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Workout? Pfff! Kein Sport ist auch eine Lösung – und zwar eine Gute

Sport: Arobic Workout
© UpperCut Images
Mal wieder hat der innere Schweinehund gewonnen und die Sporttasche bleibt unberührt in der Ecke liegen. Ach, alles halb so wild, findet unsere Autorin.
Von Hannah Fiebig

Es gibt zwei Sorten von Menschen. Die Sport-Junkies, die größtenteils im Fitnessstudio leben, dort wahrscheinlich ihre eigene Stamm-Dusche haben und ein Protein-Riegel-Abonnement. Und Menschen (wie mich), die damals schon mit wehendem Entschuldigungszettel besonders theatralisch in den Sportunterricht humpelten und bis heute nur ins Schwitzen geraten, wenn sie ihre Kontoauszüge am Monatsende zögerlich abheben. Klar, ein schlechtes Gewissen hat man schon, wenn man auf Instagram seinen Freunden dabei zusieht, wie sie grinsend einen Halbmarathon laufen oder mit ihren Kindern Fußball im Garten spielen, ohne dabei melodramatisch zu keuchen. Großer Respekt! Den empfinde ich dann wirklich, aber eben auch Unwohlsein in Form eines ziemlich starken schlechten Gewissens.

Stress statt Stressabbau

Das mit dem schlechten Gewissen ist ein echtes Problem! Der Fitnesshype sorgt vor allem für eins – enormen Stress mithalten zu wollen. Und das ist ja wohl gesundheitsgefährdender, als sich nicht zu bewegen. Selbst die Weltgesundheitsorganisation gibt mir da recht, die Stress als größte gesundheitliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts ausgemacht hat. Dazu kommt, dass der Sportwissenschaftler Hans Bloss in einem Interview mit jetzt.de bestätigte, dass sich gerade einmal 20 Prozent der Deutschen in ihrer Freizeit freiwillig bewegen würden. Für alle anderen bedeute Sport schlichtweg zusätzlichen Stress und Leistungsdruck im Alltag. Wir Sportmuffel sind also gar keine seltene Spezies, sondern eigentlich ziemlich gewöhnlich. 

Bad putzen ist auch ein Workout

Für manche Leute ist Sport einfach der falsche Ansatz und das ist auch völlig in Ordnung. Wenn einem 50 Hampelmänner und 20 Burpees nun mal keinen Spaß machen, dann ist das kein Weltuntergang, sondern einfach nur der falsche Weg, etwas für seine Gesundheit zu tun. Nicht alles ist gut für alle. Außerdem: Mir fallen tausend Aktivitäten im Alltag ein, bei denen Bewegung ein Nebeneffekt ist: Bad putzen, mein ultraschweres H&M-Paket wegbringen, Gartenarbeit, der Weg von der Bahnstation nach Hause ... Mehr muss es auch gar nicht sein. 

Und noch eins: Falls euch Sportfanatiker mal wieder mit "Wer Sport treibt, lebt länger"- Argumenten bekehren wollen, dann nickt ihnen getrost zu. Mag vielleicht sein, ihr Lieben! Nur nützt mir das recht wenig, wenn ich die Zeit, die ich am Ende gewinne, ja sowieso schon durch quälende Stunden im Fitnessstudio verloren habe. Am Schluss hebt sich der Zeitgewinn eh wieder auf. Eine einfache Rechnung, wie ich finde, oder?


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