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Künstliche Nägel: Wie Möbelhaus-Kunst, nur hässlicher

Künstliche Nägel: Wie Möbelhaus-Kunst, nur hässlicher
© Getty Images
Frau kann sich die Nägel machen – oder aber die Hände verunstalten: Warum dezenter Nagellack schöner ist als Plastik-Krallen mit Perlen drauf.
von Rex Valentino

Na? Schon die Nägel lackiert? Hoffentlich nicht – denn: Hier bin ich wieder. Der Dekonstruktor. Terminator von Beauty-Mythen. Henker von Pseudo-Mode. Heute im Mittelpunkt der Arena des Todes: Künstliche Nägel. Überlebenschance? So um die 0,003 Prozent bei Sonnenschein. Nur blöd, dass es heute regnet. Mein schreckliches Beileid.

Aber mal ehrlich: Es gibt ja Unmengen an Mode- und Beautyverbrechen. Für einige gehört man eine Nacht in die Ausnüchterungszelle. Für andere lebenslänglich nach Guantanamo Bay. Mit Wasser und Brot – und ja, vielleicht einmal im Monat Fischstäbchen.

Eines dieser Jahrhundertverbrechen sind künstliche Nägel. Ob aus Acryl, Gel oder Fiberglas ist mir Wurst. Ihr könnt euch die auch aus Eierschalen oder Tannenzapfen basteln, das macht die Sache nicht besser. Künstliche Nägel gehören aufs Mode-Abstellgleis, und zwar deshalb:

1. Fliegende Gefahrenzone

Künstliche Nägel: Wie Möbelhaus-Kunst, nur hässlicher
© Privat

"Ach, der Freddy Krüger, der ist super süß und mein Idol und so." Macht Sinn. Wer Nägel schwingt, die länger als zehn Millimeter sind, läuft ja praktisch auch mit Handwaffen durch die Gegend. 

Die Dinger sind gefährlich für jedes Körperteil: Nach dem Händeschütteln klaffen die Venen offen. Nur mal kurz die Wange streicheln und schon fehlt ein Ohr. Kleiner Schulterklopfer und man fühlt sich als hätte Wolverine einem den Rücken massiert. Brandgefährlich also. Wir verlangen einen Waffenschein.

 

2. Zwei linke Hände

Habt ihr Kim Kardashian schon mal Holz hacken gesehen? Oder beim Reifenwechsel? Eben. Mit künstlichen Nägeln geht das nicht – generell geht nur noch sehr wenig. Die beiden wohl nützlichsten Utensilien – wir nennen sie Hände – werden zu unbrauchbaren Fleischknüppeln. 

Nicht mal die alltäglichen Aktivitäten bleiben unbeeinträchtigt: Auf der Laptop-Tastatur haut man daneben, Handy-Nachrichten muss man mit der Nase beantworten und nach dem Kochen sitzt der ganze Majoran hinter den Nägeln – widerlich! Logo wirkt das alles easy bei der Kardashian, die muss ja auch nichts selber machen.

3. Im Banne des Acryl-Regenbogens

Künstliche Nägel: Wie Möbelhaus-Kunst, nur hässlicher
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Künstliche Nägel sind nicht nur tödlich und gänzlich unpraktisch, sondern bergen noch eine dritte Tücke: Sie lenken ab. Wie Krümel im Bart oder verschmierter Lippenstift. Quasi also wie eine Ampel. Und zwar nicht die grüne, sondern die neon-orange auf der "Tussi! Tussi! Tussi!" blinkt.

Gepflegte Nägel dürfen positiv auffallen, klar. Als Attribut. Künstliche Nägel hingegen reissen alle Aufmerksamkeit an sich wie das verzogene Einzelkind am Familienfest. Die Person selbst tritt dabei in den Hintergrund – man nimmt nur noch die Verzierungen auf den Nägeln wahr und fragt sich: "Wer zum Teufel findet das schön? Wie viel Zeit wurde da unnötig vertrödelt? Und wer hat bloß die Mini-Einhörner darauf gezeichnet?"


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