Hassliebe Locken: So wurde wahre Liebe draus.

Früher ein geplatztes Sofakissen, heute definierte Lockenpracht wie aus der Glisskur –Werbung. Mit der Curly Girl Methode aus den USA hat unsere Autorin ihr Lockentrauma erfolgreich in den Griff bekommen. 

von Julia Ballerstädt

Alle anderen finden sie immer superschön, meine Locken – „Die sehen so toll aus! Ich bin so neidisch. Du musst nie was machen und hast trotzdem immer Volumen.“ Hm, nee, is klar. Das hier auf meinem Kopf ist harte Arbeit und eiserne Pflegeroutine. Locken sind nämlich wie quengelige Kinder: Sie brauchen ständig Aufmerksamkeit, können ganz schön gemein sein und lassen sich nur mit viel Mühe bändigen. Und zum Thema „Supervolumen“: Das nennt man Frizz! Mein Mann fragt mich regelmäßig, ob mein Empfang heute besonders gut ist, wenn an meinem Kopf diese kleinen Härchen in alle Himmelsrichtung abstehen. Andere bezeichnen diesen zauberhaften Kranz um mein Haupt auch als Heiligenschein. Charmant oder? So will man rumrennen. Kein Wunder, das Glätten für viele Lockengeplagte der einzige Ausweg ist. Ich bin daran allerdings kläglich gescheitert. Mag vor allem an meinem Wohnort liegen: Hamburg. Denn was haben wir in Hamburg? Richtig: viel Regen und viel Wind. Die Todfeinde einer jeden Lockenpracht – hat man einfach keine Chance. Mit viel Glück schafft man es mit seidenglattem Haar in die U-Bahn. Pünktlich zum Arbeitsbeginn steht man trotzdem mit Tina-Turner-Frise auf der Matte. 

Traumlocken statt Lockentrauma mit der Curly Girl Methode 

Es gibt also zwei Optionen: Entweder man ergibt sich seinem Schicksal, glättet so gut es geht die Wellen und leidet still vor sich hin, oder man macht das Beste daraus. Ich habe mich für letzteres entschieden. Immer das Ziel vor Augen: Aussehen wie die Glisskur-Frau! Also habe ich gegoogelt und bin auf die Curly Girl Methode gestoßen, eine Pflegeanleitung aus den USA, die gesunde, definierte Traumlocken verspricht. Kern der Methode: Verzicht auf chemische Produkte und Shampoos. Na dann: Challenge accepted. Und so funktioniert's:

 1. Waschen: weniger ist mehr! 

IHHH: Nur noch einmal in der Woche Haare waschen? Klingt eklig – macht aber Sinn: Locken sind aufgrund ihrer Haarstruktur von Natur aus trocken. Deshalb sollten sie so wenig wie möglich und mit Clarifying Conditioner (einer reinigenden Spülung) oder ganz milden Shampoos gewaschen werden. Herkömmliche Shampoos enthalten nämlich meist Inhaltsstoffe, die das Haarchaos nur verschlimmern, wie aggressive Tenside, Parabene, austrocknende Alkohole und Silikone. Das gute Zeug gibt es beispielsweise hier.

2. Nie mehr ohne Conditioner 

Absolutes Basic bei der Curly Girl Methode: Locken lieben Conditioner – das Herzstück der Lockenpflege. Der schützt die Haare, glättet die Haarstruktur und bewahrt sie vor dem Austrocknen. Deshalb lieber öfter mal auf Shampoo verzichten und stattdessen nur zum Conditioner greifen - aber nur zu dem ohne böse Inhaltsstoffe. 

3. Kämmen? Nur nass! 

Waaasss? Ich soll meine Haare nicht mehr kämmen? Ganz genau! Im Gegensatz zu glatten Haaren, bestehen Locken nämlich aus einzelnen Haarbündeln. Wenn man die Haare bürstet, zerteilt man die und es entsteht ein formschöner, frizzeliger Haar-Mob, statt definierter Lockenpracht. Deshalb gilt: Locken nur in nassem Zustand mit Conditioner in den Haaren und den Fingern, einem grobzinkigen Kamm oder einer Lockenbürste entwirren. Und ja, es ist komisch, aber man gewöhnt sich dran. 

4. Stylen: Definition wie die Glisskur-Frau 

Leave-in Conditioner und verschiedenen Stylingprodukte verleihen den Haaren Definition und schützen vor Frizz. Welche Produkte dabei die richtigen sind, ist von Haartyp zu Haartyp unterschiedlich. Viele Curly Girls setzen auf Gel, das nach dem Trocknen aus den Haaren geknetet wird.  

5. Hitzefrei – Locken an die Luft setzen 

Dass starke Hitze die Haare schädigt, trifft auch auf Locken zu. Deshalb bestenfalls nur mit Diffusor föhnen oder noch besser: Luft trocknen lassen. 

4. „Darf ich mal anfassen?“ – „NEIN!“ 

Klar, es ist verlockend in diese wunderschönen Haare zu greifen, aber wer ständig mit seinen Haaren spielt und darin herumwuschelt, sorgt nur für unnötigen Frizz. Vor allem während des Trocken-Vorgangs. Deshalb: Finger weg! 

Fazit: "Wow, hast du tolle Locken!"

Die Curly Girl Methode ist am Anfang gewöhnungsbedürftig, aber die Ergebnisse sprechen für sich. Statt mit wildabstehenden Antennen rumzulaufen, werde ich jetzt nämlich für meine Glisskur-Locken bewundert. Einziger Nachteil: In meinem Badezimmer stapeln sich Haarprodukte ohne Ende. Und natürlich brauche ich die alle! Ich bin jetzt eben ein richtiges Curly Girl. Traumabewältigung abgeschlossen.



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Hassliebe Locken: Wie eine Pflegemethode die Beziehung zu meinen Haaren rettete
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