Ein Leben ohne Badewanne ist möglich, aber sinnlos.

Wenn es nur um Sauberkeit gehen würde, dann wäre eine Dusche vollkommen in Ordnung. Aber eine Badewanne ist so viel mehr als nur der Ort, an dem man sich den Dreck wegschrubbt, findet unsere Autorin.

von Theresa König

Es gab da mal dieses düstere Kapitel in meinem Leben. Ich war Studentin, arm, und lebte auf kleinstem Raum in einer WG, die ein Badezimmer hatte, das nicht größer war als ein öffentliches Klo. Man musste den Bauch einziehen, um am Waschbecken vorbei zum Klo zu kommen. Mit einem Hechtsprung landete man dann in der Dusche. Traurig war das, sehr traurig.

Mach die Pretty Woman

Denn es ist ja so. Eine Badewanne ist eigentlich der beste Platz in der ganzen Wohnung. Nur sie schafft es, die Laune innerhalb von Sekunden anzuheben. In ihr kommt die Seele zur Ruhe, der Kopf auch, die Gliedmaßen sowieso. Wir können in ihr abhängen. Endlich mal ganz alleine sein - ohne dass jemand etwas von uns will. Wir können darin einen auf Julia Roberts in Pretty Woman machen und lauthals unsere Lieblingssongs schmettern. Oder wir mimen den Schweigefuchs und sind: still. Hiinterher entsteigen wir den lauwarmen Fluten wie Phönix der Asche – fühlen uns wie neugeboren und sind schweinchenrosarot.

Wasserhahn aufdrehen und das Glück laufen lassen 

Es gibt wenige Dinge, die einen ähnlich versöhnlich stimmen wie ein langes Bad. Sehr gutes Essen vielleicht. Oder sehr guter Sex. Aber beides ist eben nicht immer zur Hand. Da ist es doch viel leichter, den Wasserhahn aufzudrehen und abzutauchen. Und während die Haut immer schrumpeliger wird, wird die Laune immer besser. Geradezu euphorisch. Stress, Ärger, Alltag, perlt alles von uns ab, wie die Schweißtropfen, die sich langsam von der Stirn den Weg ins Wasser bahnen. Glück kann so einfach sein. Und man sollte es sich auf keinen Fall verwehren. Das wäre auch totaler Quatsch. Wir verzichten ja auch nicht auf Schokolade, Pizza oder einen guten Wein. Soweit kommt das noch. Ein Leben ohne Badewanne ist also möglich, aber sinnlos.