Intimfrisur: Kahlschlag? Na, sicher!

Der Busch muss ab – da gibt es für unsere Autorin keine Diskussion. Wieso? Lest selbst.

von Theresa König

Haare unterliegen der Mode. Und die wechselt. Von Kultur zu Kultur. Von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. Und so wird ein Mehr oder Weniger an Haaren manchmal als mehr oder weniger ästhetisch gefunden. Heutzutage halten wir es wieder wie die Menschen im Alten Ägypten. Dort entsprach ein haarloser Körper dem gängigen Schönheitsideal. Insbesondere Frauen enthaarten sich – ja, auch im Intimbereich – und benutzten dazu Bronzemesser oder Bienenwachs. Unsere Methoden mögen sich verändert haben, das Ergebnis ist aber das Gleiche: Untenrum wird blank gezogen. Denn schön ist’s erst, wenn der Busch weg ist.

Frau ist Frau – mit oder ohne Haare in der Bikinizone

Jetzt höre ich schon wieder diese empörten Stimmen, die sagen „Wieso sollten sich erwachsene Frauen freiwillig wieder zu prepubertären Mädchen machen?!“ Ach ja, immer die gleiche Leier. Aber eine Intimrasur macht uns doch nun wirklich nicht wieder zu kleinen Mädchen? Wir haben Brüste und Hintern, Schwangerschaftsstreifen und kleine Röllchen. Eine Frau ist eine Frau – mit oder ohne Busch. Bei einem Mann kommt doch auch keiner auf die Idee zu sagen, er würde aussehen wie ein kleiner Junge, nur weil er sich die Haare um die Eier oder den Bart wegrasiert. Warum dann also bei Frauen?

Schamhaare, da müssen wir nun alle mal ganz ehrlich sein, sind nicht schön. Sie sind dick und kraus, ein bisschen fusselig und irgendwie immer im Weg. Deswegen entfernen sich laut einer repräsentativen Studie der Universität Leipzig etwa 55 Prozent der Frauen ihre Schamhaare ganz oder teilweise. Für die Jugendlichen ist das Enthaaren etwas ganz Selbstverständliches geworden: 94 Prozent entledigen sich ihres Wildwuchses. Wieso auch nicht? Heute braucht den nämlich kein Mensch mehr.

Wir brauchen keine Schamhaare (mehr)

Früher, also wirklich ganz, ganz früher, da ergaben Haare im Genitalbereich noch einen Sinn: Sie sollten die sexuelle Anziehungskraft erhöhen. Denn Drüsen in diesem Bereich sondern mit dem Schweiß Sekrete aus, die sexuelle Lockstoffe enthalten. Sie bleiben an den Haaren hängen und werden so über einen längeren Zeitraum verströmt. Aber das sei schon seit mehreren tausend Jahren für den Menschen irrelevant, meinen Biologen. Selbst Primaten hätten andere Möglichleiten, einen Partner zu gewinnen. Für den Menschen ist Körperbehaarung biologisch also überhaupt nicht mehr notwendig.

Warum hängen dann so viele dran? Weil sie mit ihren Haaren ein Statement setzen wollen. Für den Feminismus etwa, weil sie sich dem Rasur-Diktat entziehen. Oder wie die 68er, die unter dem Motto „Let it grow“ ein Zeichen gegen das Establishment setzen wollten. Aber wollen wir wirklich mit unseren Schamhaaren ein Statement setzen? Haben wir nicht einen schlauen Kopf und einen Mund, um Argumente zu formulieren und vorzutragen? Das halte ich für die deutlich effektivere Methode. Denn, wem zeige ich schon regelmäßig meinen Intimbereich? Und wenn ich gerade mal dabei bin, will ich dann wirklich über Feminismus, Frauenbilder, das Establishment und Gleichberechtigung reden oder können wir bitte direkt zur Sache gehen? Also ich muss da jetzt nicht lange drüber nachdenken.

Deswegen plädiere ich ganz klar für die Glatze untenrum. Einfach weil es schöner ist. Punkt. Noch Fragen?