das abläuft und schließlich die Nadel ansetzt. Das Prozedere dauert nur wenige Minuten und tut wider Erwarten nicht wirklich weh. Rund zwei Wochen dauert es bis zum endgültigen Ergebnis. Heute, etwa sechs Wochen später, fühlt es sich gut und normal an. 

Botox und Body Neutrality geht klar

Und bevor jetzt wieder alle entsetzt aufschreien: "Wie kann die nur sowas machen? Was ist das für ein Vorbild? Und überhaupt, die rennt doch nur dem Geschlechterbild hinterher", kurz noch dazu. Eine Frau sollte aalglatt, dellen- und faltenlos sein. Das ist von der Gesellschaft so lange gemacht worden, so lange, dass es jetzt nur noch schwarz oder weiß ist. Entweder akzeptiere ich mich so wie ich bin, mit all meinen Haaren und Falten oder aber ich bin mit selbst nicht im Reinen, will dem Bild anderer entsprechen und leg mich dafür unter das Messer, den Laser oder die Spritze. Dass das eine das andere nicht ausschließen muss, diese Variante gibt es nicht, dafür aber sehr viele Menschen, die sich darüber erheben und anderen vorschreiben, wie sie selbst sich zu lieben und wie nicht. Dass wir auch schiefe Zähne korrigieren lassen, Haare färben, Segelohren anlegen und das alles ganz normal ist, das ist kaum Thema. Was hilft gegen das Schwarz-Weiß denken? Zum Beispiel einfach Körper Körper sein lassen und jeder zugestehen, selbst darüber entscheiden zu können, was sie damit anstellt, statt alles zu bewerten. #bodyneutrality


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