Krampfadern, Dellen, Speck? Warum wir trotzdem Bikini tragen sollten

Unsere Autorin hat Urlaub in Florida gemacht. Was sie dort gelernt hat? Makel sind gar nicht schlimm, wenn alle sie ungeniert zeigen.

von Marie Stadler

Klar gab es sie an jedem Strand: die Schönheiten. Braungebrannt und makellos hatten sie sich möglichst sonneneinstrahlungswinkeloptimiert auf die Liegen drapiert, ihr wallendes Haar in einen lockeren Dutt gebunden, die Zehen perfekt lackiert. Und dann gab es da noch die anderen. Viele. Sehr viele. In den ersten Tagen unseres Trips in Florida fielen sie mir noch auf. All diejenigen, die so aussahen wie ich, oder noch ein bisschen delliger, ein bisschen dicker, ein bisschen anders halt als Heidi Klum und ihre „Mädchen“. Das war für meine Augen ungewöhnlich, denn offensichtlich ist es in Deutschland eine Frage der Figur, ob man einen Bikini tragen „kann“ oder nicht. Aber irgendwann hatte ich mich ausgegeguckt. Der Newswert war erschöpft. Die waren halt nicht perfekt und trotzdem halbnackt. Na und?

Bikini tragen trotz Speckrollen

Ich entspannte mich langsam aber sicher, wurde sicherer mit mir selbst und zog Klamotten an, die ich hier in Deutschland zumindest nur mit Überwindung und echt nur an den allerheißesten Tagen trage. Ich hörte auf, an meinen kurzen Hosen zu zuppeln, um auch ja die unterste Delle an meinen Oberschenkeln zu kaschieren. Ich rannte mit meinen Kindern ins Meer, obwohl ich ganz sicher dabei ordentlich ins Wabern geriet und wenn ich mich hinsetzte, war es mir ehrlich gesagt ziemlich egal, ob sich ein Röllchen über meine Bikinihose schob. Undenkbar für eine durchschnittliche Otto-Normal-Bürgerin von hier. Da muss man in Deutschland schon zu den eher Mutigen gehören, um da drüberzustehen. Hier kaschiert man, was dazu führt, dass irgendwie alle denken, es gebe nur Menschen mit perfekten Bäuchen. Naja, und halt die im Badeanzug. Die anderen.

Wenn wir nur alle zu uns stehen würden

Ich habe mich nach dem Urlaub mit einem Freund aus Brasilien unterhalten und er lachte über meine Verwunderung über die amerikanische Leichtigkeit des Seins – auch mit schwerem Körper. „Nee du“, sagte er, „nicht die Amis sind so besonders. Die Besonderen seid ihr deutschen Frauen!“ Und er erzählte mir von seiner Heimat, wo Frauen mit den unterschiedlichsten Figuren in der knappesten Bademode herumliefen. Überhaupt würde in Brasilien kaum eine Frau auf die verrückte Idee kommen, sich wegen ein paar Kilos zu viel nicht sexy zu fühlen. „Unsexy macht Frauen doch nur, wenn sie sich für sich selbst schämen“, befand er und zeigte mir ein Video von einer brasilianischen Tanzgruppe, in der der Sexappeal ganz offensichtlich keine Frage des Gewichts war.

Body Positivity – Ihr müsst alle mitmachen

Ich habe es mir wirklich vorgenommen, diesen Spirit zu behalten. Ganz ehrlich? Ich finde es echt schwer, aber ich zieh es durch! Auch wenn ich dann die Eine mit den Dellen in Hotpants bin. Aber es wäre wirklich gut, wenn ich nicht alleine damit wäre. Wenn wir verdammt nochmal zeigen würden, dass wir alle unterschiedlich aussehen und dass nicht die Unperfekten die Ausnahme sind, sondern die Heidi Klums. Die sind wunderschön anzusehen und ich freue mich sehr über den Anblick ihrer Schönheit. Aber noch ein bisschen mehr würde ich mich freuen, mal wieder einen Bikini in Größe XL zu sehen. Oder zwei. Oder drei. Oder tausend. Und zwar nicht irgendwo, sondern im Freibad um die Ecke. Das wäre schön! Und Speckröllchen sehen übrigens auch gleich viel netter aus, wenn sie ein bisschen Sonnenlicht abkriegen.  

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