Frier doch, du fette Zelle!

Fett absaugen war gestern. Heute frieren wir das Fett tot. Nee, nicht einfach nackt in den Winterwald stellen und auf Spontanerschlankung hoffen. Die Kryolipolyse, also die partielle Fettreduktion durch Kälte, gibt es inzwischen ganz professionell beim Dr. Schönheit unseres Vertrauens.

von Christina Hollstein / Frieda Hintze

Irgendwer spricht irgendwo doch immer davon, dass nun ENDLICH die Fettpölsterchen schmelzen sollen. Aber wieso eigentlich schmelzen? Wie die Butter in der Pfanne? Zisch und weg? Tzz. Eine schöne Illusion! Gleicht eine Diät doch eher einer mühsamen Erzabschürfung, bei der zahlreiche Gastarbeiter im Tagebau ihr Leben lassen mussten.
Nun gibt es ein Verfahren, das uns verspricht: Nicht schmelzen, FRIEREN! Wie genau? Die zu behandelnde Fettzone (dieser Begriff sollte, nebenbei gesagt, verboten werden) an Bauch, Hüfte, Beinen oder Innenschenkeln, wird mittels Spezialapparatur über Vakuum angesaugt und auf exakt -11 Grad Celsius heruntergekühlt. Brrrr. „Ich frier mich tot“, motzt da die Fettzelle. Recht hat sie, denn sie stirbt kurz darauf einen qualvollen Kältetod. Für die Patientin soll das Ganze übrigens schmerzfrei vonstatten gehen. Wer schön sein will, muss – so die Verfechter – eben doch nicht leiden.

Ins Abikleid von ’89 frieren

Der erfrorene Speck wird dann über mehrere Wochen von sogenannten Phagozyten abgetragen. Erinnert sich noch wer an die Zeichentrickserie „Es war einmal das Leben“? Die mit dem Typen mit dem langen, weißen Bart und den sprechenden roten und weißen Blutkörperchen? Ja, die. Phagozyten, das waren die gelben Fressroboter, die wie kleine Müllwagen den ganzen Körper-Unrat gefressen und abtransportiert haben. Niedlich.

Das Ergebnis sieht man beim Fettfrieren, anders als beim Fettabsaugen, leider nicht sofort. Wer sich also in sein Abiballkleid von 1989 frösteln will, sollte sich etwa acht bis zwölf Wochen vor dem Event unter den Kältestrahl legen. So lange dauert nämlich der Prozess des Fett-Wegfressens. Dann jedoch soll das Ergebnis deutlich sichtbar sein. Im Spiegel, nicht auf der Waage, denn Fett sei sehr leicht, so die Macher des Verfahrens. Stimmt die Theorie mit den schweren Knochen also doch.

Sweet Dreams: Beim Eis essen eingeschlafen

Und wer hat sich das Ganze ausgedacht? Frau Zufall. Ärzte beobachteten im Krankenhaus, dass Kinder, die mit einem Eis am Stiel in der Mundregion einschliefen, später an den betroffenen Stellen tatsächlich regelrechte Dellen hatten. Gut, man fragt sich jetzt, was das bloß für eine Einrichtung war... Geschenkt, denn glücklicherweise regulierte sich der Gesichts-Zustand nach einer Weile von allein. Im Rahmen des Fettfrier-Verfahrens ist dieser Sachverhalt jedoch das größte Manko. Denn: Ausruhen kann man sich auf dem Ergebnis nicht. Der Körper funktioniert auch nach dem Eingriff wie zuvor. Wer mehr isst, als er verbraucht, nimmt wieder zu. Überall. Und hat dann zwischen 600 und 700 Euro verbrannt. Oder besser: Verfroren.