Eine Depiladora erzählt: "Wir sehen wirklich alles"

Pia aus Berlin ist 32 und enthaart für "Wax in the City" die Körper anderer Menschen. Warum es nur einen einzigen Teil gibt, den sie niemals waxen würde, hat sie uns im Interview erzählt. 

von Tina Epking (Interview)

Barbara.de: Warum heißt es eigentlich Depiladora?

Pia: Weil sich Enthaarerin komisch anhört (sie lacht). Der Begriff kommt aus dem Brasilianischen und klingt einfach schöner, deswegen sagen wir das bei Wax in the City so. 

Was magst du an deinem Job besonders?

Die Abwechslung und dass ich jeden Tag mit so vielen verschiedenen Leuten zu tun habe. Jeder Mensch ist anders, von jedem erfährt man irgendwas anderes. Manche Kunden sind sehr redselig und erzählen uns extrem persönliche Dinge.

Gibt es bei euch soetwas wie eine Schweigepflicht?

Diskretion ist uns sehr wichtig. Wir sind auch ein bisschen wie Therapeuten. Man bekommt schon sehr intime Dinge erzählt, die nimmt man aber im Idealfall nicht mit nach Hause. Sonst braucht man selber irgendwann einen Therapeuten. Wenn jemand von einem Todesfall erzählt oder von anderen schlimmen Dingen, geht einem das schon sehr nah. Wir sind ohnehin sehr intim mit dem Kunden, wir sehen ja alles. Für viele Kunden ist es eine extreme Herausforderung, sich komplett auszuziehen.

War es für dich jemals ein Problem, dass du so "nah" am Kunden bist? Auch körperlich?

Ich bin insgesamt ein sehr offener Mensch. Für mich war das gar kein Problem, es ist alles nur Haut mit Haaren. Man darf das auch in meinem Job nicht anders betrachten, finde ich. Es darf nicht wichtig sein, wie der Kunde aussieht, ob er dick, dünn, männlich oder weiblich ist. Wie gesagt: Wir sehen hier wirklich alles.

Was war das Ungewöhnlichste, was du je waxen musstest?

Es gibt für uns eigentlich nichts Ungewöhnliches, weil wir fast alles machen.

Gibt es irgendeinen Körperteil, den ihr niemals waxen würdet?

Manchmal möchten Leute, die Köpfe gewachst haben, aber das machen wir nicht. Barthaare auch nicht. Die wurden jahrelang rasiert, das ist extrem schmerzhaft und dafür braucht man viel Kraft, da besteht eine Verletzungsgefahr. Bei Kopfhaar ist es dasselbe.

Weswegen kommen die meisten Leute zu dir?

Die meisten kommen für Brazilian, die Männer für Rücken, Brust, Bauch und intim.

Apropos Intimbereich: Ist es manchmal unangenehm, wenn ein fremder, nackter Typ vor einem liegt?

Nein. Jeder hat doch schon mal einen Penis und Hodensäcke gesehen.

Aber einen Hodensack schmerzfrei zu enthaaren, ist doch sicher nicht so einfach...

Man muss einfach nur wissen, dass man die Haut beim Auftragen und Abziehen spannen muss. Wir lernen ja an Modellen, wie wir das machen müssen. Zu Beginn haben viele Depiladoras Angst, dass sie den Männern wehtun könnten, aber die sind da gar nicht so empfindlich, wenn man das richtig macht. Am schwierigsten zu enthaaren ist übrigens nicht der Intimbereich, es sind die Arme, weil das Auftragen schwieriger ist.

Sind Männer manchmal erregt, weil du sie anfasst?

Das kommt vor, aber die meisten entschuldigen sich sofort. Es gibt Kollegen, die sagen sogar, es ist einfacher, wenn das Glied erigiert ist. Für mich ist das alles egal, ob er einen kurzen oder einen langen Schniedelwutz hat. Ich enthaare, das ist mein Job.

Wer ist wehleidiger: Männer oder Frauen?

Männer sind tatsächlich oft entspannter, Frauen häufig komplizierter.

Verändert sich der Blick auf den menschlichen Körper durch den Job?

Nein, überhaupt nicht. Ich sehe allerdings mehr Penisse und Vaginas als Menschen in anderen Berufen. Jedes zweite Waxing ist ein Intimwaxing, Brazilian ist unsere absolute Königsdisziplin. 

Ist man eigentlich als Depiladora automatisch komplett enthaart?

Klar, wir machen alle alles (sie lacht).

Was ist das Wichtigste in deinem Beruf?

Dass man auf die Haarwuchsrichtung achtet und die Haut ordentlich spannt.

Findest du manchmal etwas eklig?

Sagen wir es so, wir bieten dem Kunden ein Feuchttuch an – und weisen ihn notfalls darauf hin, wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte…




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