Los ihr Grantler: Rauf auf den Tussi-Toaster! Gute Laune to go, bitte!

Man hört ja immer furchtbare Sachen über den Solarium-Besuch. Unsere Autorin findet, dass sich alle mal wieder einkriegen und zehn Minuten unter die Röhre legen sollten. Ganz im Sinne der Sozialverträglichkeit. Auch wenn das eine unpopuläre Meinung ist.

von Miriam Kühnel

Was ich am Winter am meisten hasse? Darauf habe ich eine ganz klare Antwort. Weder Eis, noch Schnee, noch Kälte machen mir viel aus. Auch die graue Tristesse und die kahlen Bäume hauen mich nicht aus den Socken. Nein, es ist die Miesepetrigkeit, die dir sofort entgegenschlägt, sobald du einen Schritt vor die Haustür wagst. 

Frühjahrsmüdigkeit? Ich nenne es Frühjahrsgrantigkeit

Woher kommt das eigentlich, dass die ganze Welt der Meinung ist, sie dürfe sich der schroffen Winterwelt mit noch viel schrofferer Art einfach anpassen? In der U-Bahn werde ich wortlos angerempelt. Rentner drohen an der Kasse mit Stöcken, wenn sie nicht vorgelassen werden. Elternabende eskalieren fast in Massenkeilereien. Szenen, die sich so vor allem im Winter abspielen. So als ob es nicht nötig wäre, mal mit einem freundlichen Lächeln oder netten Worten ein bisschen gegenzusteuern. Nein, man ist ja so müde, so kränklich, so urlaubsreif und überhaupt, das ist schon mal ein bis zwei runtergezogene Mundwinkel und einen zehnminütigen Vortrag über die Grausamkeit des Seins wert. Wie merkwürdig doch Menschen nach fünfmonatigem Sonnenentzug mutieren . Ich will jedenfalls echt nicht wissen, wo die Bewohner des Polarkreises grade so mental stehen.

Tut bitte was!

Manchmal hätte ich gerne Flyer von allen Sonnenstudios der Stadt im Gepäck, die ich allen grantigen Wintermenschen unter die Nase halten kann, wenn es wieder losgeht. "Los, kauft euch einfach ein bisschen Vitamin D" will ich ihnen zuschreien. "Schnappt euch ALDI-Reise-Kataloge und träumt vom 5-Sterne-Ressort in Dubai, geht in die Sauna und wärmt euch von innen. Tut einfach irgendwas, was euch daran erinnert, dass das Leben schön ist. BITTE!"

Lasst uns Helden des Winters sein

Zum Glück aber gibt es sie. Vereinzelt, aber immerhin: Die Helden des Winters. Zum Beispiel Slim, der Mann vom Kiosk am Bahnhof, der so herzerwärmend einen schönen Tag wünscht, dass mir selbst montags keiner mehr die Laune verdirbt. Oder der Durchsagenmann im ICE, der überschwänglich auf die Schönheit der raureifbedeckten Felder hinweist. Der Rentner, der mich mit zwei quengelnden Kindern an der Kasse vorlässt und die beiden mit ein bisschen Blödeln von den Ü-Eiern ablenkt. Wie ich sie liebe, diese Menschen, die einfach ignorieren, dass es grau und erbärmlich ist da draußen. Sie tun der Welt gut, weil sie einfach nicht grau und erbärmlich sind. Also lasst uns unbedingt alle Helden der Tristesse werden und das Vitamin D der Stadtseelen sein! Lasst uns lächeln und Solariumflyer verteilen, einen wunderschönen Wintertag wünschen und die Schönheit des Raureifs besingen. Denn schon ganz bald ist es wieder Sommer. Und zehn Minuten auf dem Tussi-Toaster reichen schon, um sich daran zu erinnern, wie sich Sonnenstrahlen auf der Haut anfühlen.